Neue Gemütlichkeit: Umbau der TU-Bibliothek

Außenschuss der Dortmund Universitätsbibliothek

Bald eine Lounge? Die Dortmunder Universitätsbibliothek. (Foto: Judith Koch)

Absperrband, Baustoffe, Druckerschwund? Was geht denn nur in der TU-Hauptbibliothek vor? Aus einem Ort des guten Geschmacks soll bis Ende des Jahres eine Wohlfühl-Oase mit „loungy“ Touch werden. Eine Glosse.

Die Hauptbibliothek der TU Dortmund. Ein Mahnmal zweckorientierter Architektur aus den 70er Jahren. Puristische Linien und solides Baumaterial, hier und da umschmeichelt von den schneidigen Farbkompositionen ihrer Entstehungszeit. Die Teppiche unter den flinken Schritten der Studenten – ein ästhetisches Wagnis in grau-blau. Die dicht gereihten und hoch hinausragenden Stahlregale – eine subtile Aufforderung an den Intellekt ihrer Betrachter. Die Decke – dem asymmetrischen Gusto ihres Schöpfers gemäß tiefer gehängt und geschmückt von erhellenden Neonröhren.

Wessen wissensdurstiger Geist im Flair dieses Stil-Szenarios noch nicht zur Höchstform angelaufen ist, sollte zunächst besser einen Abstecher zum hauseigenen Kaffee-Sortiment unternehmen. Dieses ist, auf den knapp getakteten Lebensrhythmus der Studenten ausgerichtet, in nützlichen Automaten beheimatet. Einladend durch deren klares Design, eine vielfältige Auswahl und eine benutzerfreundliche Bedienung, kommt der nach Koffein Dürstende hier auf seinen Geschmack. Einmal Cappuccino Extra, weiß, mit doppelt Zucker. Genuss auf Knopfdruck. Köstlich!

Kultivierung und Luxus für studentische Bedürfnisse

Mit erfrischtem Verstand den Gedanken im Lernareal freien Lauf lassend oder rasch noch die Werke fürs nächste wissenschaftliche Manuskript ausleihend, erstreckt sich die Verweildauer des durchschnittlichen Besuchers jedoch nicht über das nötige Maß. Denn dafür hat der Studiosus von heute einfach nicht die Zeit! Doch das soll bald geändert werden: Einige Örtlichkeiten der Bibliothek sollen pünktlich zum Semesterstart kultiviert werden. Die Umbauarbeiten sind in vollem Gange, bis Ende des Jahres soll sich besonders das Zeitschriften-Etablissement im Erdgeschoss luxuriöser darstellen. Die Drucker unmittelbar an dessen Eingang sind derzeit inaktiv – so lange drucke man bitte noch im Keller oder auf der zweiten Etage. Man dürfe sich auf das Ergebnis freuen!

Umbau der Uni-Bibliothek

Die Baumaßnahmen in der Hauptbibliothek im Überblick:

    bis Ende November: Fertigstellung des Personalaufzugs
    bis Ende des Jahres: neue Sitzecken und neuer Teppich im Zeitschriftenlesesaal, neue Sitzbänke und runde Tische an der Fensterfront im Eingangsbereich sowie Sitzmöglichkeiten an der Trennwand zur PC-Ecke

Fragt man hingegen diejenigen, die hier ihre langen Tage bald mit einem Plus an Komfort verbringen dürfen, stellt sich allgemeines Drucksen ein. Eine der befragten Studentinnen befindet die Umbaumaßnahmen als „an sich ja keine schlechte Idee“, es sei „ja eh nicht ultimativ gemütlich hier“. Andere studentische Bedenkenträger äußern, dass man doch in weichere Sitzgelegenheiten statt in das Büchersortiment investieren könnte.

Sitzecken statt Holzbänke

Und die Universität als Bauherrin? Die gehorcht. Laut Verwaltung sollen die Bauzäune, die Plastikfolien und Leitern im momentan gesperrten Zeitschriftenlesesaal bis spätestens Ende des Jahres bequemen Sitzecken weichen. Außerdem soll ein neuer Teppich verlegt werden und auch unmittelbar am Eingang bei den Café-Automaten werden statt Holzbänken kunstlederne braune Sitzgelegenheiten installiert.

Uni-Bib taken to a higher level: bald vielleicht eher „reading lounge“ oder „Center of Studies and Wellness“? Oder – wie eine Bibliothekarin ganz nüchtern hofft – „ein Angebot, mal entspannter zu sitzen oder in anderer Haltung zu lesen und zu entspannen.“

Was von studentischer Seite aus allerdings dringend verlangt werde, sei „ein bisschen mehr Ordnung vielleicht.“ Es gäbe hier Studenten, die nicht studieren wollten, sondern nur „für Spaß“ und Gespräche herkämen. Ob die neue Lounge-Bib für dieses Problem die richtige Lösung ist? Ich zweifle. Bei einem Doppel-Cappuccino mit Extra-Weißzucker.

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