Im Touribus durch Dortmund

Wie ein Doppeldecker vor Big-Ben steht der rote Omnisbus gegenüber des Hauptbahnhofs. Der Bus trägt Aufkleber der Dortmunder Skyline, der chinesischen, spanischen, russischen Flagge. Für 15 Euro gibt es die Dortmunder „City Tour“, 100 Minuten, acht Haltepunkte, offenes Dach für Rundumsicht. Stadtrundfahrt in Dortmund.


Orientierungslos durch Dortmund? Bei der Fahrt im Touribus findet jeder die (wenigen) Sehenswürdigkeiten. Fotos: Julia Neumann

Orientierungslos durch Dortmund? Bei der Fahrt im Touribus sieht jeder die (wenigen) Sehenswürdigkeiten zwischen Bahnhof und Barop. Fotos: Julia Neumann

Herzlich Willkommen. Wir zeigen Ihnen Dortmunds Attraktionen.“
Dortmund: 12 Stadtbezirke, im „Herzen Europas“, 21 x 23 Kilometer Stadtgebiet, die Hälfte davon Grünfläche. die zehntgrößte Stadt Deutschlands. Und damit einer Sightseeing-Tour würdig?

Stadtgeschichte ohne antike Steine

Ohrstöpsel, wie sie der Tourist für die Sprachen-Buchse gewohnt ist, braucht man nicht. Der deutsche Text kommt direkt aus Lautsprechern. Endlich kein ewiges Wackeln mehr, um den Sprecher zu verstehen. Und der legt gleich richtig los: Hauptbahnhof, 1.000 Züge täglich, 115.000 Reisegäste, einer der wichtigsten Bahnhöfe Deutschlands. Harenberg-Cityzentrum, vorne dran der „Tortenstück“- Gebäudeteil, 56 Meter hoch.

In Rom und Athen fahren Touristen an historischen Steinen vorbei. In Dortmund ist es das hohe Bürogebäude einer Versicherungsfirma, an dem die Geschichte der Stadt erklärt wird: „Ein Beispiel für den gelungenen Strukturwandel.“ Dienstleistung statt Bierbrauen. Alte Steine gab es auch in Dortmund: Der Wall, die alte Stadtmauer, wurde im Jahr 1200 um den Stadtkern gebaut. 3,3 Kilometer lang, 14 Wachtürme. An ihrer Stelle ist heute die sechsspurige Ringstraße, der Wall. Auf dem fährt der Bus weiter.

Die wichtigsten Orte sind schwarz-gelb.

Jetzt befinden Sie sich auf der wichtigsten Straße der Stadt.“
Links Sparkasse und Imbiss-Bude, rechts Second-Hand Markt und Möbelladen. Die Hohe Straße. Sie führt nicht nur zum Stadtkern, sondern auch den „nicht endenden schwarz-gelben Fan-Strom“ direkt zum Signal Iduna Park. Für Zugezogene ist das einen Satz wert: Jedes zweite Wochenende darf man sich als Nicht-Fan wirklich nicht auf diese Straße begeben, wenn man Menschenrudel meiden mag. Durch das Kreuzviertel mit alten Gründerzeitbauten im Jugend- und Neorenaissance-Stil. Bis zum „eleganten dunklen Gebäude“, um das der Bus eine extra Runde gedreht wird: Die BVB-Geschäftsstelle. 1966 Europapokal der Pokalsieger, 1997 Champions League und Weltpokal. Dabei wollte damals im Jahre 1909 der Kaplan den „gotteslästerlichen Sport“ den Mitgliedern der katholischen Jünglingssolidarität verbieten. Die gründeten daraufhin ihren eigenen Verein. Geschichte in Dortmund.

Dortmunds eigener Geschmack: Das Bier

Aufspringen und Abspringen ist beim diesem Doppeldecker kein Problem.

Aufspringen und Abspringen ist beim diesem Doppeldecker kein Problem.

Nicolaikirche: Sie war umstritten wegen des unverputzten Betons und der kantigen Form. Möllerbrücke, ein architektonisches Schmuckstück durch Hängegurtträger, die einen Mittelpfeiler überflüssig machen. Unionsviertel: Früher war hier der Dreiklang von Kohle, Stahl und Bier zu spüren. In Amerika ist Dortmunder Bier ähnlich wie „Kölsch“ als eigene Geschmacksrichtung berühmt. Das „Dortmunder“ eben. Aha.

Rechts sehen sie den größten Kanalhafen Europas.“
2072 Kilometer ist die Nordsee entfernt, an die der Hafen angeschlossen ist.1899 wurde er eingeweiht. Viel mehr gibt es zu ihm aber nicht zu sagen, deshalb ein paar Daten und Fakten der Stadt, 580.000 Einwohner, erstmals als „Throtmanni“ (Schlundberg) erwähnt. Von Nord nach Süd steigt Dortmund an – das könnte bei der nächsten Radtour wichtig sein. Ob die Stadtnamen-T-Shirts mit Pfeil nach unten berechtigt sind, bleibt geheim. Wikipedia sagt, das germanische Munt stehe für Hügel/Berg. Also doch die Geografie.

