Germanistik-Seminarplätze: Asta rät zur Klage

Ein Beitrag von Lara Enste

Dortmund. Die neue Seminarplatzvergabe in der Germanistik sorgt für weitere Aufregung: Der Fachschaftsrat ist zurückgetreten, der Asta diskutiert mit Insitut und Rektorat. Am Sonntagabend sollen jetzt die Ergebnisse der ersten Vergaberunde bekannt gegeben werden – damit könnte die heiße Phase erst so richtig beginnen: Einige Studenten wollen sich ihre Plätze bei Nicht-Zulassung offenbar einklagen.

Der Asta saß gestern Nachmittag anderthalb Stunden mit Vertretern des Instituts und des Rektorats zusammen – am Ende vertagten sie die Sitzung. Johannes Blömeke, Asta-Referatsleiter für Hochschulpolitik und Lehre, glaubt: „Das Verfahren wird vorerst nicht geändert“.

Asta-Referent Johannes Blömeke diskutiert seit Wochen mit dem Institut. Fotos: Lara Enste

Asta-Referent Johannes Blömeke diskutiert seit Wochen mit dem Institut. Fotos: Lara Enste

Am Sonntag entscheidet sich viel: Die Studierenden am Institut für „Deutsche Sprache und Literatur“, also der Germanistik, sollen dann die Ergebnisse der ersten Vergaberunde erfahren. In dieser konnte sich jeder Student, anders als noch im letzten Jahr, nur noch für ein Seminar pro Modul anmelden. Erst in einer zweiten Vergaberunde werden verbleibende freie Plätze vergeben und auch erst dann können Studenten, die nur noch ein bestimmtes Seminar für ihren Abschluss brauchen, das auch in einem Extra-Antrag dem Studienkoordinationsteam mitteilen. Für das Institut war das ein notwendiger Schritt, um bei der großen Studentenzahl einzelne Seminare nicht überlaufen zu lassen. Der Asta befürchtet dadurch Studienverzögerungen und hält das Verfahren für nicht transparent und für rechtswidrig.

Asta rät zur Klage

In der letzten Woche bot der Asta daher eine Beratung durch mehrere Rechtsanwälte an und empfiehlt jetzt allen Studierenden, die keinen Seminarplatz erhalten, zur Klage. „Wir empfehlen im Normalfall nie zu klagen, wir wollen eigentlich immer alle prozessfreien Wege für die Studenten beschreiten. Hier sehen wir aber keine andere Lösung und müssen leider den Studenten raten, gegen die Hochschule vorzugehen“, sagte Asta-Vorsitzender Marc Hövermann.

Wenn die Platzvergabe in der ersten Runde am Sonntag beendet ist, geht die heiße Phase erst richtig los: Einige Studenten wollen mit Hilfe des Astas klagen – gegen die TU Dortmund. Eine Sammelklage oder eine Klage des Astas kommt nicht infrage, wohl aber die Klagen einzelner Studenten.

Die Studenten, die sich dazu entscheiden, müssen bei Nicht-Zulassung in die Seminare im Laufe der nächsten Woche einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht stellen. Denn sobald das Semester losgeht, wird das als Duldung der Bedingungen ausgelegt. Darum muss sich allerdings jeder einzeln kümmern, das kann nicht der Asta tun. „Solche Entscheidungen sind immer Einzelfallentscheidungen“, erklärt Hövermann. Dennoch: Der Asta vermittelt Kontakt zu Anwälten, die sich mit dem Fall schon auseinandersetzen.

800 Beschwerden beim Asta eingegangen

Erstmal stehen jedoch die Ergebnisse zur ersten Vergaberunde aus. Johannes Blömeke schätzt, dass wohl noch Seminarplätze in den Randzeiten frei sind, aber es vor allem an Plätzen in den begehrten L-Modulen fehlt. Das Studienkoordinationsteam des Insituts für deutsche Sprache und Literatur kann dazu nach eigener Aussage noch keine Angaben machen und möchte mit Abschluss des Verfahrens die genauen Zahlen veröffentlichen. Es weist aber noch einmal auf die zweite Runde hin, in der auch bestmöglich versucht werden soll, die Plätze zu vergeben.

In den schwarzen Brettern der Germanistik findet sich kein Lehrplan - verwiesen wird auf das Onlineportal, auf dem Studenten sich auch über das neue Vergabeverfahren informieren können.

In den schwarzen Brettern der Germanistik findet sich kein Lehrplan - verwiesen wird auf das Onlineportal.

Der Protest unter den Studenten ist schon vor der Vergabe groß: Zwei Vollversammlungen in den vergangenen Wochen, etwa 800 namentliche Beschwerden beim Asta, heiße Diskussionen im Internet. Zudem haben die Verhandlungen über das Vergabeverfahren schon zu einem entscheidenden Schritt geführt: Der Fachschaftsrat der Germanistik trat am vergangenen Mittwoch,14. März, geschlossen zurück. In der Rücktrittserklärung heißt es: „Die Probleme sind so schwerwiegend geworden und so komplex, dass wir sie nicht mehr alleine lösen können.“ Der Grund für den Rücktritt ist laut der Erklärung allerdings ein anderer: Der Fachschaftsrat fühlte sich nicht ernst genommen und unter Druck gesetzt. Mit Medien möchten die ehemaligen Fachschaftsvertreter im Moment nicht sprechen.

Selbst wenn also am Ende alle mit ihren Seminarplätzen zufrieden sind: „Der Fachschaftsrat ist auf der Strecke geblieben“, sagt Johannes Blömeke. Auch wenn er glaubt, dass sich so eine Situation nicht wiederholen wird, müsse sich „das Institut langfristig Gedanken über die Lehrplanung und über den Umgang mit solchen Problemen machen.“ Kurzfristig ist für alle Beteiligten zunächst vor allem Klarheit wichtig: Das Semester und die meisten Seminare beginnen schon in gut einer Woche.

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