Weihnachtslust oder -frust?

Die Fenster geschmückt mit bunten Lichtern, in der Küche duftet es nach Plätzchen und im Wohnzimmer steht ein festlicher Weihnachtsbaum. Weihnachten gilt als besinnliche und ruhige Zeit. Wären da nicht die riesigen Bücherstapel auf den Schreibtischen der Studenten, welche an die bevorstehenden Prüfungen erinnern, für die man doch eigentlich lernen müsste.

Sollte man den Medien glauben, so wären Studium und Weihnachten zwei Dinge, die nicht miteinander vereinbar sind. Denn es wird immer wieder vom Burnout bei Studenten berichtet. Zeit-Online widmet dem Thema Studenten und Arbeit einen großen Artikel auf zwei Seiten: „Burn-out im Studium. Burn-out ist zu einer Volkskrankheit geworden, die schon Studenten trifft: Weil sie keine Pausen machen“ heißt es dort als große Einleitung. Studenten, die zu viel für die Uni arbeiten, nur Klausuren und Seminare vor Augen haben, sind gefährdet.

Foto: stock.xchng/sadlej

Weihnachten gilt als Zeit der Stille und Ruhe. Foto: sadlej/stock.xchng

Da wird sich auch in der „heißen“ Phase vor Semesterende auch nicht die Zeit finden, in Ruhe mit der Familie Weihnachten zu feiern und sich auf die besinnlichen Festtage einzustimmen. Sollte man meinen. Die Realität sieht da aber doch anders aus. Fragt man die Studenten auf dem Dortmunder Campus, so bekommt man häufig zu hören, dass sie schon längst in Weihnachtsstimmung sind. So auch die beiden Logistik-Studenten Martin und Robert (25 und 26 Jahre alt). Sie machen gerade ihr Prüfungssemester und schreiben ihre letzten Klausuren. Martin verbringt die Adventswochenenden bei seinen Eltern. Und den Rest der Woche hat er klar strukturiert: Vormittags wird durchgelernt, und ab etwa 15 Uhr ist Feierabend. Da ist dann auch schon mal ein Gang auf den Weihnachtsmarkt mit den Freunden drin. „Wettertechnisch ist der Advent dieses Jahr nicht so toll wie 2010, da hatten wir ja schon Schnee. Aber Weihnachtsstimmung kommt schon auf. Da reichen schon ein paar Weihnachtsplätzchen oder ein Glühwein. Ob auf dem Weihnachtsmarkt oder auf dem Campus, das ist egal. Glühwein gehört zum Advent dazu“ sagt er. Robert stimmt ihm zu und sagt: „Zu Weihnachten gehören Rituale dazu, wie eben der Glühwein oder mit den Kumpels auf dem Weihnachtsmarkt einen zu trinken. Die Zeit nimmt man sich einfach.“

Studenten der TU sind schon voll auf Weihnachten eingestellt

Auf Weihnachten kann man sich einstimmen, das hängt alles von der Umwelt ab.

Nadine glaubt, die Stimmung hänge von der Umwelt ab. Foto: Alexandra Ossadnik

Nadine (20) studiert ebenfalls Logistik, allerdings noch im ersten Semester. Auch auf sie kommen jede Menge Klausuren im Januar zu. Und doch vermiest ihr das nicht die Stimmung. „So langsam bin ich in Weihnachtsstimmung, ja. Es ist zwar eigentlich noch viel zu warm dafür, aber zuhause habe ich alles schön weihnachtlich dekoriert und wenn man die vielen bunten Lichter an den Häusern sieht, weiß man, dass bald Weihnachten ist, das ist schon ein gutes Gefühl. Das hängt auch von der Umwelt ab, ob man in Feststimmung ist“ sagt sie. Für die Klausuren lernt sie erst nach den Festtagen, vorher will sie noch das Zusammensein mit ihrer Familie genießen.

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Tatjana muss sich noch auf Weihnachten einstimmen.