Bekanntestes Gebäude: Das Stadion

Über Dorstfeld –die Stadt ist ein Schmelztiegel der Kulturen, jeder dritte Dortmunder hat Migrationshintergrund“ – geht es durch einen Tunnel weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit. Vorher aber noch der Hinweis: Bitte nicht aufstehen. Insgesamt zehn Tunnel durchquert man auf der Tour, jeder grau, dunkel und mit Graffiti besprüht. Ob das in Berlin, Frankfurt und München anders ist? Dann endlich: Die TU Dortmund. Erwähnenswert ist hier die H-Bahn, unter der man fährt. Vollautomatisch gesteuert, die erste Anlage dieser Art in Deutschland. Denn „wir nähern uns dem bekanntesten Gebäude Dortmunds: Dem Fußballstadion.“ Die Times hat das Stadion zum schönsten der Welt gekürt.Wembley, du kannst zu Hause bleiben.

Erholungsort: Neubaugebiet mit künstlichem See

Der "Tempel" ist den Touristen mehr als ein Foto wert.

Der "Tempel" ist den Touristen mehr als ein Foto wert.

Nach einer Runde um Schrebergärten, den heiligen Tempel und die Westfalenhallen – „Kaum ein internationaler Star oder interessante Musikrichtung war hier noch nicht zu Gast“– fahren wir auf dem Westfalengelände entlang. Außer Parkplätzen bietet sich hier kein wirklich interessanter Anblick. Die Bäume sind aber eh noch nicht zugeschnitten, deshalb wenden wir vor dem eigentlichen Wendepunkt. Auf nach Hörde. Auf dem Weg lägen der Zoo und das Torhaus Rombergpark, 1861 erbaut. Der Bus fährt nicht vorbei. Der Fotohalt ist für den Phoenix-See und Hörder Burg bestimmt. Zu sehen gibt es Appartements an der „weltweit größten Demontage“, dem künstlich angelegten See und in Gerüste gehüllte Neubauten.  Und ein restauriertes Haus, die „Burg“, nicht weit von der 2009 gefluteten Emscher – früher die Kloake des Ruhrgebiets.
Spätestens jetzt ist klar: Auf Geschichten von historischen Ruinen, Denkmälern und Stadtmärchen wartet man auf der Tour vergeblich. Das ändert auch kein Doppeldecker-Blick.

Schmetterling in Rußgestalt

Hörde ist der letzte Stop. „Es wurde in einen Schmetterlingskörper verwandelt, mit schillernden Flügeln.“ Was man sieht, sind rußgeschwärzte Häuser mit abgeblättertem Putz und Graffiti. Etwas weiter „entfaltet“ sich der bunte Schmetterling dann doch: Rosa-Rot, gelbe, blaue Häuser sind wie kleine Schmuckstücke zwischen dem „Ruhrgebiets-Charme-Grau“. Fast so schön wie die Jugendstil-Häuser im Kreuzviertel. Lokschuppen, die Gaststätten Sternekieker und am Stadewäldchen machen das Ruhrpott-Gefühl komplett. Dann geht es zurück in die Innenstadt. Vorbei am „Nashörnchen“, das Wahrzeichen des Opernhauses. Ein Nashorn wegen des feinen Gehörs mit Flügeln, denn Musik verleiht Flügel. In der Kleppingstraße ein Blick über die Innenstadt: Hellgelbe Stühle stehen in der Sonne bereit. Von oben sieht man sie nur durch die Baumkronen hindurch. Der Touristenblick von oben macht wirklich Lust, die Fahrt zu beenden und sich bei einem Eis am Brunnen zu entspannen. Zu den Attraktionen gehören eben auch die 50 Prozent Grünfläche. Und 2014 wird eine weitere Attraktion hinzukommen: Das DFB Fußball-Museum mit dem blauen Glückspulli von Jogi Löw.

2 Comments

  • Julia Viktoria Neumann sagt:

    Hallo Frau Dunschen,

    für die Sightseeing Tour ist „DortmundTorurismus“ verantwortlich. Die Tour ist so angelegt, dass man an einem beliebigen Punkt (bei Ihnen also der Signal Iduna Park) aussteigen kann und später wieder einsteigt. Die Tour kostet 12 Euro pro Person. Hier der Link zur Seite des Veranstalters – dort können Sie auch alle Haltepunkte einsehen.

    http://www.dortmund-tourismus.de/suchen-buchen/rundfahrten-gaenge/rundfahrten/poi/dortmund-citytour-hop-on-hop-off.html

    Am besten wenden Sie sich mit ihren Fragen direkt an DortmundTourismus (0231 18999 444)

    Freundliche Grüße,

    Julia Neumann

  • birgit dunschen sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    einmal im Jahr bieten wir in unserem Kinder- und Familienzentrum einen Elternausflug an.
    In diesem Jahr besuchen wir den Dortmunder Weihnachtsmarkt und besichtigen vorher den Signal Iduna Park.
    Da wir die Führung erst um 11.45 Uhr haben, hätten wir ca. 1 Stunde in Dortmund frei.
    Wie sieht es bei Ihnen aus – ist es möglich um 10.30 Uhr am Signal Iduan Park mit einer einstündigen Fahrt im Citybus zu überbrücken??.
    Wieviel Personen gehen in den Bus – oder sollen wir unseren Bus nehmen? Wie teuer wird es pro Person?

    Ich hoffe Sie können mir die Mail beantworten.
    Vielen Dank schon einmal dafür,
    viele Grüße
    Birgit Dunschen
    Leitung

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