Willkommen im Schummel-Camp

Für viele Studierende bedeuten Klausuren, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu lernen. Laut einer Studie haben fast 80 Prozent der Befragten bei der Lösung schon mal illegal „nachgeholfen“.

Letze Rettung - die Formelsammlung auf dem Arm.

Letze Rettung - die Formelsammlung auf dem Arm.

Die repräsentative Studie „Fairuse“, bei der mehr als 2000 Studierende über drei Jahre befragt wurden, beschäftigt sich mit dem Thema „Schummeln“. Im September soll sie veröffentlicht werden. Wie Zeit Campus vorab berichtet, sind erstmals sämtliche Verstöße gegen die Prüfungsordnungen in einer Studie aufgenommen worden. Egal ob plagiierte Hausarbeiten, gefälschte Experimentergebnisse oder der Spickzettel – wenn es ums Täuschen geht, sind Studierende einfallsreich.

Die pflichtlektüre hat an den Ruhr-Unis (unrepräsentativ) nachgefragt, wie kreatives Schummeln geht. Karin* und Jennifer* (* alle Namen geändert) spicken gerne im Trend der Zeit: „Auf dem Smartphone kann man ganz schnell und einfach googeln. Da muss man nicht mal zur Toilette gehen.“

Gruppenarbeit in der Klausur

In überfüllten Hörsälen bietet sich aber auch Gruppenarbeit an. „Ich tausche mich häufig mit meinem Sitznachbarn über die Antworten aus. Manchmal wechseln wir auch die Zettel und lesen unsere Antworten gegenseitig durch“, sagt Pascal*. Nur die wenigsten (unrepräsentativ) Befragten haben noch nie gegen die Prüfungsordnung verstoßen.

Auch der Spickzettel ist nach wie vor Gang und Gäbe. Er kann sogar einen weiteren Vorteil haben: Meistens hat das Anfertigen eines Spickers einen ganz guten Lernerfolg.

Sinnkrise für Klausuren?

Manche Studierende zweifeln am Sinn von Klausuren: Das sei nur Lernen nur um des Lernens Willen und für eine einzige Prüfung relevant. Bei Kunststudentin Alexandra* werden die meisten Noten für praktische Arbeiten vergeben. „In mündlichen Prüfungen kann das Wissen eigentlich besser überprüft werden“, sagt die 23-Jährige.

Dr. Sigrid Dany rät zu konzeptorientiertem Lernen und Prüfen. Foto: ZHB

Dr. Sigrid Dany rät zu konzeptorientiertem Lernen und Prüfen. Foto: ZHB

Am Sinn von Klausuren zweifelt Dr. Sigrid Dany, Leiterin im Bereich Hochschuldidaktik des Zentrums für Hochschulbildung (ZHB), nicht. Einem Teil der Lehrenden rät sie aber zum Umdenken. „Nur in den Bereichen, in denen auswendig gelerntes Wissen wirklich abgefragt werden muss, sollte man es machen. Ansonsten ist es besser, wenn man in Klausuren das Wissen anwenden lässt“, sagte Dany. Dann würde Abschreiben und Spicken nicht mehr so viel Sinn machen. „Es ist wichtig, dass die Studierenden mit ihrem Wissen umgehen, Schlüsse ziehen oder Vergleiche anstellen können“, sagt sie und plädiert für die Einbindung von Fallbeispielen in Klausuren. Das schiere Abfragen sei die niedrigste Stufe, um Wissen zu überprüfen.

Plagiatssoftware gegen das Guttenbergen

Für die Kontrolle von Hausarbeiten steht für Lehrende an der TU Dortmund eine Plagiatssoftware zur Verfügung. „Die Dozenten lassen die Texte da systematisch durchlaufen“, erläutert Dany. „Da fallen abgeschriebene Arbeiten schnell auf.“ Und das kann im schlimmsten Fall sogar rechtliche Folgen haben.

Nicht nur für Hausarbeiten, sondern bei Prüfungen generell gilt: Eine Leistung ist erst dann eine Leistung, wenn man sie – ohne Schummeln – selber leistet.

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