Studentenwohnheime: Besser als ihr Ruf?

Zum Semesterstart zieht es viele neue Studenten in die Uni-Städte des Ruhrgebiets. Das bedeutet auch eine Ansturm auf den Wohnungsmarkt. Die Alternative für alle, die zu spät kommen oder sich eine eigene Wohnung nicht leisten können, ist ein Platz in einem Wohnheim.  Die haben allerdings nicht den besten Ruf bei den Studenten. Zurecht?

Gebäude, die aussehen, als hätten sie ihre besten Zeiten bereits hinter sich, ständige Dauerbeschallung mit Partylärm, dreckige, altmodische Wohnräume, ein Badezimmer für zehn Leute und einfach keine Ruhe zum Lernen: Dieses Bild haben viele Studenten im Kopf, wenn sie an das Leben im Wohnheim denken. Aber entspricht diese Vorstellung auch der Wahrheit?

„Sauberkeit lässt zu wünschen übrig“

Manchmal ja, weiß der Bochumer Student Chris D.  „Die Zimmer sind oft im Charme der 70er Jahre und 13 Leute auf einer Etage mit zwei Toiletten, das ist nicht wirklich schön. Auch die Sauberkeit lässt ziemlich zu wünschen übrig“, so der  Student über das Bochumer Studentenheim Papageienhaus an der Markstraße. Ralf Weber, Pressesprecher des Akademischen Förderwerks Bochum (AKAFÖ), weiß um den erschreckenden Zustand des Papageienhauses: „Das Haus gehört nicht zum Besitz der AKAFÖ, wir haben dort nur ein paar Zimmer gemietet, in denen der Zustand aber gut ist.“, sagte Weber.  Das Wohnheim habe in der Vergangenheit oft den Besitzer gewechselt, so der Pressesprecher.

Das Hardenberghaus befindet sich in der Laerheidestraße 26. Foto: Mareike Maack

Das Hardenberghaus befindet sich in der Laerheidestraße 26. Foto: Mareike Maack

Die Unterschiede in den Bochumer Wohnheimen scheinen gravierend zu sein. Student Chris D. lebte selbst einige Zeit im rosa angestrichenen Hardenberghaus, das in idyllischer Lage nahe an einem Waldrand liegt: „Im Hardengerghaus gab es ungefähr vor drei Jahren mal ein Problem mit Ameisen und Kakerlaken, noch heute findet man ab und zu Lebendfallen. Ich fand die Zeit in dem Haus aber gar nicht so schlimm, was auch daran lag, dass ich eine sehr saubere WG hatte,“ so Chris D. Auf der anderen Seite gibt es in Bochum laut dem Studenten aber auch sehr schöne und moderne Wohnheime, wie beispielsweise das „Studidorf“ oder das Studentenheim „Grimberg.“

Die AKAFÖ legt viel Wert darauf,  die Wohnheime moderner zu gestalten, daher werden derzeit zwei Studenten-Wohnanlagen in Bochum kernsaniert. Finanziert werden diese Modernisierungsarbeiten mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II des Bundes.

Modernisierungsarbeiten laufen

Auch beim Studentenwerk  Duisburg -Essen gibt es laut Pressesprecherin Petra Karst Unterschiede in der Modernität der Wohnheime: „ Zwei unsere Häuser sind zur Zeit geschlossen, sie werden modernisiert und damit auf einen topneuen Stand gebracht. Die anderen Häuser folgen dann nach und nach“, sagte Karst. Studenten, die kurzentschlossen noch einen Platz suchen, haben hier gute Chancen. „Ich bin froh, dass die neuen Studenten nicht auf der Straße sitzen, sondern einen Wohnheimplatz bekommen können“, so die Pressesprecherin. Ähnlich sieht es auch in Bochum aus, auch hier können Studienanfänger zurzeit noch Wohnheimplätze ergattern.

In Dortmund sind alle Plätze belegt

Anders ist der Stand in Dortmund. Maike Timphus, 19 Jahre, beginnt im kommenden Semester ihr Studium im Bereich Chemische Biologie an der TU Dortmund, sie scheut einen Platz im Studentenheim nicht. Im Gegenteil:  sie hätte gerne einen bekommen. „Da ich aus Köln komme, habe ich mich um einen Platz im Dortmunder Studentendorf beworben, leider habe ich keinen bekommen und muss nun pendeln oder auf einen freien Platz warten“, sagte die Studentin.

