Stille vs. Lärm – Meditieren auf dem Hurricane Festival

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In der vierten Woche habe ich meinen Selbstversuch mit der Mediatationsapp „7mind“ ins Extreme getrieben: Ich war auf dem Hurricane Festival in Scheeßel und hab mich den ganzen Tag mit lauter Musik umgeben. Für mich kein Problem. Aber für die App? Der vierte Schritt im Programm von „7mind“ dreht sich nämlich ausgerechnet um Stille. Angeblich kann man ja überall meditieren. Ich bin mir da nicht so sicher.

Mein erstes Problem: Womit soll ich überhaupt meditieren? Mein Handy will ich nicht mitnehmen. Auf Festivals geht das gerne kaputt, verloren oder wird geklaut. Also habe ich eine Audiodatei auf meinen alten MP3-Player gezogen. Dazu musste ich extra in der Redaktion von unserem Campusradio eldoradio* die Töne aus der App aufnehmen. Hätte ich diese Möglichkeit nicht gehabt, wäre das schwierig geworden.

 

Aber diese technische Fingerübung war ein Witz, gegen den Versuch, einen ruhigen Ort auf einem Musikfestival zu finden. Es gibt einfach keinen. Gerade für diesen Schritt ist Stille aber sehr wichtig: Die Meditationsstimme gibt immer wieder vor, dass man sich auf die Stille konzentrieren soll. Dazu wird eine Art Gong gespielt, der langsam verklingt. Indem man sich nur darauf konzentriert, soll man die Stille immer tiefer wahrnehmen. Blöd nur, wenn da keine Stille ist.

 

Der ruhigste Ort, den ich gefunden habe, ist mein Zelt. Nach dem Aufwachen hab ich dann eine Runde meditiert. Das ging im Prinzip auch ganz gut. Seltsam ist es dort aber trotzdem, wenn die App still wird, während draußen laute Musik läuft, Menschen schreien und mich ständig jemand fragt, wo ich bin und was ich gerade mache. Die Antwort auf letztere Frage („meditieren“) wurde dann auch meist mit mindestens einer hochgezogene Augenbraue belohnt. Mir ist das aber egal. Ich würde wahrscheinlich auch nicht viel anders reagieren. Zwei meiner Freunde sind aber immerhin neugierig geworden und haben mit mir meditiert. Sie fanden das zwar eher langweilig, zugegebenermaßen ist Begeisterung fürs Meditieren auf einem Festival aber auch eher schwer zu vermitteln.

Insgesamt waren die Hürden für die App in dieser Woche wohl zu hoch. Ich habe den vierten Schritt des Programms von „7mind“ zwar drei Tage unter normalen Umständen ausprobieren können, das hat aber nicht gereicht, um wirkliche Übung darin zu bekommen. Auf dem Hurricane Festival konnte ich ernsthaftes Meditieren dann ganz vergessen. Zwar sagen die Macher der App, dass man immer und überall meditieren kann, an ein Musikfestival mit rund 70.000 Besuchern haben sie dabei aber wahrscheinlich nicht gedacht.

Beitragsbild: Kelvin Wieck

Glücksbonus: 2/10          Weirdness: 3/10          Nervfaktor: 8/10

Hier geht’s zur Übersicht meines Selbstversuchs.

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