Brauchen wir noch eine Frauenbeauftragte?

Die TU Dortmund hat mit Martina Stackelbeck eine neue Gleichstellungs-
beauftragte. Sie ist zuständig für Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern. Brauchen die Studentinnen in Zeiten von Emanzipation und „neuen Vätern“ überhaupt noch die Unterstützung einer Frauenbeauftragten?

Martina Stackelbeck (links) löst Ute Zimmermann als Gleichstellungsbeauftragte ab.

Martina Stackelbeck (links) löst Ute Zimmermann als Gleichstellungsbeauftragte ab.

Die Statistik sagt: nein – zumindest auf den ersten Blick. Die aktuellen Zahlen der Universität zeigen, dass der Anteil von weiblichen Studentinnen an der Erstsemester-Zahl zwischen 45 und 50 Prozent liegt. Mittlerweile schaffen sogar mehr Frauen als Männer ihren Abschluss, sagt  Stackelbecks Vorgängerin als Frauenbeauftragte, Ute Zimmermann. „Die sind einfach konsistenter und ziehen ihr Studium durch, wechseln auch nicht so oft.“

Festzuhalten bleibt also: „Wir starten mit einer gleichen Chance für alle.“ Wenn es um die Verteilung von Posten im Wissenschaftsbetrieb geht, sind die Männer aber wieder im Vorteil: Ihr Anteil an wissenschaftlichen Mitarbeitern, Promovierenden oder Habilitierenden steigt, je höher die Position ist. Das heißt, es gibt viele weibliche HiWis, aber immer noch wenige Professorinnen.

Frauen studieren zielstrebiger – trotzdem bekommen die Männer die Topjobs

Aufgabe des Gleichstellungsbüros ist deshalb die Unterstützung der Frauenförderpläne, die im Hochschulgesetz NRW festgelegt sind. Dazu gehört die Organisation von Girls Days, die Unterstützung von Promovierenden und die Sicherstellung einer familienfreundlichen Uni. Dafür steht ein ganzes Team zur Verfügung: Martina Stapelbeck ist jetzt hauptberuflich Frauenbeauftragte, vorher hat sie bei der Sozialforschungsstelle der TU gearbeitet. Dazu kommen noch die ehrenamtlich tätigen Gleichstellungsbeauftragten der einzelnen Institute sowie zwei studentische Mitarbeiterinnen.

Martina Stackelbeck sieht auch Bereiche, wie die Sprache, in denen die Entwicklung rückständig ist,

Die neue Frauenbeauftragte der TU Dortmund, Martina Stackelbeck.

Der geringe Frauenanteil bei Studiengängen wie den Ingenieurswissenschaften ist immer noch ein Thema, aber längst nicht das einzige. Nach der Versammlung kommen zwei junge Frauen auf Martina Stackelbeck zu. Kurse beim Hochschulsport nur für Frauen – so lautet ihre Forderung. Die Frauenbeauftragte kümmert sich aber auch um Gefahrenstellen an der Universität wie schlecht beleuchtete Gänge. Und um Probleme, die für die Beauftragte eigentlich längst abgehakt waren. Dazu zählt für sie die Wortwahl: „Sprache konstruiert Welt. Viele sprechen immer noch nur von Studenten statt Studierenden. Frauen fühlen sich dann vielleicht nicht angesprochen.“

Geringes Interesse bei den Studentinnen

Die Dortmunder Studentinnen fühlen sich tatsächlich kaum angesprochen – von der Frauenvollversammlung. Zur Begrüßung der neuen Frauenbeauftragten sind gerade einmal 40 Frauen gekommen, darunter Mitarbeiter des Gleichstellungsbüros, einige Gleichstellungsbeauftragte aus den Instituten. Die wenigsten im Raum sind Studentinnen. „Den Studentinnen ist auch noch zu wenig bewusst, wobei wir ihnen helfen können. Denen fällt das meist erst ein, wenn sie zum Beispiel schwanger werden und Unterstützung brauchen.“

Wie wäre es mit einem Männerbeauftragten?

40 Frauen ließen sich über aktuelle Entwicklungen und Angebote informieren.

40 Angestellte und Studierende besuchten die Vollversammlung. Fotos: Anne-Kathrin Gerstlauer

Vielleicht ist es Zeit für die Gleichstellungsbeauftragte, sich für eine andere Klientel zu öffnen: Männer. Ob bei der Wehrpflicht, bei den „Quoten-Frauen“ oder beim Sorgerecht –  auch Männer können sich diskriminiert fühlen. In den Kulturwissenschaften sind sie fast ebenso in der Minderheit wie die Frauen bei den Ingenieurwissenschaften. 2009 hatte der erste Boys Day in Dortmund Premiere, damit auch Jungen an Studiengänge herangeführt werden, die heute als Frauen-Fächer gelten. Nur einen Gleichstellungsbeauftragten für Männer gibt es noch nicht.

Einen Männerbeauftragten fände Martina Stackelbeck nicht schlecht. Trotzdem gebe es sogar in Frauen-Domänen wie Kulturwissenschaft immer noch mehr Professoren als Professorinnen. Wie lange es ihren Job wohl noch geben wird? – „Ich hoffe nicht mehr so lange, aber ich befürchte schon.“