Astronomiejahr: Von Sonne, Mond und Sternen

Menschen sind seit jeher von den Sternen fasziniert: „Wenn die Sterne nur von einem einzigen Ort aus auf der Erde sichtbar wären, würden die Menschen nie aufhören, dorthin zu reisen, um sie zu sehen“, schrieb der römische Philosoph Lucio Annaeus Seneca bereits um Christi Geburt. Das „Jahr der Astronomie 2009“ wurde von der UN ausgerufen, um daran zu erinnern, dass das Universum nicht weit weg irgendwo im Dunkeln liegt, sondern jede Nacht auf´s Neue sichtbar wird und zum Erforschen einlädt.

auf-den-spuren-galileis-weigt

400 Jahre nachdem Galileo Galilei sein Fernrohr gen Himmel richtete, will uns das Jahr der Astronomie erneut mit auf die Reise zu den Sternen nehmen. Foto: Hubble Heritage Bildarchiv

Tatsächlich haben sich die Menschen schon lange vor Christi Geburt Gedanken um ihren Platz im Universum und in der Welt gemacht. Seitdem es Menschen gibt, entwickeln sie unterschiedlichste Vorstellungen davon, wie die Welt auszusehen hat. Die Astrophysik revolutioniert auch heute noch unser Verständnis des Universums, indem sie Erkenntnisse dazu liefert, wie Sterne entstehen und wie sich Galaxien bilden. Denn wir wissen noch lange nicht so viel über unseren interstellaren Standort, wie wir vielleicht denken. In Erinnerung an alle großen Fortschritte und an die Bedeutung der Astronomie für die Kultur hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 20.12.2007 das Jahr 2009 offiziell zum „International Year of Astronomy“ erklärt.

bild-nasa-earth-observatory-weigt

Seit wann wissen wir, dass die Erde eine Kugel ist? Und von wem? Glauben wir, was in Büchern steht? Foto: NASA

Scheibe oder Kugel?

Das astronomische Allgemeinwissen würde ohne Medien vermutlich verloren gehen: „Beweisen Sie mir, dass die Erde keine Scheibe ist. Ohne Bücher, ohne Fernsehen, ohne Internet“, sagte mein Astronomie-Professor Steinrücken von der TU Dortmund zu Beginn eines Seminars, gefolgt von universalem Schweigen. Nicht nur Physikstudenten wissen, dass der Erdradius rund 6.371 Meter beträgt – es fällt aber schwer, zu zeigen, was der römische Schriftsteller Plinius (23 n.Chr.) bereits ahnte, Christoph Kolumbus (1492) hoffte, der Astronom Nikolaus Kopernikus (1532) voraussetzte und Galileo Galilei (1610) ausbaute. Dabei liefern einfache Beobachtungen und ein bisschen Trigonometrie den Beweis. Schwieriger wird es, zu beweisen, dass sich Sonne und Sterne nicht um die Erde drehen. Denn wer spürt den Fahrtwind unseres Planeten? Oder fällt der Apfel etwa schief vom Baum? Die großen Fragen der Astronomie beginnen vor der Haustür. Die Antworten auch – sie selbst zu entdecken, dazu soll das „Jahr der Astronomie 2009“ anregen.

Du lebst im Weltall – entdecke es!

Dabei ist die Beobachtung von astronomischen Ereignissen nichts, was man auf die lange Bank schieben sollte. Denn manche Himmelsereignisse treten nur selten in einem Menschenleben auf, manche gar nicht. Den letzten Venustransit, also wenn die Venus sich genau zwischen Erde und Sonne schiebt, haben die meisten vermutlich verpasst (2004). Aber Glück gehabt: Er kommt in acht Jahren wieder (2012), dann aber erst wieder in 243 Jahren. Damit ist der Venustransit weitaus seltener als eine totale Mond- oder Sonnenfinsternis. Bei diesem Rhythmus hat man Glück, wenn man einmal in seinem Leben überhaupt einen sieht. Historisch erlangte der Venustransit Bedeutung, weil man durch ihn den Abstand zwischen Sonne und Erde bestimmen konnte, was heute als „astronomische Einheit“ verwendet wird.

