Wissenswert: Wenn die Sonne in der Nase kitzelt

Foto: flickr.com/Karen Roe, Rafael Robles L, Lars Kasper, NASA Goddard Photo and Video; Montage: Marc Patzwald, Teaserfoto: flickr.com/poniblog

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Es ist Ende März, am Mittwoch, den 21.03. war der kalendarische Frühlingsbeginn: Zu sehen ist davon aber noch nichts. Blumen und Bäume lassen sich Zeit, was Allergikern große Freuden bereitet, die Taschentücher müssen noch früh genug gezückt werden. Lässt sich die Sonne dann doch mal blicken, wenden wir ihr alle sehnsüchtige Blicke zu: Und einige brechen in plötzliche Niesanfälle aus.
Warum kitzelt manchen Leuten die Sonne in der Nase?

Taschentücher (Foto: Lupo/pixelio.de )

Ein Begleiter von Vielen im Frühjahr: Taschentücher Foto: Lupo/pixelio.de Teaser: Joujou/pixelio.de

Grund dafür ist, zumindest bei einem Fünftel unserer Bevölkerung, der so genannte „photische Niesreflex“: Ein Reflex, der ausgelöst wird, wenn der Betroffene plötzlich in helles Sonnenlicht schaut. Dieses Phänomen ist weit verbreitet und wurde schon früh beschrieben. Bereits Ende der 70er Jahre  hatten Forscher die ersten handfesten Ideen, was der Grund dafür sein könnte. Bis heute sind die Ursachen des Niesreflexes aber nicht abschließend geklärt.

Am wahrscheinlichsten ist folgende Theorie, welche bereits 1978 von amerikanischen Forschern aufgestellt wurde und seitdem nicht ausreichend zu widerlegen ist: bei den betroffenen Menschen verlaufen zwei Nervenfasern, die sonst unabhängig voneinander arbeiten, so nah beieinander, dass es zu Interaktionen kommen kann.

Niesen ohne ersichtlichen Grund

Der eine ist der Hauptsehnerv, welcher unter anderem die Pupillengröße reguliert. Bei plötzlichem Lichteinfall durch Sonnenstrahlen, Scheinwerfer oder Ähnlichem regelt der Sehnerv die Größe unserer Pupillen runter, damit nicht zu viel Licht ins Auge einfällt und unser Auge Schäden davonträgt.

Der andere ist der sogenannte Drillingsnerv, eine Art sensible Nervenfaser, welche für sensorische und rezeptorische Vorgänge in der Nasenschleimhaut zuständig ist und somit eine der ersten Auslöser der komplexen Nieskaskade ist. Gelangen Fremdkörper wie zum Beispiel Pollen in unsere Nase, wird über den Drillingsnerv ein Signal weitergegeben, das einen plötzlichen Luftausstoß über Mund und Nase initiiert: Wir niesen die Pollen weg.

Der photische Niesreflex wird durch eine zufällige Aktivierung des Drillingsnerves ausgelöst, wenn der Sehnerv auf plötzlich einfallendes Licht reagiert: Die beiden Nervenstränge liegen so nah beieinander, das eine sehr starke Reizung des einen den anderen mit aktivieren kann. Die Nieskaskade wird so ausgelöst, obwohl gar keine Pollen vorhanden sind. Das dauert so lange, bis sich die Augen an das helle Licht gewöhnt haben und die Pupillengröße reguliert ist.

Keine gesundheitliche Gefahr

Sonne

Plötzlicher Sonnenschein zwingt die Augen, den Lichteinfall zu korrigieren. Foto: Petra Dirscherl/pixelio.de

Dieses Phänomen der zu nah beieinander liegenden Nervenstränge ist vererbbar: Forscher haben es das „ACHOO-Syndrom“ getauft. Diese Abkürzung steht für „Autosomal dominant Compelling Helio-Ophthalmic Outbursts of sneezing“, was übersetzt nichts anderes bedeutet, als dass ein durchs Auge gereizter Zwang zum Niesen führt, und dies unabhängig vom Geschlecht des Merkmalsträgers vererbbar ist.

Gefährlich  ist das ACHOO-Syndrom aber nicht: Gesundheitlich wirkt sich die Verlagerung der Nerven und die so zufälligen Reaktionen nicht auf ihre ursprüngliche Funktionen aus.
Und auch, wenn wir alle vom Niesen verschont bleiben wollen: Es wäre doch schön, wenn bestimmte Menschen beim Blick aus dem Fenster bald wieder einen Grund zum Niesen hätten.

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