Revierderby: Der Pott kocht

„Lieber Schalke schlagen als deutscher Meister werden“, sagte bereits Ex-Nationalspieler und Borusse Alfred Aki“ Schmidt. Am kommenden Freitag ist es wieder soweit. In der Arena auf Schalke treffen die beiden Traditionsvereine zum 135. Mal aufeinander.

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Kein anderes Fußballspiel in Deutschland weckt solche Emotionen wie der Revierschlager zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04. Die Stadien der beiden Clubs liegen nicht einmal 28 Kilometer auseinander und das Derby polarisiert das gesamte Ruhrgebiet. Während es für die Verantwortlichen vor allem um den Einzug in den europäischen Wettbewerb geht, prallen bei den Anhängern zwei  Weltanschauungen aufeinander. Den Namen des Kontrahenten auszusprechen, das gleicht unter den Fußballverrückten einer Sünde. So sprechen die blau-weißen Gelsenkirchener vom Erzrivalen aus Dortmund abfällig von den „Zecken aus Lüdenscheid“, die schwarz-gelben Borussen verspotten die Nachbarn gerne als „Herne-West“.

Auch die pflichtlektüre-Redaktion pflegt die Rivalität. Unsere Autoren Jonas Knoop und Fabian Schwane verraten, warum Schalke den besseren Kevin hat und Kevin aus Dortmund am Ende doch die Bude macht.


Schalker Dominanz in den letzten Jahren
von Jonas Knoop

derby_schalkeDie Dortmunder haben in den letzten Jahren in den Derbys kaum einmal was zu lachen gehabt. Auch wenn sie uns vor drei Jahren am vorletzten Spieltag die Meisterschaft versaut haben, so haben wir Schalker sie doch seit der Jahrtausendwende meistens dominiert. So wie in der Saison vor zwei Jahren, wo wir einem verdienten 4:1 in der Arena ein 3:2 in deren Wellblechhütte folgen ließen. Gut kann ich mich auch noch an das 4:0 im Westfalenstadion erinnern, es war in dem Jahr, indem wir leider nur „Meister der Herzen“ wurden. So haben sich die Kräfteverhältnisse umgedreht im Pott. Standen die Schwach-Gelben in den 90er Jahren immer vor uns, haben wir seit Jahren auch in der Tabelle meist die Nase vorn. Auch in diesem Jahr, obwohl wir die laufende Saison mit der jüngsten Mannschaft der Liga bestreiten.

Sechs Punkte Vorsprung sind es auf Lüdenscheid und am Freitagabend werden es wieder neun Punkte sein. Dann hätten wir Schalker die „Zecken“ wieder einmal weggeputzt, wie in der Hinrunde, als unser wieselflinker Peruaner Jefferson Farfan das Goldene Tor schoss.

Woher ich meinen Optimismus nehme? Tja, wir haben nicht nur die geileren Fans und das geilere Stadion, sondern wir haben derzeit auch die beste Abwehr, den besten Torwart und den besten Trainer der ganzen Liga. Und wir haben den besseren Kevin. Während der schwarz-gelbe Kevin nur außerhalb des Platzes mit Proletensprüchen punktet, hat unser Kevin diese Saison schon zwölf Mal eingenetzt. Bei den Dortmundern kann da nur Barrios mithalten, aber der ist ja so dämlich und hat sich am vergangenen Wochenende gegen Hannover die fünfte Gelbe abgeholt ist dadurch in der Arena gesperrt!

Bei uns sind dagegen alle an Bord, vielleicht spielt ja sogar unser Kapitän Heiko Westermann wieder mit. Mein Tipp daher: 2:1! Kevin Kuranyi macht zwei Hütten und unser Manu lässt hinten höchstens einen rein! Glück Auf! Auf einen verdienten Derbysieg gegen den BXB!


Drei Punkte aus Herne-West
von Fabian Schwane

derby_bvbFreitag müssen wir also wieder hinter die feindlichen Linien. Das tut weh! Schließlich verlassen wir für 90 Minuten das schönste Fußballstadion der Welt, um in das Hallen-Stadion in Herne-West zu reisen. In genau den ufoähnlichen Bau, der zuerst ein riesiges Loch in die Konzernbilanz von Blau-Weiß riss, bevor er selbst beim ersten Schnee einzustürzen drohte. Nun ja, bis Freitag dürfte das Dach auf dem Bierbunker vermutlich halten.

Dass wir die Punkte aus dem zweitwichtigsten Spiel der Saison – nach dem Heimspiel gegen Herne-West – mit nach Dortmund nehmen, das ist sicher. Statistik hin oder her. Die wichtigen Dinger gewinnt immer die Borussia. Erinnern wir uns an den 12. Mai 2007: Ganz Schlacke suhlte sich in Meisterschaftsgefühlen. Die Bekloppten strichen schon die Bürgersteige in Blau-Weiß, bis Ebi Smolarek und Alex Frei die Knappen aus dem Westfalenstadion fegten. Meisterschaft adé! Aber die kennen das „Nur gucken, nicht anfassen“-Gefühl bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert. Vier Minuten ausgenommen, aber das ist eine andere Geschichte. Meisterschaft und Schalke, das passt nicht. Und das wird auch ewig so bleiben, denn der Herrgott trägt Schwarz-Gelb.

Auch das kommende Derby ist wieder ein wichtiges. Fegen wir die Knappen erneut vom Platz, dann sind wir bis auf drei Punkte an ihnen dran. Und pünktlich vor dem Ruhrpott-Knaller ist die Borussia nach dem klaren 4:1 Sieg gegen Hannover endlich wieder zurück auf der Erfolgsspur. Klasse bewies unsere Mannschaft bereits eine Woche zuvor bei den Bayern – allein Schiedsrichter Knut Kircher sicherte dem Verein aus dem Alpenvorland die drei Punkte.

Aber es wäre an dieser Stelle vermessen, den FC Bayern mit der Thekenmannschaft aus Herne-West zu vergleichen. Dann wird es für Magaths Medizinball-Freunde eng. Ein Schmitz ist eben kein Robben und ein Kuranyi noch lange kein Gomez – auch wenn der in dieser Saison bislang zwei Mal mehr getroffen hat. Aber auch eben erst einmal mehr als Lucas Barrios. Der Welttorjäger wird uns am Freitag aufgrund seiner fünften Gelben im Angriff fehlen, keine Frage. Für Unruhe vor Neuers-Schießbude – greift er wieder daneben? – sorgen Nelson Valdez und Kevin Großkreutz. Vor allem unser Kevin. Der Junge ist so heiß auf das Derby, der tritt garantiert eine Bude – da wette ich drauf. Ist er tatsächlich ein Prolet, nur weil er weder sich, noch eines seiner Kinder in Blau-Weiß sehen will? Klingt doch ziemlich vernünftig. Nun gut, für den Siegtreffer zum 2:0 Endstand sorgt Mats Hummels per Kopf. Hinten hält er zusammen mit Subotic, Owomoyela und Schmelzer den Strafraum sauber.

Aber offensiv darf man von Schlacke sowieso nicht viel erwarten. Erinnert sich auch nur irgendjemand an einen klasse Spielzug in der laufenden Saison? Während Kloppo mit seinem Fußballverständnis für spektakuläre  Offensiv-Momente steht, spielt Magaths Thekenmannschaft bewusst „langweilig“ – mit Sicherheit auch eine Qualitätsfrage des Kaders. Magath und Herne-West, dass ist wie mit der Kohle – langfristig eben doch kein Erfolgsmodell. Und schon gar nicht im Derby!

Fotos: Die Kirsche

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