venus-mond-und-jupiter-am-30122008-in-der-spaten-abenddammerung-uber-dresden-bild-mike-firchau-weigt

Gewusst wo! Diese Planeten kann man bloßem Auge sehen: Venus, Mond und Jupiter in der späten Abenddämmerung am 30. Dezember 2008 über Dresden. Foto: Mike Firchau

Noch in diesem Jahr, am 18. Juli, bedeckt der Mond die Plejaden. Dabei handelt es sich um einen offenen Sternhaufen mit mindestens 1200 Sternen, der etwa 125 Millionen Jahre alt ist. Alle 18,6 Jahre werden die Plejaden über einen längeren Zeitraum vom Mond bedeckt, so wie 2009 also. Vor dem Hintergrund dieser hellen Fixsterne lässt sich die Eigenbewegung des Mondes sehr gut beobachten. Mit bloßem Auge können sechs Sterne des auch „Siebengestirn“ genannten Sternhaufens gut erkannt werden. Danach kommt es erst wieder ab dem Jahr 2024 zu zeitweiligen Verdeckungen der Plejaden.

Galileos folgenschwerer Blick durch sein Fernrohr

Genau 400 Jahre ist es her, dass der Astronom Galileo Galilei zum ersten Mal sein Teleskop auf den Himmel richtete – so lautet die Legende zum „Jahr der Astronomie 2009“. Initiiert wurde das Jahr von der „International Astronomical Union“ (IAU) und der UNESCO, in Erinnerung an diesen 400. Jahrestag der ersten Himmelsbeobachtungen. Gesichert ist: 1609 beschrieb Galilei zum ersten Mal die Mondoberfläche, die Abermillionen Sterne unserer Milchstraße und die Jupitermonde. Doch was sah Galilei eigentlich durch sein Fernrohr und was bedeuteten seine Entdeckungen für das damalige Weltbild? Wie entwickelten sich die Teleskope nach Galilei weiter? Solchen und andere Fragen beantworten die Astronomen im zweiten Quartal des Aktionsjahres unter dem Motto „Astronomie und Kultur“. Wer selbst einen Blick durch´s Fernrohr werfen will: Deutschlandweit laden zahlreiche Ausstellungen, Planetariumsshows und alle Volkssternwarten zu astronomischen Betrachtungen ein.

planeten-in-relation-zu-einander-weigt

Die Planeten und neue Zwergplaneten in Relation zueinander. Ganz links im Anschnitt ist die Sonne zu sehen. Grafik: NASA

Im Gasometer in Oberhausen läuft die Ausstellung „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Ausstellung, die noch bis Januar 2010 zu sehen ist, zeigt unser Sonnensystem, spektakuläre Nachbildungen des Planetensystems, darunter einen 25-Meter-Mond, Bilder der Sonne, der Planeten und ihrer Monde, kostbare historische Instrumente sowie Technologie der Weltraumforschung.

Auf dem Münsterplatz in Bonn steht vom 24. bis 27. Juni das „Sternenzelt“ – ein Wissenschaftszelt, in dem Institute und astronomische Organisationen Exponate und Experimente vorstellen. Durch Teleskope können Besucher einen Blick auf die Sonne, den Mond und den Saturn werfen.

mond-2532007-bild-marc-rathmann-weigt

Der Mond ist ständiger Begleiter der Erde und birgt trotzdem noch viele astronomische Geheimnisse. Foto: Marc Rathmann

Führung Fantastische Planeten: Heute wissen wir, dass die Planeten unglaublich vielfältig sind. Jeder ist eine eigene Welt. Ob ein Zwilling der Erde unter ihnen ist? Das Planetarium Bochum lädt zu einem Besuch bei den Planeten ein – immer auf der Suche nach Ähnlichkeiten mit der Erde. Weitere Infos findet ihr hier.

In einem vierteiligen Kurs kann man die Grundlagen der praktischen Amateurastronomie von Dieter Friedrich an der Walter-Hohmann-Sternwarte in Essen erlernen. Der nächste Termin ist der 26. Juni. Weitere Infos findet Ihr hier.

Text: Franziska Weigt

Was, wenn auf dem Campus Aliens herumirren? Physiker Harald Lesch im Interview

Mehr zum Thema:

2 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.