Tatjana muss sich noch auf Weihnachten einstimmen. Foto: Alexandra Ossadnik

Lediglich Tatjana (21) ist noch nicht wirklich in Weihnachtsstimmung. Sie studiert Rehabilitationspädagogik im dritten Semester und hat im Januar eine schwierige Modulprüfung vor sich, für die sie noch lernen muss. Zwar hat sie bereits alle Weihnachtsgeschenke beisammen, doch richtige Weihnachtslust will nicht so recht aufkommen. „Ich frag mich, woran das liegt, das weiß ich nämlich nicht. Aber ich mache mir keine Sorgen, die Lust kommt spätestens an Heiligabend, wenn die Familie da ist und die Weihnachtsgans fertig ist.“ Die anschließende Vorlesungsfreie Zeit wird sie allerdings nicht genießen können. Da will sie für ihre Klausuren lernen.

Weihnachten dauert drei Tage, das Jahr hat aber 365 Tage

Für Julia ist Weihnachten zu kommerziell geworden.

Für Julia ist Weihnachten zu kommerziell geworden. Foto: A. Ossadnik

Lehramtsstudentin Julia (30) findet, dass Weihnachten mittlerweile viel zu kommerziell geworden ist. „Weihnachten wird überbewertet. Es ist für mich nur noch ein Fest für die Kinder, für die Kleinen, nicht für Erwachsene.“ Sie ist zwar in Weihnachtsstimmung, aber auf den Weihnachtsmarkt geht sie nicht. Der ist ihr zu überfüllt mit Leuten, die den wahren Wert von Weihnachten nicht mehr zu schätzen wissen. Sie legt noch Wert auf die christliche Komponente des Festes. Sie ist niemand, der zwangsweise mit der Verwandtschaft feiert, mit der sie nichts am Hut hat, nur weil sich das so gehört. „Familie kommt nicht nur an den Feiertagen zusammen. Familie ist man das gesamte Jahr über. Wer mich mag, der hat auch außerhalb von Weihnachten Kontakt mit mir und meldet sich nicht nur zum Jahresende.“ Das hat sie daheim so gelernt. „Und die richtige Weihnachtsstimmung kommt von selbst, spätestens wenn man bei der Familie ist, mit der man die Feiertage verbringen will. Da mach ich mir keine Gedanken drum, wenn ich zu Beginn der Adventszeit noch nicht auf Weihnachten eingestimmt bin. Und nach drei Tagen ist dann Schluss, dann geht das Leben weiter.“

Julias Freundin Susi (Lehramtsstudentin) hat da ganz ähnliche Ansichten. „Ich finde diesen Zwang bei den Familientreffen auch grauenhaft. Wenn man sich liebt, trifft man sich immer mal wieder. Und zu Weihnachten bin ich ganz für meinen Sohn da. So richtig mit echtem Baum, Wunschzettel und was dazu gehört. Mit einem Kind erlebt man die Adventszeit anders, da ist man schon früher in den Vorbereitungen drin. Da werden schon früh Wunschzettel geschrieben.“ Susi wird Weihnachten mit ihrem Sohn feiern, ganz ruhig und entspannt. Und danach geht der Lernstress wieder los. Dann lernt sie für Klausuren und Prüfungen. Sie stimmt dem zu, was Julia sagt: „Die Priorität im Leben liegt nicht auf Weihnachten. Schließlich gibt es ja 365 Tage im Jahr, nur drei davon sind Weihnachtstage. Ich lebe nicht das ganze Jahr für das kommende Weihnachtsfest, sondern muss zwischendrin auch für die Uni beziehungsweise fürs Leben lernen.“

Weihnachtliche Tipps für Kurzentschlossene

Seid ihr bereits in Weihnachtsstimmung? Falls nicht, oder wenn noch das gewisse Etwas zur richtigen Stimmung fehlen sollte, sind hier noch einige Last-Minute-Tipps, wie ihr die Zeit bis Weihnachten überbrücken und euch verschönern könnt:

Wem das nicht reicht, der sollte sich sagen lassen: Plätzchen backen oder mit Freunden Weihnachtslieder hören und singen soll auch helfen, sich auf Weihnachten einzustimmen.

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