Die Briten sind raus – die Welt spekuliert

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Nach Tagen ungewisser Prognosen jetzt die Klarheit: Großbritannien tritt aus der Europäischen Union aus. Das haben gestern knapp 52 Prozent der rund 50 Millionen wahlbeteiligten Briten entschieden. Die Reaktionen auf den Austritt sind zahlreich: Lob von Rechtspopulisten, Entsetzen vor allem bei jungen Briten und in weiten Teilen der EU – auch in Dortmund.

Premierminister David Cameron hat seinen Rücktritt angekündigt, das Pfund verliert dramatisch an Wert und Aktienkurse weltweit stürzen ab. Währenddessen wollen Politiker aus Schottland und Nordirland in der EU bleiben. Die Brexit-Entscheidung der Briten sorgt momentan weltweit für Wirbel. Darüber, welche weiteren wirtschaftlichen und politischen Probleme der Austritt mit sich bringt, streiten sich die Experten.

Gespannt guckt Europa deshalb nun auf die Folgen, die sich für die EU aber besonders für England ergeben. Wolfram Richter, emeritierter Dozent für öffentliche Finanzen an der TU Dortmund, sieht neben Großbritannien selbst besonders ein Land sowohl positiv als auch negativ betroffen: Irland. „Großbritannien hat seinen Vorteil, als englischsprachiges Land zu einem gemeinsamen europäischen Markt zu gehören, verloren und an Irland weitergegeben. Somit wird das Land ein attraktiver Standort für Unternehmen aus aller Welt.“ Allerdings gingen elf Prozent der irischen Exporte nach England. „Irland ist somit zugleich Gewinner und Verlierer. Ich gehe aber davon aus, dass auf Dauer die Gewinnerseite überwiegt.“

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Wirtschaftlich gesehen sei aber vor allem Großbritannien der Verlierer, und weniger die EU: „Großbritannien wird auf Verhandlungen mit der EU setzen, um wirtschaftliche Schäden zu reduzieren“, erklärt Richter. „Diese Verhandlungen werden sich über Jahre hinziehen und so wird viel Unsicherheit herrschen. Das ist Gift für die Wirtschaft, denn Investoren wünschen sich einen sichereren Rahmen.“

Rechtspopulistische Welle

Viel gravierendere Folgen sieht Wolfram Richter allerdings auf politischer Ebene: „Mit dem Austritt Großbritanniens könnte eine Welle losgetreten werden, von der alleine rechtspopulistische Parteien profitieren. Es wird nicht einfach sein, das aufzuhalten.“ Tatsächlich fühlen sich viele rechtspopulistische Politiker durch den Brexit bestätigt und fordern in ihren Ländern ebenfalls einen EU-Austritt.

Auffällig ist, dass gerade junge Briten wohl für einen Verbleib in der EU gestimmt haben. Das Ergebnis hatte das Marktforschungsunternehmen Opinion schon vor dem Referendum prognostiziert. Demnach waren 53 Prozent der 18 bis 34-Jährigen gegen und nur 29 Prozent für den Brexit. Auch wir haben bei jungen Briten nachgefragt, und ganz unterschiedliche Antworten bekommen.

Gerade London mit seiner jüngeren, gebildeten und internationalen Bevölkerung hat sich klar für einen Verbleib in der Union ausgesprochen. Umso aufgewühlter sind dort besonders die jungen Briten. Allerdings: Genau in dieser Altersgruppe war die Wahlbeteiligung am niedrigsten. 

Beitragsbild: Sarah Puczewski

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