The Great Faults – auf dem Weg nach oben

Martin ist 34 und Heilpädagoge in Mülheim an der Ruhr, Johannes ist 23 und studiert Sonderpädagogik in Köln. Zusammen sind sie die Bluesrock-Band The Great Faults. Seit ihrer Bandgründung 2011 spielt die Band aus Mülheim an der Ruhr ein Konzert nach dem anderen. Jetzt geht’s erst einmal wieder in den Proberaum.

Keine Fenster. Dicke Mauern aus Stahl und Beton. Um zum Proberaum von The Great Faults zu kommen, muss man sich fast tasten, wenn man im Flur den Lichtschalter nicht findet. Tageslicht gibt es hier nicht. „Das wäre für die Stadt wahrscheinlich einfach viel zu teuer, dieses Teil zu sprengen. Dann haben die da einfach Proberäume reingesetzt“, sagt Martin. Sie  proben in einem ehemaligen Luftschutzbunker in Mülheim an der Ruhr, der zur Kunststätte umfunktioniert wurde, wie so viele andere Bunker im Ruhrgebiet. Martin probt seit ungefähr 14 Jahren in diesem Raum. Er war schon mit seinen alten Bands hier drin. Als er sich mit Johannes kurzgeschlossen hat, wurde also gar nicht lange überlegt, wo sie proben sollen. „Der Nebenraum hier hat ein ziemliches Schimmelproblem“, sagt er und macht die Tür schnell wieder zu. Der Raum, der aber nicht schimmelt ist voller Instrumente und Verstärkern. Sie teilen sich den Raum mit anderen Bands.

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Eigentlich stellt sich keiner in den Vordergrund. The Great Faults sehen das Schlagzeug und Gitarre auf einem Level. (Foto: TGF)

 Die Anfänge

Kennengelernt haben sich die beiden bei der Arbeit. Sie haben zusammen in einer Förderschule für geistig behinderte Menschen gearbeitet. „Ein guter Freund von mir hat zusammen mit Martin in einer Klasse gejobt und die haben viel über Musik geredet. Der meinte zu Martin: ‚Ey hier, der Johannes der spielt Schlagzeug!‘ Martin kam dann irgendwann auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich nicht Bock hätte bei seinen Songs zu trommeln“, erzählt Johannes. Und es hat von Anfang an gepasst. Martin hatte ein paar Ideen für Gitarrenriffs und Melodien – Johannes hat sich mit dem Schlagzeug perfekt eingebracht, erinnert sich Martin: „Wir mussten das einfach ausprobieren. Wir haben am Anfang viel experimentiert. Das ging jetzt nicht so nach dem Motto: Was hörst du so? Was hör ich so? Es hat sofort harmoniert und gepasst. Man hat einfach gemerkt, dass es läuft.“

The Great Faults schaffen es einfach trotz ihrer minimalistischen Besetzung einen so satten Sound zu produzieren, dass eine zusätzliche Gitarre oder Bass gar nicht notwendig sind, damit die Songs funktionieren. Bei den meisten ihrer Tracks lautet die simple Devise: Ab geht’s – aber volle Kanne! Das Zusammenspiel von Martins Gitarre und Johannes‘ Drum-Beats ist extrem gut abgestimmt und treibt das Publikum nach vorne. Mit den Gesangsmelodien von Martin oben drauf, entstehen starke Songs, die nach dem Hören hängen bleiben.

Martin und Johannes sind beide sehr lockere Typen. Sie lächeln und lachen viel. Wenn man sie trifft, bekommt man schnell das Gefühl, harmonischer könnte eine Bandkonstellation gar nicht sein. „Klar gibt es auch Augenblicke, da geht man sich einfach nur noch auf den Sack. Aber das merkt man schnell und dementsprechend nimmt man sich dann zurück“, erzählt Martin. Gerade bei den ersten Aufnahmen zu ihrer Demo „Messin‘ With The Great“ waren solche Augenblicke da. Für die Aufnahmen sind sie bereits einige Monate nach ihrer Bandgründung 2011 nach Stockholm gefahren. Als sie wieder zurück nach Deutschland kamen, hatten sie eine DemoCD mit neun Tracks im Gepäck, die sie auf ihren Konzerten umsonst verteilt haben.

In Musikkritiken über The Great Faults fallen automatisch Bandnamen wie Black Keys oder White Stripes, beide Bands bestehend aus zwei Leuten. Dass diese Vergleiche immer wiederkehren, nervt sie aber gar nicht so sehr. „Tatsächlich ist es so, dass wir uns das selber bewusst überlegt haben. White Stripes höre ich persönlich gar nicht. Aber Black Keys finde ich super! Das ist doch hilfreich, damit die Leute sofort ein Bild von einem im Kopf haben und wissen worum es geht“, erklärt Martin.

Schlagzeug direkt neben dem Klo

Martin (rechts) und Johannes bei der Konzertreihe "Kein Platz für Konzerte" in Kleve. (Foto: TGF)

Martin (rechts) und Johannes bei der Konzertreihe „Kein Platz für Konzerte“ im Radhaus Kleve. (Foto: TGF)

Auch auf ihrem Debut-Album „Coming Back Soon!!!“ rührt der Vergleich gerade mit den Black Keys gar nicht von so weit her: treibende Gitarre und Schlagzeug in Kombination mit leicht verzerrtem Gesang und catchigen Melodien. Aufgenommen haben sie die Platte größtenteils in Eigenregie in ihrem Proberaum bzw. in Proberaumumgebung. Um dem Schlagzeug nämlich einen satteren und halligen Klang zu verleihen, haben sie Das Drum-Set mal eben in dem Toilettenraum aufgestellt, direkt neben dem Pissoir. Alles für den Sound. Im Sommer 2013 ist die Platte dann erschienen und seit ihrer Veröffentlichung waren die beiden bis letzten Dezember auf Tour. Berlin, Hamburg, Köln, Stockholm und viele mehr. Fast jedes Wochenende haben die beiden aus Mülheim an der Ruhr ihr Equipment ins Auto geladen und sind getourt.

The Great Faults haben sich schon einen kleinen Namen gemacht. Jetzt versuchen sie sich einen größeren zu machen. Seit Ende 2013 nehmen sie wieder fleißig auf. Doch diesmal läuft es ein bisschen anders. Aufgenommen wird zwar wieder im Proberaum. Aber: Das Schlagzeug bleibt im Raum und kommt nicht mehr neben das Klo. Außerdem wollen sie runder klingen. Orgel und Bass sollen sie auf den neuen Aufnahmen zusätzlich begleiten und die Songs untermalen. Damit wollen sie erreichen, dass „hier und da die Frequenzen abgedeckt sind“, sagt Martin. Das heißt, dass dem Gesamtsound mehr Fülle und vor allem Tiefe verliehen wird. Er deutet mit dem Finger auf die Orgel in der Ecke des Proberaums. Das Ergebnis in Form eines neuen Albums soll womöglich in diesem Jahr noch zu hören sein.

Video: Thilo Braun

eldoradio* hat The Great Faults begleitet. Vom 20. bis zum 24. Januar gibt es jeden Tag einen Beitrag über die Band. Dabei steht im Mittelpunkt: Wie versuchen sie bekannter zu werden und sich in der Szene festzubeißen? Morgens im Toaster auf eldoradio* und im Podcast.

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