Das Duell: Soll OB Sauerland gehen?

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Die Loveparade-Katastrophe ist jetzt ein Jahr her. Erinnerungen kommen wieder hoch, immer noch. Im Fokus der Medien steht noch immer eine Person: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Er ist im Amt. Noch? Initiativen haben es sich zum Ziel gesetzt, das Stadtoberhaupt mit einem Abwahlverfahren abzusetzen. Ob er gehen oder warum er gerade bleiben soll, darüber streiten im Duell zwei Duisburger: Alexandra Ossadnik, in Duisburg geboren, jetzt Dortmunderin und der Duisburger Politiker und Künstler Rudolf Kley.

ALEXANDRA OSSADNIK
RUDOLF KLEY

Der Spiegel titelte im August 2010, dass die Loveparade „die amtlich genehmigte Katastrophe“ gewesen sei. Wie kann es denn sein, dass der mutmaßliche Hauptverantwortliche, nämlich der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg – Adolf Sauerland – immer noch nicht zur Rechenschaft gezogen worden ist?! Mittlerweile stehen Denkmäler für die Opfer, aber Adolf Sauerland ist immer noch im Amt! Da will sich jemand scheinbar nur noch seine Rente sichern.

Wie kann das sein?

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Aber wie kann es sein, dass keine höhere Stelle die Möglichkeit hat, diesen Mann zu entlassen? Er hat wider aller Vernunft und anscheinend aus Promotions- und Imagezwecken ein Event stattfinden lassen, was schon für Laien als reine Kamikaze-Aktion wirkte.

Die Sicherheitsmaßnahmen sollen laut Medienberichten schon bei der Planung gar nicht oder zu wenig beachtet worden sein. Adolf Sauerland soll sogar nach Gesprächen mit diversen seiner Angestellten und Verantwortlichen von Lopavent diese Bedenken über Bord geworfen haben. Doch die Genehmigung ist erteilt worden, die Loveparade 2010 fand statt. Und heute, ein Jahr nach der Katastrophe in Duisburg, sind die Verantwortlichen immer noch nicht gefunden. Keiner will sich dazu bekennen, einen Fehler gemacht zu haben. Niemand will bei der Planung unvorsichtig gewesen sein. Schon gar nicht das Oberhaupt der Stadt Duisburg. Die Geschädigten und Angehörigen der Toten haben bisher keine Entschuldigung erhalten. Und eine Entschuldigung, die erst nach einem Jahr kommt, ist keine ernstzunehmende. Es ist vielmehr ein verzweifelter Versuch des Oberbürgermeisters, seinen Job zu behalten.

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Sauerland hätte gehen sollen

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Meine Meinung ist, der Oberbürgermeister hätte schon vor einem Jahr aus dem Rathaus geschmissen werden sollen. Er hätte nicht noch ein Jahr in seinem Büro sitzen und auf seine finanziell gesicherte Rente zusteuern dürfen. Meine Bitte an den Noch-Oberbürgermeister der Stadt Duisburg: Herr Sauerland, geben Sie endlich zu, Fehler gemacht zu haben und erlauben Sie es einem Mann oder einer Frau mit Verantwortungsbewusstsein, die Angelegenheiten der Stadt Duisburg in Zukunft zu regeln.


Diese menschliche Tragödie war von Anfang an auch ein Politikum. Der Stadtrat von Duisburg SPD- dominiert, der OB ein CDU-Mann. Um ihn abzuwählen,  wurde sogar ein Gesetz geändert. Den Schuldspruch der Gerichte will man nicht abwarten, sondern lieber „in pseudodemokratische Art“ Lynchjustiz ausüben. Nicht mit mir.

Alle sind moralisch verantwortlich

Viele Prominente haben sich für die Durchführung der Loveparade stark gemacht. Der Landtagsabgeordnete Sören Link wollte die „super geile Party“ am liebsten sogar jeden Tag feiern. Innenminister Ralf Jäger brüstet sich noch einen Tag vor der Loveparade-Katastrophe: „Alle sind hoch motiviert und haben sich professionell vorbereitet“. Nur von OB Sauerland wird grundsätzlich Misstrauen in die Arbeit seiner Verwaltung erwartet? Der Rat der Stadt Duisburg hat einstimmig OB Sauerland beauftragt, die Loveparade durchzuführen. OB Sauerland hat schon frühzeitig nach der Katastrophe erklärt, dass er die „persönliche und politische Verantwortung“ übernimmt, wenn das Handeln der Stadtverwaltung zur Katastrophe geführt hat. Doppelmoral ist, wenn Ratsmitglieder, die die Abwahl des OB fordern, als Auftraggeber der Loveparade ihr Amt aber nicht selbst in Frage stellen.

Sprachlosigkeit statt tröstender Worte

Der Umgang mit der Katastrophe hat OB Sauerland bei vielen Duisburgern Sympathie gekostet, vor allem bei den Opfern und Hinterbliebenen. Seine Sprachlosigkeit wird ihm angekreidet, obwohl man nicht weiß, inwieweit er nur die Ratschläge seiner juristischen Berater befolgt hat. Aber kann sich denn überhaupt jemand an seiner Stelle noch normal verhalten? Wie ein Tier wurde er durch – offensichtlich vor allem politisch motivierte – Hetzkampagnen in die Enge getrieben. Er und seine Familie wurden massiv bedroht. Wer kann da noch brav „Männchen machen“ und Erwartungshaltungen bedienen?

Die Katastrophe nach der Loveparade-Katastrophe

Die Gegner von OB Sauerland untergraben von Anfang an das Ansehen des Oberbürgermeisters, wo es nur geht. Die Schuldfrage ist bis heute nicht geklärt. Jetzt soll trotzdem das Abwahlverfahren eingeleitet werden. Duisburg bleibt weiter bundesweit in den „Negativ-Schlagzeilen“. Für mich ergibt sich hier eine Katastrophe nach der Katastrophe: Die Art und Weise, wie auf dem Rücken der Opfer Politik gemacht wird, Demokratie gebeugt wird. Neubeginn (mit einem SPD-OB?) statt Bewältigung wird quasi als kurzsichtige Parole ausgegeben.

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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Rainer Sturm

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