Warten müsste die 19-Jährige circa sechs Monate oder länger, weiß Catherine Heyer vom Studentenwerk Dortmund: „Wir haben alle Zimmer vermietet und momentan keine Plätze mehr in den Wohnheimen frei.“ Besonders beliebt seien bei Dortmunder Studenten die Einzelappartements, so Heyer. Diese befinden sich zum Beispiel in der Emil-Figge-Str. 3,7 und 9 und wurden 200-2007 modernisiert. Das modernste der Dortmunder Wohnheime wurde 2009 modernisiert und ist nun ein Niedrigenergiehaus Technik.

n der Emil-Figge-Str. 3, 7 und 9 befinden sich Einzelappartements. Foto: Mareike Maack

In der Emil-Figge-Str. 3, 7 und 9 befinden sich Einzelappartements. Foto: Mareike Maack

Wissenschaftsjournalistik Studentin  Lydia Klöckner hat im vergangenen Jahr einen der beliebten  Plätze  im Dortmunder Studentendorf erhalten. Die gemütlich wirkenden Häuschen des Dorfes sind von kleinen Wegen und Grünflächen getrennt. Auch die Zimmer entsprechen laut Studentin Lydia nicht den Horrorvorstellungen über Studentenwohnheime: „Mein Zimmer ist hell und die Küche und das Bad sind auch in Ordnung. Was mir nicht so gut gefallen hat, waren der Schreibtisch und der grauenvolle Schrank, die bereits im Zimmer standen. Aber den Schrank habe ich mittlerweile mit rosa Geschenkpapier eingepackt – jetzt geht’s“, so die Studentin. Ein weiteres Manko ist laut Klöckner die seit einigen Wochen nicht funktionierende Heizung. „Trotzdem fühle ich mich sehr wohl im Studidorf.“

Das Studidorf verfügt wie die viele Wohnheime über eine eigene Kneipe. „Spunk“ ist jeden Mittwoch geöffnet: „Dort gibt es Getränke zu sehr günstigen Preisen und man trifft im Spunk eigentlich immer die gleichen Leute, es gibt soweit ich weiß sogar einen eingeschworenen  Spunk-Dorf-Kern.“ Wohheimpartys würde es natürlich auch geben, erzählt die Studentin und erinnert sich an den vergangenen Sommer, als in ihrer Nachbar-WG jeden Donnerstag eine Party stattfand.

Im Studentendorf der TU Dortmund sind zur Zeit keine Plätze mehr frei. Foto: Mareike Maack

Im Studentendorf der TU Dortmund sind zur Zeit keine Plätze mehr frei. Foto: Mareike Maack

Außerdem findet im Studentendorf einmal im Jahr eine Dorfparty statt.   Auf der Dorfparty lassen sich in lockerer Atmosphäre  und bei einem leckeren Bier sicher viele Kontakte mit anderen „Dorfbewohnern“ knüpfen.

Wohnheimsuche: Vergleichen lohnt sich

Bei der Suche nach einem Studentenwohnheim sollte man sich also vorher am besten über den Zustand des Hauses informieren. Auf den Internetseiten der einzelnen Studentenwerke kann man vom Mietpreis bis hin zum Modernisierungsdatum alles nachlesen und alle Häuser sind mit Fotos abgebildet. Daher lohnt sich ein Blick auf diese Seiten immer. Wer nicht zu weit weg wohnt, ist sicherlich auch gut damit beraten, das ausgewählte Studentenheim vorher einmal persönlich unter die Lupe zu nehmen. Dann kann eigentlich auch nichts mehr schiefgehen. Geeignet, um in einem Studentenheim zu wohnen, ist laut Ralf Weber vom AKAFÖ Bochum jeder Student – außer er wäre Tuba-Bläser und hätte das dringende Bedürfnis, unbedingt nachts zu üben.

Welche Erfahrungen habt ihr im Studentenwohnheim gemacht? Schreibt uns eine E-Mail an pflichtlektuere@gmail.com oder verfasst eure Geschichten als Kommentare unter dem Text.

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