Tag 5 – Endkampf

Eine Woche lang acht Stunden täglich Videospiele spielen. Von morgens neun bis abends, 18 Uhr. Das ziehe ich in dieser Woche durch. Wie wird es mir gehen? Wird es irgendwann noch Spaß machen? Werde ich die Lust am Spielen am Ende der Woche völlig verloren haben? Tag 5 des großen Zockens.

Zocken nach Stundenplan, vier verschiedene Games, jeden Tag von 9 bis 18 Uhr. Ein Traum? Oder einfach nur anstrengend? Der Selbstversuch unserer Reporterin im täglichen Blog. Foto: Clara Bergström

Zocken nach Stundenplan, vier verschiedene Games, jeden Tag von 9 bis 18 Uhr. Ein Traum? Oder einfach nur anstrengend? Der Selbstversuch unserer Reporterin im täglichen Blog. Foto: Clara Bergström

Wieder Arena-Kämpfe bei The Last of Us. Eingesperrt in einem Level, komme ich nicht weiter, bis ich alle gegnerischen Soldaten ausgeschaltet habe. Das wird schnell langweilig.

Wirklich Panik habe ich nur, als ich im Keller eines Hotels einen Generator anschalte und derselbe aufgeblasene Zombie vom Kampf am Donnerstag auftaucht. Das Spiel hat mir beigebracht: kämpfen. Ich versuche es, wieder und wieder. Nichts klappt. Vielleicht muss ich doch laufen? Zuerst probe ich meinen Fluchtweg ohne Zombies. Dann: Generator an und los, ich sprinte durch die Gänge, werde von Zombies angefallen – und schaffe es im letzen Moment. Als die Stoppuhr klingelt, bin ich nicht böse, ich habe keine Lust mehr. Auch nicht mehr auf mein Lieblingsspiel des Experiments.

Gegen die Bossmonster

Bei Darksiders 2 lege ich den dicken Golem beim ersten Versuch. Immerhin hatte ich Zeit, am Donnerstag schon die Taktik gegen ihn zu erlernen. Um die Welt aber wirklich abzuschließen, besuche ich noch alle Orte, an denen ich schon einmal war. Ich finde einen versteckten Boss. Gerade will ich dem widerspenstigen Grünzeug die Blätter stutzen – da hängt sich das Spiel auf. Na sowas, auch der Computer hat keine Lust mehr.

Im nächsten Anlauf hat das Grünzeug keine Chance gegen mich. Ich reise weiter in das Land des Todes, betrete eine Krypta. Der Eisriese im Hintergrund lässt mich schon erahnen, wo es hingeht. Ich entledige mich seiner Schergen, er ist dagegen einiges schwieriger. Ein Schlag und es ist aus mit mir. Der Dicke ist wohl doch noch eine Nummer zu groß für mich.
Ich folge also weiter dem angezeigten Pfad. Leider hat die Stoppuhr wieder ein teuflisches Timing. Kurz vor einer Cutscene muss ich den Computer ausschalten.

ICO geht zu Ende

Mittlerweile habe ich mich an den Rhythmus gewöhnt. Ich schaue bei keinem Spiel mehr auf die Uhr, finde aber, dass zwei Stunden zum Spielen eines Spiel vollkommen ausreichen.

Bei ICO eine Überraschung: Ich sehe die Außenwelt schon vor mir, Yorda und ich haben es beinahe geschafft – die die böse Zauberin lässt Yorda nicht gehen. Den letzten Level des Spiels schlage ich ohne Yorda an der Hand. Der Spieler soll hier wohl Trauer oder Sorge empfinden. Diese Emotionen sind aber bei mir vergebens. Wenn ich bedenke, wie sehr sie mich in den letzten Stunden geärgert hat, bin ich eher erleichtert, einmal durch einen Level zu kommen, ohne mich um Yorda kümmern zu müssen.

Ich finde sie wieder, doch sie wurde versteinert. Die Schattenkreaturen beschützen sie, ein letztes Mal geht es zum Kampf. Und plötzlich stehe ich der bösen Hexe persönlich gegenüber. Ein epischer Kampf entbrennt, in dem ich als Sieger hervorgehe. Yorda erwacht…doch das Ende möchte ich nicht verraten. Insgesamt hat es sieben Stunden und zehn Minuten gedauert, bis ich ICO beendet habe. Die 50 übriggeblieben Minuten auf der Uhr verbringe ich mit einem anderen Spiel, das ich nicht im Experiment gespielt habe.

Weiterspielen trotz Stoppuhr

Kazirstan lautet mein nächstes Ziel in Beyond: Two Souls. Noch ein Klischee-Staat, den Amerika angreift, weil Amerika das so will. Jodie soll verhindern, dass das fiktive asiatische Land zu einer Geister-Großmacht wird. Soviel kann einem einzigen Mädchen doch gar nicht passieren.

Nachdem die Gefahr aus dem anderen Teil der Welt gebannt ist, will Amerika in Form des bösen Generals die Geister als Waffe benutzen. Alles deutet schon stark auf Ende hin, aber natürlich geht – wieder einmal –alles schief.

Der Professor, der Jodie aufgezogen hat, ist über den Verlust seiner Familie verrückt geworden und öffnet den Geistern ein Tor in unsere Welt. Endkampf für Jodie. Fast erreiche ich das Zentrum des Tores – da reißt mich das Klingeln der Stoppuhr aus dem Spiel. Egal, jetzt bringe ich es zu Ende.

Versöhnliches Ende

Es dauert noch 20 Minuten, bis das Spiel bzw. die letzten Videosequenzen beendet sind. Nur so viel – für mich geht es gut aus. Sogar wer oder was Geist Aiden ist, wird geklärt. Ein versöhnliches Ende.

Nach 40 Stunden Dauerzocken geht es mir überraschend gut. Ich dachte eigentlich, dass ich besonders gesundheitlich Probleme haben würde. Aber mein Rücken hatte sich nach Mittwoch gar nicht mehr gemeldet und auch meinen Augen ging es gut.

Emotional mitgenommen hat mich das ständige Spektakel irgendwann auch nicht mehr – die innere Anspannung von Dienstag, die mich noch so stark mitgenommen hat, ist nie wieder aufgetaucht. Ich denke, dass ich mich einfach an die ständige Reizüberflutung gewöhnt habe.

Spaß bleibt auf der Strecke

Was beim Zocken nach Stundenplan allerdings auf der Strecke bleibt, ist der Spaß. Videospielen ist mein Hobby – das lässt sich nicht planen. Sobald es mir keinen Spaß mehr macht, höre ich normalerweise auf. Hier muss ich weitermachen, der Stundenplan ist unerbittlich.

Ich bin froh, dass es vorbei ist, damit ich zu meiner normalen Routine zurückgehen kann – allerhöchstens zwei Stunden am Tag. In den nächsten Tagen werde ich allerdings nicht mehr zum Kontroller greifen – die letzte Woche hat mir für die nächste Zeit gereicht. Vielleicht die beste Nachricht für meine Freunde und besonders für meine Eltern: Videospielsüchtig kann ich wohl nicht werden.

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.