Moses warnt vor religiöser Steuerverschwendung

Die Initiatoren der Aktion 11. Gebot protestieren vor der Reinoldikirche. (Foto: Selina Dicke)

Die Initiatoren der Aktion 11. Gebot protestieren vor der Reinoldikirche. (Foto: Selina Dicke)

Drei Meter hoch, einen bösen Blick und einen mahnenden Zeigefinger. Die Moses Statue ziert bis Donnerstag, den 25. Juni, den Ostenhellweg der Dortmunder Innenstadt. Neben ihr steht eine Tafel mit der Aufschrift: „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst zahlen.“ Damit will eine Aktionsgruppe gegen die Verwendung von Steuergeldern für den evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund protestieren. Doch obwohl die Stadt tief in den roten Zahlen steckt, will sie das Geld ausgeben mit der Hoffnung auf Gewinn.

David Farago hat die Moses Statue aus Pappe und Gips selber entworfen und gebaut. Er ist Initiator der Aktion „11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst zahlen.“ Zusammen mit Unterstützern setzt er sich deutschlandweit dagegen ein, dass Städte mit öffentlichen Geldern Kirchentage mitfinanzieren. „Wir sind nicht gegen die Kirche oder den Kirchentag, sondern dagegen, dass der Tag von Steuergeldern der Bürger finanziert wird“, so David Farago. Religion sei schließlich Privatsache und damit ein Kirchentag auch keine Staatsangelegehnheit.

Die Moses Statue aus Pappe und Gips ziert die Dortmunder Innenstadt. (Foto: Selina Dicke)

Die Moses Statue aus Pappe und Gips ziert die Dortmunder Innenstadt. (Foto: Selina Dicke)

 

Kirchentag 2019 in Dortmund

Der Kirchentag wird jedes Jahr in einer anderen deutschen Stadt ausgerichtet. Für 2019 ist er in Dortmund geplant. Eigentlich sollte der Stadtrat routinemäßig am 25. Juni schlussendlich darüber entscheiden, ob das Event in Dortmund stattfindet oder nicht. Allerdings hat der Stadtrat die Entscheidung auf September vertagt. Grund dafür: die Ratsfraktionen sind mit der Finanzierung unsicher. Einige Parteien möchten vor der entgültigen Entscheidung eine genaue Kostenübersicht. Sie wollen wissen, wie viel die geplanten Sachleistungen der Stadt am Ende noch zusätzlich kosten werden. „Die Politik hat Beratungsbedarf“, begründet Udo Bullerdieck, Pressesprecher der Stadt Dortmund, die Entscheidung.

Die Städte finanzieren kräftig mit

Der Kirchentag wird durch Sponsoren, Landes- und Bundeszuschüsse, Teilnehmerbeiträge und zusätzliche Stadtzuschüsse finanziert. Für die Stadt Dortmund wären das rund 2,7 Millionen Euro. Hinzu würden eben noch erwähnte Sachleistungen, wie zum Beispiel Geld für die Reinigung oder die Verkehrsplanung, kommen. Das haben die Unterstützer der Aktion 11. Gebot in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und den Stadtrat kritisiert. „Andere Kulturveranstalter müssen für den Platz, die Müllentsorgung und den Polizeieinsatz selbst bezahlen. Beim Kirchentag aber beantragt die Stadt einen Barzuschuss bestehend aus Steuergeldern“, das erklärt David Farago.

Die Parteien des Stadtrats sind geteilter Meinung: „SPD und Grüne stellen sich grundsätzlich nicht gegen den Kirchentag“, erklärt Christian Uhr, Dortmunder SPD-Fraktionsgeschäftsführer. Für sie kam der Antrag der Finanzierung des Kirchentags ein bisschen zu spät. So kurzfristig möchten sie nicht über eine Summe von 2,7 Millionen Euro entscheiden, sondern die Dortmunder Finanzen vorher genau prüfen.

Mit dieser Tafel demonstieren die Aktionsgruppe gegen die Verschwendung von Steuergeldern.  (Foto: Selina Dicke)

Mit dieser Tafel demonstieren die Aktionsgruppe gegen die Verschwendung von Steuergeldern.
(Foto: Selina Dicke)

Dortmund hoch verschuldet

Der Schuldenstand der Stadt Dortmund beläuft sich mindestens auf 2,4 Milliarden Euro. Durch  den Kirchentag würde die Summe weiter ansteigen. Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Monegel bedeutet der Kirchentag allerdings „eine bessere Werbung für unsere Stadt als jede Imagekampagne mit Hochglanzbroschüren.“ Er sieht es als gut investiertes Geld an. Vor allem würden die Gastronomie, der Handel und die Hotelbranche profitieren. Denn die Stadt rechnet mit über 100.000 Besuchern.

Der Kirchentag gehört organisatorisch nicht zur Kirche. Er ist ein eingetragener Verein. Die Sprecherin des Kirchentages, Sirkka Jendis, würde sich freuen, wenn die Veranstaltung in Dortmund stattfände. Sie lädt die Initiatoren des Protests ein, vorbeizuschauen. Bei keinem anderen Event ließen sich gesellschaftliche Anliegen wie Politik und Bildung so dicht thematisieren, erklärt sie ihre Einladung.

Doch diese bleiben weiterhin skeptisch. Bis Donnerstag ziehen sie ihre Moses Statue auf einem Wagen durch die Stadt. Die Holzkonstruktion hat einen Wert von mehreren Tausend Euro. Finanziert wird sie nicht von Steuergeldern, sondern von der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich selbst als religionskritisch bezeichnet.

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