Brighton Rock: Einfach gutes Gangsterkino

logo_kino-tippSelten gelingt es, die Themen Liebe und Macht zu behandeln, ohne kitschig zu werden – Brighton Rock schafft es. Hier mischen sich Manipulation, Zuneigung und Kriminalität gepaart mit wirklich guten Schauspielern. Typisches Hollywood-Kino ist das nicht – und genau das macht das Ganze so gut.

Der Ganove Pinky will in seiner Gang aufsteigen. Foto: Kinowelt

Sam Riley verkörpert perfekt den kriminellen Protagonisten Pinky. Foto: Kinowelt

England, im Umbruch der 1960-er Jahre: Während Mods und Rocker Unruhe in  das Land bringen, erlebt der vermeintlich idyllische Kurort Brighton Rock mehrere Morde. Zwei Banden teilen sich die Stadt und kämpfen um die kriminelle Vorherrschaft in Brighton Rock.

Der Verbrecher Pinky hat sich zum Ziel gesetzt, in der Hierarchie seiner Bande aufzusteigen und das um jeden Preis. Um den Mord an seinem Ziehvater zu rächen, legt sich Pinky mit dem Ganoven Hale an und geht dabei zu weit: Anstatt den Widersacher und seine Gang nur zu verschrecken und damit ein Zeichen zu setzen, tötet Pinky seinen Rivalen.

Das Spiel um Macht

Dumm nur, dass die junge Kellnerin Rose ihm bei der Polizei Ärger machen könnte. Rose ist die einzige, die die Verbindung zwischen Pinky und dem ermordeten Hale kennt. Was macht ein gutaussehender Gangster mit einer gutgläubigen Zeugin? Er erobert sie, heiratet sie und erteilt ihr damit das Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht – auf Mord steht im England der 1960-er Jahre immerhin die Todesstrafe. Pinky erkennt schnell, wie wichtig Rose für ihn werden könnte.

Rose ist dem kriminellen Pinky hoffnungslos verfallen. Foto: Kinowelt.

Rose glaubt bis zum Ende an Pinkys Unschuld. Das macht Brighton Rock so untypisch. Foto: Kinowelt

Rose ist jung und naiv, vor allem aber glaubt sie an die große Liebe. Als die  schüchterne Katholikin vom selbstbewussten Pinky umgarnt wird, ist sie hin und weg. Dabei merkt sie nicht, dass Pinky sie unentwegt manipuliert. Schnell hat der Ganove die hübsche Kellnerin in der Hand.

Roses Chefin Ida versucht von Anfang an, Rose von Pinky zu befreien und ihr die Augen zu öffnen. Dabei handelt Ida nicht aus reiner Nächstenliebe: Der von Pinky ermordete Gangster Hale ist ein ehemaliger Liebhaber der Café-Inhaberin. Als Ida das Gespräch mit Rose sucht, überschreitet Rose die Grenze: Das einst so schüchterne und unschuldige Mädchen bedroht ihre Chefin. Es scheint, als sei Rose endgültig verloren.

Düster, böse, manipulativ

Brighton Rock ist eine typische Gangstergeschichte im Stil des Film Noir. Es geht um kriminelle Machenschaften, Liebe, aber auch um Macht. Dabei ist der Stoff nichts Neues: Brighton Rock ist eine Adaption des 1938 veröffentlichten Buchs „Am Abgrund des Lebens“ von Graham Greene. „Für Schauspieler in meiner Altersgruppe gibt es nur selten so großartige Rollen“, sagt Sam Riley. „Könnte man beliebig wählen, hätten sich die meisten jungen Schauspieler für eine Figur wie Pinkie entschieden. Wie oft bekommt man schon die Chance, in fantastischen Anzügen, mit einer Narbe im Gesicht und einem Klappmesser in der Hand auf John Hurt oder Helen Mirren loszugehen?“

Die Café-Betreiberin Ida setzt alles daran, Rose zu befreien. Foto: Kinowelt

Oscar-Preisträgerin Helen Mirren überzeugt in der Rolle der Ida. Foto: Kinowelt

Die Stimmung ist düster, böse und manipulativ – gerade deshalb passt Sam Riley wunderbar in die Rolle des Pinky. Er spielt die Figur authentisch und erfüllt wieder einmal in das Klischee vom düsteren Engländer – schon 2007 überzeugte Riley in der Rolle des Joy Division Sägers Ian Curtis („Control“). Und so gelingt es ihm mit erstaunlicher Natürlichkeit in Brighton Rock der perfekte Böse zu sein. Ganz schön korrupt, kaputt und ganz schön englisch.

Oscar-gekrönte Besetzung

Und auch Oscar-Preisträgerin Helen Mirren überzeugt in ihrer Rolle als damenhafte und doch resolute Café-Inhaberin Ida. Die Figur Ida ist selbstbewusst, ja auch ein bisschen gefühlskalt – das weiß Helen Mirren zu verkörpern.

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Der Part der Kellnerin Rose ist für Andrea Riseborough wie geschaffen: Süß, unschuldig, naiv und blind vor Liebe. Attribute, die man der Newcomerin zweifellos abkauft. Es ist aber auch der Rolle zu verdanken, dass Rose nicht die übliche Metamorphose durchmacht. Sie bleibt trotz allem das kleine, aber liebenswerte Dummchen.

Brighton Rock will weder belehren, noch ist der Film übertrieben oder gar kitschig. Es ist einfach gutes Unterhaltungskino, fernab von Hollywood. Genau das macht Brighton Rock so sehenswert und eben nicht-amerikanisch.

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