Über Nacht zum Star: Popstars-Casting in Duisburg

Wer dachte, nachdem Superstar und Topmodel gefunden worden sind, sei Schluss mit der Casting-Saison 2010, erlebt eine Überraschung. Pro7 hat in Duisburg zum Vorsingen für die nächste Popstars-Staffel geladen. „Girls forever“ hieß der Schlachtruf, dem am Sonntag hoffnungsvolle Mädchen aus ganz Deutschland folgten. Ob die nächsten „No Angels“ oder „Monrose“ dabei gewesen sind, kann der Zuschauer ab dem Spätsommer erfahren. Was hinter den Kulissen beim Casting geschah, verraten wir schon jetzt.

Vor der Jury-Begrüßung sind noch alle Träume intakt. Foto: Julian Pfahl

Vor der Jury-Begrüßung sind noch alle Träume intakt. Foto: Julian Pfahl

Der Aufnahmeleiter hat seine Hand am Ohr. Durchs Knopfmikro bekommt er letzte Anweisungen. Es dauert noch ein wenig, bis die Jury bereit ist. Da kommt schon ein Zuruf aus der Menge: „Ich muss aufs Klo!“ –  „Dafür ist es jetzt zu spät“, erwidert er kurz. Nichts darf den Ablauf jetzt durcheinander bringen. Kein einfacher Job, etwa 200 Mädels auf Konzentration zu halten. So viele haben sich an diesem Sonntagmorgen im Theater am Marientor in Duisburg zum Pro7-Casting eingefunden. Manche sind in einfachem Schulhoflook erschienen, andere scheinen sich morgens noch ein komplettes Hochzeits-Make-Up gegönnt zu haben. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: die aufgeklebte Start-Nummer auf dem Shirt und große Träume im Kopf. Sie sind zum Casting für die neue Popstars-Staffel gekommen.

In drei Takes zur richtigen Stimmung

Es ist noch Zeit für einen weiteren Durchgang, noch einmal wird der Applaus geprobt. „Beim Klatschen die Hände nach oben!“, erinnert der Aufnahmeleiter die Bewerberinnen. Dann werden noch einmal die Namen der Jury vorgelesen. Die soll nämlich gleich richtig hysterisch begrüßt werden. Plötzlich drehen sich alle 200 Köpfe aufgeregt um. Moderatorin Charlotte Engelhardt steht auf einem Balkon. Scheinwerferlicht umgibt die winkende Pro7-Frau. Sie begrüßt die Mädchen und stachelt sie an: „Was wollt ihr werden?“ „Popstars!“, schallt es vom Parkett. Dann geht’s los. Das Licht wird gedimmt, alle Scheinwerfer setzen sich in Bewegung und die Kameras fahren an den jubelnden Teenies vorbei. Nach drei Takes sind genügend klatschende Hände und schreiende Gesichter im Kasten. Vorhang auf für die Jury…

Detlef ist netter als Dieter

Warten auf den großen Auftritt. Foto: Julian Pfahl

Warten auf den großen Auftritt. Foto: Julian Pfahl

30 Minuten vorher steht die Meute noch wartend im Foyer. Einige haben seelischen Beistand dabei, Väter, Freunde. Silvana, 18, ist mit ihrer Chefin aus Hannover angereist. Oder aus „Lenastadt“, wie diese zufügt. „Den Traum muss man unterstützen!,“ findet sie. Ob es die Auszubildende Silvana auch so weit schafft wie “ unser Star für Oslo“? Silvana muss erst zur Vorjury. Nur wenn sie die übersteht, darf sie vor den Kameras für die Hauptjury singen.

Diesen Schritt hat Liz bereits hinter sich gebracht. Die 16-jährige Dortmunderin singt auf einer Treppe sitzend „Zombie“ von den Cranberries. Mit diesem Song will sie gleich auch die Jury überzeugen. Gemessen an den neidischen Blicken ihrer Konkurrentinnen hat sie auch durchaus Chancen. Zu DSDS würde sie aber nicht gehen, sagt sie. „Da wird man bloß vorgeführt. Detlef ist netter als Dieter!“ Ihre Freundin nickt zustimmend. Tatsächlich laufen beim Pro7- Format anders als beim Quotenhit von RTL die Kameras erst mit, wenn die grobe Vorwahl getroffen worden ist.

Kann ich noch ein Lied singen?

Hinter dieser Tür wird entschieden, wer das Zeug zum Popstar hat. Foto: Julian Pfahl

Hinter dieser Tür wird entschieden, wer das Zeug zum Popstar hat. Foto: Julian Pfahl

Nach der Begrüßung der Jury dürfen die ersten 50 Bewerberinnen im Saal bleiben. Und wieder eine technische Pause. Die nutzen die Mädchen, um mit der Jury zu scherzen. In der sitzt auch dieses Jahr der Choreograph Detlef Soest, genannt „D“. Neu an seiner Seite sind „Die Happy- Frontfrau Marta Jandová sowie der Musikpromotor und Ex-DSDS Juror Thomas Stein. Ob Deutschland Weltmeister wird, wollen die Mädchen wissen. „Bestimmt“ antwortet D, während die Crew geduldig darauf wartet, dass es weitergeht.

Endlich betritt eine Kandidatin die Bühne. Sie singt „Hurt“ von Christina Aguilera, doch Thomas Stein winkt schon nach wenigen Sekunden ab. Ob sie wisse, dass es in dem Song um Trauer geht, möchte Marta wissen. Die Kandidatin bejaht und zieht ihr nächstes Lied aus dem Repertoire. So richtig wie Amy Winehouse klingt sie aber auch nicht. Der dritte Versuch wird ihr einstimmig verwehrt. Thomas Stein verspricht stattdessen, sie habe bei Ihrem zweiten Berufswunsch neben Sängerin 100 Prozent mehr Erfolgschancen. Als Visagistin.

„Daylight in your ice“

Silvana freut sich, dass sie es in die nächste Runde geschafft hat. Foto: Julian Pfahl

Silvana freut sich, dass sie es in die nächste Runde geschafft hat. Foto: Julian Pfahl

Draußen laufen derzeit die Kameras vom „taff“-Team. Die Kandidaten werden aufgefordert, die Texte ihrer ausgewählten Songs auf eine Tafel zu schreiben. Die erhofften Rechtschreibfehler werden natürlich auch gefunden und rot markiert. Derweil kommen die Mädels aus dem Vorcasting zurück. Dreieckige und viereckige Stempel zieren ihre Hände. Ein Crewmitglied klärt die Verwirrung schließlich per Megafon auf. Vier Ecken bedeutet Heimfahrt.

Mardin, 18 aus Wiesbaden kann‘s nicht fassen. Auch ihren Handrücken ziert ein viereckiger Stempel. Ihre Interpretation von Maroon 5’s „This love“ sei auf jeden Fall einem Weiterkommen in die nächste Runde würdig gewesen. Silvana aus Lenastadt hat mehr Glück gehabt. Begeistert nimmt sie ihre Chefin in den Arm. Nun heißt es warten, bis auch sie vor die Hauptjury darf. Ob sie es schließlich gepackt hat, dürfen wir leider bei Höchststrafe nicht verraten. Dafür haben wir gelernt, dass so ein Fernsehcasting zehn Jahre nach der ersten Popstars-Staffel keine wirklich große Nummer mehr ist. Wie sonst lässt sich die abgebrühte Antwort einer Kandidatin auf den Glückwunsch Charlotte Engelhardts erklären? „Glück“, so die aufgetakelte 16-Jährige „ist für Anfänger“.

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