UAMR: Busenfreundschaft im Ruhrgebiet

Die Hochschul-Clique in Duisburg-Essen, Dortmund und Bochum ist zusammengerückt. Sie forscht gemeinsam, öffnet manch ein Seminar für alle Ruhr-Studenten, arbeitet außerdem an einer einheitlichen Online-Lernplattform und wirbt in New York und Moskau für den Pott. Universitäts-Allianz Metropole Ruhe (UAMR) heißt der Zusammenschluss, den die Rektoren im März 2007 besiegelt haben.

Die UAMR soll Vorteile für Wissenschaft und Lehre an allen drei Unis haben.

Die UAMR soll Vorteile für Wissenschaft und Lehre an allen drei Unis haben. Fotos: Maria Haensch

„Meine Vision der Allianz ist ein großer und vielfältiger Studienraum“, sagt der Bochumer Rektor Elmar Weiler. Doch – darin sind sich die Hochschul-Chefs einig – bis zum Erreichen der Ziele ist es noch viel Arbeit. „Sicher ist es schwierig, schnelle Erfolge zu erzielen, wenn Verwaltung und Bürokratie im Spiel sind, da bin ich realistisch“, räumt der Rektor der Uni Duisburg-Essen (UDE), Ulrich Radtke, ein.
Vor allem will die UAMR den Studenten erleichtern, die Veranstaltungen der anderen Unis zu besuchen und sich auch anrechnen zu lassen. „Da stehen wir aber natürlich noch nicht am Ende der Bewegung“, erklärt TU-Dortmund-Rektorin Ursula Gather. Für die Maschinenbauer in Dortmund und Bochum ist die Allianz schon Wirklichkeit geworden. Ihre Fakultäten arbeiten enger zusammen. Vorteil für die Studenten: Scheine können sie sich offiziell von beiden Unis anrechnen lassen. Vorteil für die Hochschulen: Sie teilen sich teure Technik für die Forschung. Das klappt aber noch nicht überall: „Die große ungelöste Aufgabe ist es, Studienordnungen so anzugleichen, dass es eine automatische Anerkennung gibt“, sagt Elmar Weiler. Ungelöste Aufgabe? „Dass man jetzt alle Studienangebote komplett mischen und alle Scheine sofort online irgendwo ablesen kann, könnte auch so teuer sein, dass wir es nicht erreichen“, erklärt Rektorin Gather.

Bus und Bahn erschweren das Zusammenrücken

Das erste Hindernis auf dem Weg zum Super-Studienangebot ist die Bahn. Jeder Student weiß das, nur noch nicht alle Rektoren: „Mit dem öffentlichen Nahverkehr zu pendeln, halte ich im Ruhrgebiet für vertretbar, wenn man nicht gerade von Dortmund nach Duisburg fährt. In Berlin ist man länger unterwegs, wenn man von der einen Universität zur nächsten kommen will“, sagt Ulrich Radtke. Im pflichtlektüre-Test dauerte die Fahrt von Dortmund nach Bochum mehr als eine Stunde – statt der im VRR-Plan vorgesehenen Viertelstunde. Dortmunds Rektorin Gather: „Von hier zur Uni Bochum sind es gerade einmal fünfzehn Minuten, auch wenn die öffentlichen Verkehrsmittel die Entfernung manchmal größer erscheinen lassen.“

Ruhr Campus Online: Endlich eine einheitliche Lernplattform?

Um den Studenten die Fahrt zu ersparen, bemühen sich die Hochschulen um eine gemeinsame E-Learning-Plattform. Ruhr Campus Online (RCO) kostet jede Uni pro Jahr etwa 100.000 Euro. Dafür sind bisher 27 Kurse ins Netz gestellt worden, an denen 826 Studenten online teilgenommen haben. Ruhr Campus Online soll die E-Learning Plattformen der einzelnen Unis in Zukunft vereinheitlichen. Ein Großteil der Seminarbesuche kann bei RCO durch das Lernen via weltweites Netz ersetzt werden, für Klausuren und Testate gibt es aber auch Präsenzanteile. „Das Ganze ist kein Selbstzweck. Wir wollen nicht zu E-Learning an sich und nur kommen“, erklärt Ursula Gather. „Den Bedenken, das Lernen im Internet spare Studien- und Arbeitsplätze ein, zum Trotz: E-Learning ist nur ein Zusatzservice für die Studierenden. Wir haben gerade erst angefangen, den Ruhr Campus Online aufzubauen. Wen man so etwas umsetzt, dann richtig“, erklärt Ulrich Radtke. Eine andere Möglichkeit, den Studis die Wege zwischen ihren Vorlesungen zu verkürzen ist übrigens, die Lehrenden fahren zu lassen. Auch das wird in manchen Fachbereichen schon praktiziert.

