Kino-Tipp: The Bang Bang Club

logo_kino-tippBrennende Leichen, verhungerte Kinder und erschütternde Anarchie: Das sind die letzten Tage weißer Herrschaft über die Bevölkerung Südafrikas. Und mittendrin die vier Kriegsfotographen Greg Marinovich (Ryan Phillippe), Kevin Carter (Taylor Kitsch), Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach) und João Silva (Neels van Jaarsveld). Wie ein journalistisches Foto zur Hölle werden kann und wo Moral an ihre Grenzen stößt, zeigt die Verfilmung des autobiografischen Buchs THE BANG BANG CLUB.

Mitten in der umkämpften afrikanischen Region: Die vier Kriegsfotografen Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach), João Silva (Neels van Jaarsveld), Kevin Carter (Taylor Kitsch) und Greg Marinovich (Ryan Phillippe) Foto: Senator Film Verleih

Mitten in der umkämpften afrikanischen Region: Die vier Kriegsfotografen Ken Oosterbroek (Frank Rautenbach), João Silva (Neels van Jaarsveld), Kevin Carter (Taylor Kitsch) und Greg Marinovich (Ryan Phillippe). Foto: Senator Film Verleih

Während einer blutigen Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der Regierung (African National Congress) und den gegnerischen Stämmen Südafrikas (Inkatha Freedom Party) lernen sich Greg Marinovich und Kevin Carter kennen. Beide knipsen um die Wette, über einen Leichnam gebeugt. Kevin arbeitet für Associated Press, eine Nachrichtenagentur mit Hauptsitz in New York. Er erkennt Gregs Talent und lädt ihn ein, seine Fotos in der Agentur zu zeigen. Kurz danach schießt Greg unter Lebensgefahr ein Foto von einem brennenden Afrikaner, auf den die Gegner der Freedom Party einprügeln und ihn erbarmungslos sterben lassen. Er verkauft es an die Agentur, das Foto geht um die Welt, er gewinnt sogar den Pulitzer-Preis. Bald schon gehört er fest zur Gruppe der vier Fotografen, die sich Bang Bang Club nennen.

Mitten im Bürgerkrieg

Immer wieder fahren sie mit dem Wagen mitten in die Viertel hinein, wo der Bürgerkrieg tobt. Wo Menschen sich willkürlich töten, Panzer der weißen Regierung anrollen, Maschinengewehre knallen und Afrikaner um ihre ermordeten Kinder weinen. In den umkämpften Townships sind die vier Fotografen mitten im Geschehen, die Kugeln fliegen ihnen um die Ohren. Dabei riskieren sie ihr Leben und werden verletzt oder entrinnen der Gefahr nur knapp.

Nicht jeder Einsatz verläuft reibungslos: Greg (Ryan Phillippe) verletzt auf dem Boden. Foto: Senator Film Verleih

Nicht jeder Einsatz verläuft reibungslos: Greg (Ryan Phillippe) verletzt auf dem Boden. Foto: Senator Film Verleih

Allen brenzligen Situationen zum Trotz: Sie haben bei ihren waghalsigen Aktionen Erfolg: Ein Foto schießen, verkaufen, Kohle absahnen, sich gut fühlen. Allerdings ist für die vier Fotografen nach dem Drücken des Kameraauslösers längst nicht alles gut. Der psychische Stress und die Gefahren, welche die vier Männer im Laufe der Geschichte an ihre Grenzen bringen, führen sie in ein moralisches Dilemma: Wie kann ein Fotograf es verantworten, einen Menschen sterben zu lassen und bloß untätig ein Foto zu schießen? Und sich zusätzlich damit bereichern? Wie lange kann man so ein großes Elend, das man Tag für Tag vor Augen hat, noch aushalten? Und wann wird der Job ein Leben kosten?

Actionszenen und tiefe Einblicke

Diese Fragen stellt sich der Zuschauer während der gesamten 128 Minuten des Filmes. Durch die Zweifel des Hauptdarstellers Greg Marinovich wird man unwillkürlich damit konfrontiert und in das moralische Dilemma hineingezogen. Zudem bietet der Film spannende, actionreiche Szenen und eine aufreibende Liebesstory. Man fiebert laufend mit und erhält einen besonders tiefen Einblick in das nervenaufreibende und kaputte Leben der Hauptdarsteller. Dabei stellt man sich immer wieder nervös die Frage: Wie lange geht das noch gut und wo soll das enden? Eine Frage, die in einem berührenden Filmfinale auf dramatische Art und Weise beantwortet wird.

Ist sich seiner Mission doch nicht mehr so sicher: Kevin Carter (Taylor Kitsch). Foto: Senator Film Verleih

Der Job als Fotograf im Krisengebiet geht an die Nerven. Hier zweifelt Kevin Carter (Taylor Kitsch). Foto: Senator Film Verleih

Zwischen Film und Wahrheit

Insgesamt ist der Film besonders durch aufreibende Actionszenen geprägt. Damit einer der Hauptgedanken des Filmes nicht verloren geht, führen einige wenige Schlüsselszenen den Zuschauer immer wieder an die moralische Frage heran. Drehbuchautor und Regisseur Steven Silver bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen dem Einsatz filmischer Mittel und einer wahrheitsgetreuen Geschichte, schafft es aber gerade so, keine der beiden Seiten zu vernachlässigen. Anfangs könnte man denken, dass die Actionszenen womöglich die eigentlich wichtigen Fragen überdecken. Dann aber führen die Geschichte und ihr enorm emotionaler Schluss doch dazu, den Zuschauer berührt und nachdenklich zurückzulassen.

Von unserer Mitarbeiterin Isabel Sonnabend.

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