„Mein Herz schlägt für beide Länder“

Für Deutschland geht es heute Abend in Johannesburg um alles: Entweder zieht die junge Mannschaft mit einem Sieg über Ghana und einem blauem Auge ins Achtelfinale ein oder sie tritt durch ein blamables Vorrunden-Aus die Heimreise an. Einer weiß schon jetzt wohin die Reise geht: Kwame-Edgar Peters, Deutsch-Ghanaer aus Köln.

Mit einem Sieg gegen Deutschland stehen die "Black Stars" im Achtelfinale. Foto: GFA

Nach einem Sieg gegen Deutschland stünden die "Black Stars" im Achtelfinale. Foto: GFA

Die Bedeutung des letzten Spieltags in Gruppe D wirft einen langen medialen Schatten voraus. Die Gazetten und Rundfunksender berichteten in den vergangenen Tagen pausenlos über das „Schicksalsspiel“ zwischen Deutschland und  Ghana. Dabei wird Prince Boateng der erste Vater sein, der zwei seiner Söhne bei einer WM in unterschiedlichen Teams anfeuert. Das direkte Bruder-Duell polarisiert: Boateng gegen Boateng, der Gute, Jerome, gegen den Bösen, Kevin-Prince. Der zweite, der bewusst sein Ghetto-Image pflegt, steht dabei im Mittelpunkt. Nach seinem rüden Foul an Michael Ballack im FA-Cup Finale wurde in Deutschland Stimmung gegen den „Ballack-Treter“ gemacht: „82 Mio. gegen Boateng“ und „Entzieht ihm den deutschen Pass“ sind nur einige der Forderungen der erzürnten Fußballfans.

Keine Absicht von Boateng

Unser Ghana-Fachmann Kwame-Edgar (Kwame ist Twi, die Sprache der Ashanti) sieht die Sache objektiver und nimmt den Sündenbock in Schutz. „Ich finde es übertrieben, wie auf Kevin-Prince Boateng losgegangen wird. Michael Ballack hat sich damals viel unkorrekter verhalten, als er Martin Demichelis das Knie ins Gesicht rammte. So etwas passiert immer wieder, das ist das Berufsrisiko. Ich unterstelle ihm jedenfalls keine Absicht, es ist halt unglücklich gelaufen.“

"Ghana wird alles geben. Sie machen hinten dicht und versuchen zu kontern." Dennoch drückt Kwame-Edgar beiden Mannschaften die Daumen. Foto: Privat

"Ghana wird alles geben. Sie machen hinten dicht und versuchen zu kontern." Dennoch drückt Kwame-Edgar beiden Mannschaften die Daumen. Foto: privat

Generell wünscht sich der 22-jährige Medien- und Kommunikationsmanagementstudent eine ausgeglichene Partie. „Meine Hoffnung ist, dass sich Deutschland und die „Black Stars“ beide mit einem Unentschieden für die nächste Runde qualifizieren.“ In diesem Fall dürfte Serbien nicht mehr als ein Unentschieden gegen Australien erreichen. „Das ist absolutes Wunschdenken“, gibt er offen zu. „Aber Ghana wird alles geben. Sie machen hinten dicht und versuchen zu kontern.“

Blickt Kwame-Edgar auf die Statistik, weicht seine Hoffnung auf einen Sieg: „Die Realität zeigt, dass Deutschland technisch klar die bessere Mannschaft ist. Alle Positionen sind mit Bundesligaprofis besetzt, die auch genügend Spielerfahrung und Routine besitzen. Ghana hingegen verfügt nur über einen einzigen hochklassigen Stürmer, Asamoah Gyan. Michael Essien ist leider verletzt.“ Ein weiteres Problem dürfte der Torwart sein. „Die meisten afrikanischen Mannschaften haben schlechte Torhüter – so auch Ghana.“

Gute Spieler, schwache Liga

Eigentlich verwunderlich, schließlich ist Fußball in Ghana Nationalsport. Das Land hat schon viele bekannte Spieler hervorgebracht. Neben Essien stammen auch Samuel Kuffuor, Anthony Yeboah und Sulley Muntari aus Ghana.

„Sie fingen alle in der ghanaischen Liga an und haben den Sprung nach Europa geschafft. Das spornt die Jugendlichen natürlich an. Aber unsere Liga spielt in Afrika keine große Rolle mehr. Unsere Rekordmeister, Accra Hearts of Oak und Kumasi Asante Kotoko, haben seit den 90er Jahren keinen Champions League-Titel mehr gewonnen. Die ägyptische Liga ist jetzt die stärkste auf dem afrikanischen Kontinent“, sagtFußballkenner Edgar.

Seit 2006 fiebert er auch für Deutschland mit

Für welches Land er jubelt, kann der gebürtige Ghanaer aus der Hauptstadt Accra nicht sagen. Seit 1999 lebt er in Deutschland. Er hat seine neue Heimat ins Herz geschlossen. „Ich sitze absolut zwischen den Stühlen. Ich habe die WM 2006 in Deutschland und bei einem Familienbesuch in Ghana erlebt. Mein Herz schlägt seit 2006 für Deutschland. Durch den Afrika-Cup und die U-20-Weltmeisterschaft aber eben auch für Ghana. Für mein Heimatland würde es mich freuen, weil viele afrikanische Mannschaften bereits in der Vorrunde ausgeschieden sind. Aber letztlich würde ich es beiden gönnen“, sagt er.

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