Außerdem arbeitet die Hochschul-Allianz an einer einheitlichen E-Learning-Plattform für alle Unis.

Außerdem arbeitet die Hochschul-Allianz an einer einheitlichen E-Learning-Plattform für alle Unis.

Die Zeit, die Studenten durch solche Veränderungen mal nicht in der S-Bahn verbringen, könnten sie in Zukunft dann vielleicht anders nutzen. Denn die UAMR will auch auf den Weg bringen, wovon mancher beim Schreiben von Hausarbeiten momentan nur träumen kann: Eine Kooperation der Bibliotheken. Dafür gibt es zwar noch keinen festen Termin, zumindest wird aber schon verhandelt. Für UDE-Rektor Radtke wären neben dem elektronischen Zugang zu den Beständen sämtlicher Bibliotheken überdies ein Studienausweis für alle drei Universitäten denkbar. „Wir werden das unter uns Rektoren besprechen, das die Nutzung der Bibliotheken mit nur einem Ausweis möglich wird“, stellt RUB-Rektor Weiler in Aussicht.

Die Vorteile anderer UAMR-Aktionen sind für die Studenten bisher allerdings noch nicht überall spürbar. Neben Ruhr Campus Online geben die Unis der Hochschul-Clique auch für die Werbung im Ausland etwa 100.000 Euro pro Jahr aus. Ein Büro in New York und eines in Moskau preist in der weiten Welt die Vorzüge von Forschung und Studium im „Ruhr Triangle“ an. Bisher hat die Arbeit der Büros für eben dieses universitäre Dreieck im Pott eine Partnerschaft unter anderem mit der Virginia Tec-Universität gebracht. „Ob wir diese Partnerschaft nun auch ohne das Büro hätten, kann niemand sagen. Aber die UAMR wird dadurch als ein attraktiver Groß-Studienraum wahrgenommen“, erklärt Ursula Gather. Den Erfolg dieser Arbeit könne man aber erst langfristig wirklich beurteilen.

Allianz zum Schnäppchenpreis

Was momentan laut allen drei Unis ebenfalls noch nicht zu beurteilen ist, sind die Kosten der Allianz. Die UAMR hat kein einheitliches Budget, man will mit möglichst wenig Verwaltung auskommen. Einen großen Teil schießt die Essener Mercator-Stiftung zu, hinter der die einflussreiche Duisburger Unternehmer-Familie Haniel steckt. „Da fließt ganz viel in Naturalien, die Unis geben ja einen Teil ihrer Arbeitskraft in die Kooperation“, erläutert Gather. In Arbeitsgruppen werkeln die Uni-Bediensteten daran, die Allianz weiter voranzutreiben. Für RUB-Rektor Weiler ist die UAMR ein Schnäppchen: „Wenn man alles addiert, sprechen wir bei den finanziellen Mitteln in etwa von einer Größenordnung um die 200.000 Euro pro Jahr. Damit ist die UAMR eine eher preiswerte Angelegenheit.“ Zum Vergleich: Allein die Uni Bochum hat einen Jahresetat von 380 Millionen Euro.

In Zukunft sollen alle UAMR-Studis Zugang zu allen Bibliotheken haben.

In Zukunft sollen alle UAMR-Studis Zugang zu allen Bibliotheken haben.

Doch bekanntlich sind gerade bei den Hochschulen die Portmonees nicht immer prall gefüllt. Kaum war die Allianz geboren, häuften sich Befürchtungen: Die UAMR würde zu Einsparungen führen, kleine Fachbereiche müssten um ihre Existenz bangen. Zu den gefürchteten Schließungen sagt RUB-Rektor Weiler: „Die Standorte sind autonom. Wir als Allianz planen aber nicht, einzelne Fachbereiche zu schließen.“ Falls eine Fakultät in Bedrängnis gerate könne man immer noch darüber nachdenken, von den anderen Unis Lehrkräfte zu importieren, bevor man den Studenten ein Spagatstudium ans Herz legt. „An einzelnen Standorten Vorlesungen oder Seminare abzubauen, weil es ähnliche Angebote an anderen Hochschulen gibt, wäre nicht sinnvoll“, bekräftigt UDE-Rektor Ulrich Radtke. Auch in Dortmund sieht man keinen Grund zur Unruhe, sagt Rektorin Gather: „Die Befürchtungen zu Streichungen aufgrund von Synergieeffekten sind absolut unbegründet.“
Umfrage: Michael Klingemann

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