Trampen wie kein anderer

Für einige ist per Anhalter fahren immer noch der einfachste Weg, um von A nach B zu kommen. Das dachte sich ebenfalls der Journalist und Autor Holger Steffens, als er in seiner Jugend mit dem Auto durch Europa trampte. Doch irgendwann war ihm das nicht mehr aufregend genug – der Startschuss für sein extremes Tramp-Projekt.

Eigentlich wollte er doch nur seinen Bekannten in Lübeck besuchen. Eine kleine Bootsfahrt mit einem Ausflugsdampfer Richtung Travemünde machen und einen schönen Tag verbringen. Hier mal ein Krabbenbrötchen essen, dort mal ein Bierchen trinken. Mit den Füßen im Wasser der Ostsee planschen und die freien Tage in der brennenden Sonne genießen. Für Holger Steffens sollte es aber mehr als nur ein kleiner Ausflug werden.

In Cuxhaven ging das Schiff-Tramping los. Statt wenigen Tagen brauchte Holer fast eine Woche.

In Cuxhaven ging das Schiff-Tramping los. Statt wenigen Tagen brauchte Holger fast eine Woche. Foto: mbd

Auf dem Sonnendeck kam den Kumpels nämlich eine verrückte Idee: Holger könnte doch mal per Anhalter mit Schiffen durch Deutschland trampen. Dass dieser Geistesblitz später eine ganze Tramper-Serie nach sich ziehen würde und ihm einige außergewöhnliche Erlebnisse bescheren sollte – das hatte Holger damals wahrscheinlich noch nicht geahnt.

Per Schiff von Cuxhaven nach Dortmund

Die passende Gelegenheit, das ‚Experiment Schiff-Tramping‘ auszuprobieren, ließ auch nicht lange auf sich warten. Der Journalist war gerade für eine Reportage auf der Ölbohrplattform „Mittelplate“ vor Cuxhaven unterwegs. Und hatte den Rückweg noch nicht geplant. „Ich habe eigentlich gedacht, ich gehe in Cuxhaven in den Hafen und suche mir irgendein Schiff, das Richtung Dortmund fährt.“ Aber das ging richtig schief. Statt den Weg wie geplant in ein paar Tagen zu bewältigen, brauchte Holger fast eine Woche. Um jede einzelne Mitfahrgelegenheiten musste er hart kämpfen. Am Ende hatte er den Fuß auch nicht nur auf ein, sondern insgesamt sechs Schiffe gesetzt.

Urlaub war das Schiff-Tramping nicht: Außer das Deck schrubben musste Holger zum Beispiel in der Kajüte stehen.

Urlaub war das Schiff-Tramping nicht: Außer das Deck schrubben, musste Holger zum Beispiel in der Kajüte stehen. Foto: mbd

Überhaupt ein Schiff zu finden, war schwierig. Aber die eigentliche Arbeit stand Holger noch bevor. Denn wer auf einem Schiff einen Schlafplatz haben will, der muss auch etwas dafür tun. ‚Hand gegen Koje‘ – das heißt mit dem Wischmop wedeln, das Deck streichen oder in der Kajüte stehen und kochen. „Da muss man echt wahnsinnig viel lernen in ganz kurzer Zeit“, sagt Steffens. Das kann anstrengend sein. Aber wenn man den Kopf frei kriegen will, sei es genau das Richtige.

Motorrad, Kutsche, Bus und Bahn

„Dieses Schiffs-Tramper-Ding hat so gut funktioniert, dass wir gesagt haben: Wir machen da jetzt eine ganze Serie raus“, sagt Holger. Mit „wir“ meint er sich und sein „Kreativ-Team“. Das greift ihm unter die Arme, wenn es um die Ideen und Planungen der Tramper-Geschichten geht. Besonders originell sind seine Helfer, wenn sie die Regeln aufstellen. „Mit jedem Bier, das man abends trinkt, werden die in dieser Gruppe auch immer skurriler.“ Und Holger darf es am Ende dann ausbaden.

Beim Sulky-Tramping gilt: Alles erlaubt, nur nicht auf öffentlichen Straßen.

Beim Sulky-Tramping gilt: Alles erlaubt, nur nicht auf öffentlichen Straßen. Foto: mbd

So war es auch bei den anderen Tramper-Storys, die nach der Wasserstraßen-Tour folgten. Zum Beispiel der Bike-Tramper: von Aurich nach Passau nur als Sozius auf zwei- oder dreirädrigen Gefährten. Das war nicht nur skurril, sondern auch gar nicht mal so ungefährlich. „Der Fahrer weiß ja nicht, wen der da hinten drauf hat und ob der das überhaupt kann. Und ich wusste natürlich auch nie, wer da vorne am Gashahn sitzt.“

Solche Sorgen waren beim Sulky-Tramper aber gar nicht angebracht. Hier ging es darum, „möglichst langsam durch die Lande zu kommen“. Und wie? Gute Frage. Eigentlich konnte Holger alles, was sich irgendwie bewegen lässt, vor seine Mini-Kutsche spannen. Nur die deutsche Straßenverkehrsordnung setzte ihm Grenzen: Motorisierte Fahrzeuge waren tabu.

Die bislang letzte Story war der ÖPNV-Tramper. Hier musste Holger nur mit Kurzstreckentickets – die er sich dazu noch irgendwie verdienen musste – von Dortmund nach Duisburg trampen. Bus und Bahn erlaubt, S-Bahn strikt verboten. Mit der dauert die Strecke gut eine halbe Stunde. Und Holger? Der brauchte zwei Tage. Kein Wunder, wenn man alle drei Stationen aussteigen muss. Aber auch, wenn es manchmal schwierig war: Bei jeder Geschichte hat Holger tolle Erfahrungen gemacht. Besonders die Hilfsbereitschaft der Menschen hat ihn beeindruckt.

Der letzte Teil der Tramper-Serie soll über die Grenzen Deutschlands hinausgehen. Damit möchte Holger „alles, was wir bislang hatten, thematisch nochmal toppen“. Bis jetzt ist er immer an seinem Ziel angekommen. Bis jetzt…

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