#PrayForBerlin – Reaktionen aus dem Netz

Ein Lkw ist am Montag, 19. Dezember, in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen sind dabei ums Leben gekommen, über 40 weitere sind teilweise schwer verletzt worden. Auf den Vorfall folgten nicht nur großer Schrecken, angestrengte Ermittlungen und Spekulationen, sondern auch zahlreiche Beileidsbekundungen und Solidaritätserklärungen in den sozialen Netzwerken.

Unmittelbar, nachdem sich die Nachricht von dem Vorfall verbreitete, riefen die Behörden zur Ruhe auf. Die Einsatzkräfte sollten nicht unnötig von ihrer Arbeit abgehalten werden. Spekulationen über einen möglichen Anschlag seien verfrüht und sinnlos. Die Polizei Berlin nutzte einen speziellen Twitteraccount, um zu den Vorfällen zu informieren und ergänzte ihr übliches Profilbild mit einer schwarzen Trauerschleife.

Dennoch gingen viele, auch aufgrund der Ähnlichkeit zu der Tat in Nizza im vergangenen Juli, unmittelbar von einem Anschlag aus. Fehlmeldungen wie diese konnten aber schnell als solche enttarnt werden:

Schuldzuweisungen ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Bereits eine gute Stunde nach dem Unglück twitterte AfD-Politiker Marcus Pretzell, wer seiner Meinung nach für das Unglück verantwortlich sei. Dafür erntete er viel Kritik von etablierten Politikern wie Volker Beck (Bündnis ’90/Die Grünen).

Dabei gab die Polizei erst am frühen Dienstagmorgen, 20. Dezember, bekannt, dass sie tatsächlich von einer Tatabsicht ausging – und selbst das war noch keine Bestätigung für einen terroristischen Anschlag.

Schnell reagierte auch die Berliner Kirche St. Matthias, die Trauernden einen Ort zur Einkehr und zum Gebet bieten wollte, ohne dabei die Empfehlungen der Polizei zu umgehen.

Die Kirche Sankt Matthias auf dem Winterfeldtplatz ist noch kurz offen zum Gebet. Wir haben die Totenglocke geläutet…

Posted by St. Matthias (Berlin) on Montag, 19. Dezember 2016

Facebook richtete für den Vorfall wie bereits bei den Anschlägen in Paris und Brüssel einen „Safety Check“ ein. So konnten sich Berliner und Besucher mit einem Klick als „sicher“ markieren und Freunde und Verwandte beruhigen. Auch Facebook sprach zunächst schnell von einem „Anschlag“, ruderte dann aber zurück.

Ähnlich wie nach den vergangenen Anschlägen in Paris und Brüssel sammelten sich Beileidsbekundungen unter dem Hashtag #PrayForBerlin. Andere erinnerten sich an das berühmte J.F. Kennedy Zitat „Ich bin ein Berliner“, um mit Opfern und Angehörigen zu solidarisieren. Das Symbol der schwarzen Trauerschleife sowie die Farben der Deutschlandflagge waren ebenfalls in zahlreichen Postings zu sehen. Viele deutsche Prominente und Medien drückten ihre Betroffenheit über Twitter und Instagram aus.

https://www.instagram.com/p/BONocWFBMtr/?tagged=prayforberlin

Das Ereignis wird als umso tragischer wahrgenommen, weil es so kurz vor den besinnlichen Tagen passierte, auf die sich die Besucher auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche einstimmen wollten.

#MeinBerlin #IchLiebeBerlin #Berlin #iloveberlin #traurig #staystrong #prayforberlin

A photo posted by Verico Photography (@verico.photography) on

Der deutsche Moderator Jan Böhmermann und sein Kollege Olli Schulz brachen das Zirkusspezial zu ihrer Podcast-Sendung „Fest und Flauschig“ im Tempodrom sofort ab, als sie von den Vorkommnissen hörten. 

Auch international reagierten viele Prominente und Politiker auf den Anschlag.

Der zukünftige US-Präsident Donald Trump setzte den Vorfall in Berlin mit dem Anschlag auf den russischen Botschafter in der türkischen Hauptstadt Ankara und dem Amoklauf in einer Züricher Moschee in Verbindung. Beides passierte ebenfalls am Montag. Das Attentat in der Türkei soll außerdem islamistisch motiviert gewesen sein. Trump sehe die Geschehnisse als Zeichen, dass die westliche Welt umdenken müsse.

Auch der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler Michael Ballack forderte zum Umdenken auf. Die Menschlichkeit müsse endlich wieder im Vordergrund stehen.

https://twitter.com/Ballack/status/810958201529241600?ref_src=twsrc%5Etfw

Der zunächst festgenommene Tatverdächtige stellte sich als unschuldig heraus, wie die Polizei Berlin am Dienstagnachmittag bekannt gab.

Der Tathergang dagegen konnte mittlerweile genauer rekonstruiert werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Dienstagmorgen dann auch offiziell erklärt, wovon viele ohnehin schon ausgingen. So müsse man bei den Vorfällen nach aktuellem Stand von einem Anschlag ausgehen.

Wie bereits von vielen erwartet, beanspruchte die Terrormiliz IS den vermeintlichen Anschlag in Berlin für sich.

Das heißt jedoch nicht, dass die Miliz die Tat auch wirklich in Auftrag gegeben hat. Beweise gibt es dafür bislang nämlich noch nicht.

Neben dem allgegenwärtigen Mitgefühl dominieren nach dem Anschlag in Berlin Angst und Ungewissheit die sozialen Medien. Eine Möglichkeit, mit dieser Panikmache umzugehen, schlägt das Youtuber-Gespann von „Jung & Naiv“ vor.

Posted by Jung & Naiv on Dienstag, 20. Dezember 2016

Beitragsbild: flickr.com/Antoon Kuper unter Verwendung der CreativeCommons-Lizenz