„LAUSCHER“ feiert Geburtstag

Seit einem Jahr im Dortmunder Freizeit Zentrum West (FZW): Lese-Reihe LAUSCHER (Foto: Julia Weiß)

Seit einem Jahr im Dortmunder Freizeit Zentrum West (FZW): Lese-Reihe LAUSCHER (Foto: Julia Weiß)

Literature meets music – seit nun schon einem Jahr finden unter dem Titel LAUSCHER popliterarische Lesungen im Dortmunder Freizeit Zentrum West (FZW) statt. Besonders für junge Leute soll das ein Angebot sein, sich mit zeitgenössischer Literatur und musikalischen Größen in gemütlicher Atmosphäre vertraut zu machen. Als Geburtstagsgast durfte der ehemalige MTV News-Moderator Steve Blame seine Autobiographie vorstellen.

Zum Nachhören: Steve Blame liest aus seiner Autobiografie (Foto: Julia Weiß) Steve Blame: Augenkontakt
Steve Blame: Die Vagina seiner Anwältin

Zum Nachhören: Steve Blame liest aus seiner Autobiografie (Foto: Julia Weiß)

„Ick wollte auc een Buch über die Deutschen schraiben“, verkündet der 51-jährige Brite von der kleinen Bühne im FZW. Es herrscht eine entspannte Stimmung im Raum, Kaffeetassen klirren, im Hintergrund wird sich leise unterhalten. Der ehemalige MTV-Redakteur Steve Blame nimmt es gelassen. Er fühlt sich sehr wohl, das merkt man ihm an. Aber immerhin ist er auch das ganz große Showbusiness gewohnt – nach Interviews mit Madonna, Paul McCartney oder dem Dalai Lama muss ihm diese LAUSCHER LOUNGE wie ein kleines Familienfest vorkommen. „Mr. MTV News“ erzählt im Zuge der popliterarischen Lesereihe von seinem Leben, ausschweifenden Drogenexzessen und der eigentlichen Suche nach sich selbst – immer schwankend zwischen der Persönlichkeit seines wirklichen Namens Steven James und dem Künstlernamen Steve Blame, den er sich für MTV Europe ausgedacht hat. „Getting Lost is Part of the Journey“ heißt sein Buch, in welchem er auch viel über die ersten Jahre der MTV-Redaktion erzählt. Schonungslos ehrlich legt er sein Leben vor den Lesern und Zuhörern dar, beschreibt das Selbstschminktraining der jungen MTV-Redaktion, die kein Budget für die Maske hatte, redet von Homosexualität in den 80er Jahren und der sprechenden Vagina seiner Anwältin. Fast wie ein Märchenopa thront er auf dem Podest und bringt seine Weisheit unters Volk.

LAUSCHER-Mama Denise Schynol (Foto: Julia Weiß) Denise Schynol: Ihre Gäste im FZW

Zum Nachhören: LAUSCHER-Mama Denise Schynol (Foto: Julia Weiß)

Veranstalterin Denise Schynol ist stolz

Denise Schynol ist seelig. Schon zum 13. Mal veranstaltet sie die LAUSCHER-Reihe. Für die 30-Jährige ist Steve Blame ein Star ihrer Jugend. Deshalb hat es sie auch einige Überwindung gekostet, ihn zu fragen, ob er komme. Denise Schynol will mit der monatlichen Lese-Reihe ein Forum für bekannte Gesichter und aufstrebende Jung-Stars schaffen. Gleichzeitig sucht LAUSCHER die Verbindung zwischen Literatur und Musik. Angefangen hat alles im Kulturcafé in Bochum mit dem Schriftsteller und Journalisten Oliver Uschmann. Wenig später suchte Denise in ihrer Heimatstadt Dortmund einen Ort, an dem sie eine etwas musikalischere Reihe für Popliteratur gründen konnte. Das FZW eignet sich hier dank jungem Image und zentraler Lage äußerst gut für das unkonventionelle Konzept. Auch die Besucherzahl spiegelt eine gewisse Beliebtheit, „von 17 bis 70 Personen war schon alles dabei“ sagt Denise Schynol, die mit Leidenschaft jede LAUSCHER-Veranstaltung organisiert.

Oliver Minck singt über das Leben und die Liebe Oliver Minck – Lala
Oliver Minck – Krise

Zum Nachhören: Oliver Minck singt über das Leben und die Liebe (Foto: Julia Weiß)

Musik nach der Lesung

Nach der Lesung von „Mr. MTV News“ Steve Blame darf Oliver Minck, Sänger der Kölner Band „Wolke“, die Bühne betreten. Er lässt den Abend mit manchmal schnelleren, manchmal melancholischeren Liedern ausklingen. Auch er lässt in seinen Texten auf Abgründe der Seele schauen und ist brutal ehrlich, wenn er beispielsweise singt: „Es ist Krise und mir geht’s richtig gut“ oder „ich bin ein frustrierter Typ“.
Nach etwa zwei Stunden schält sich ein beseeltes Publikum langsam von den Stühlen und schlendert nach Hause.

Zum Nachhören: Entspannte Stimmung (Foto: Julia Weiß)Feedback von Besuchern

Zum Nachhören: Entspannte Stimmung (Foto: Julia Weiß)

Ungewisse Zukunft

Ob die popliterarischen Lesungen im Dortmunder FZW nächstes Jahr fortgesetzt werden können, liegt im Argen. Bis Dezember sind Termine angesetzt, dann ist der LAUSCHER-Veranstaltungskalender noch leer. Denise Schynol hat auf jeden Fall noch ein paar Stars in petto.

Ein Beitrag von Julia Weiss.

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