Das Duell: Billigflieger

Duell Susanne Judith

Billigflieger sind statistisch gesehen genau so sicher wie große Airlines und machen die Welterkundung leichter. Die Niedrigpreise locken zum Vielfliegen an, doch gerade deshalb geht von den Low-Cost-Airlines große Gefahr für die Umwelt aus. Helfen Billigflieger, die Welt zu verbinden oder sind sie unnötige Luftverpester? Das Duell am Donnerstag.

Reisen verbindet. Andere Kulturen kennenzulernen, muss jedem offen stehen,
sagt Susanne Hoffmann.

Reisen erweitert den Horizont. Reisen bildet. Reisen ist die Begegnung der Kulturen. Diesen Thesen widerspricht kaum jemand. Und doch wettern viele gegen das Fliegen, ganz besonders gegen die Nutzung von Billigfliegern. Dabei ist es gerade dieses Verkehrsmittel, das Menschen heute verbindet.

Globales Reisen für Schwarzwald-Urlauber

Früher war Fliegen ein Privileg der Oberschicht. Andere Kulturen kennenlernen – das war Luxus. Ende der 90er Jahre breitete sich die irische Billigfluggesellschaft Ryanair in Europa aus und schaffte damit ganz neue Möglichkeiten für den Durchschnittsbürger. Auch Schwarzwald-Urlauber können nun mit eigenen Augen sehen, was sie sonst nur aus dem Fernsehen kennen.

Die Verantwortung liegt beim Einzelnen

„Luftverpestung“, rufen dann die Umweltaktivisten. Korrekt, die Ökobilanz von Flugzeugen ist sicherlich nichts, was einen Klimaschutz-Preis verdient hätte. Doch das trifft auf die Standard-Airlines genauso zu wie auf die Billigflieger. Die niedrigen Preise senken natürlich die Hemmschwelle, einen Flug zu buchen. Ob der Kunde ihn auch gebucht hätte, wenn er deutlich teurer wäre, weiß niemand. Die Verantwortung für den eigenen ökologischen Fußabdruck liegt beim Einzelnen.

Zugegeben: Ein eintägiger Shopping-Trip nach London oder Paris fördert bestimmt nicht das Völkerverständnis. Die Bahnfahrt in die nächstgelegene Großstadt ist hier die bessere Alternative. Mal etwas internationale Luft schnuppern schadet hingegen niemandem. Die Möglichkeit, in einer globalen Welt auch global zu reisen, muss im Zuge der Chancengerechtigkeit jedem zustehen. Und dafür sorgen Billigflieger.

Die Billigflieger sparen an den richtigen Stellen

In Gefahr bringt man sich übrigens nicht. Safety first ist auch bei Billigfliegern das Motto. Wer behauptet, Ryanair, Easyjet und Co würden die Sicherheit der Passagiere vernachlässigen, liegt falsch. Denn die Anforderungen für die Wartung sind für alle Airlines gleich. Das Luftfahrt-Bundesamt macht in seiner Bewertung auch bei Billigfliegern keine Ausnahmen.

Viele erhielten in den Statistiken des deutschen Unfalluntersuchungsbüros JACDECD in den vergangenen Jahren immer wieder Bestnoten. Ryanair und Easyjet zählten sie 2014 zu den sichersten Fluggesellschaften weltweit. Die Low-Cost-Airlines sparen einfach an den richtigen Stellen. Als Studentin sind mir geringer Sitzabstand und überteuerte Snacks relativ egal, so lange ich pünktlich, schnell und vor allem sicher ans Ziel komme. 

Auf Billigflügen sitzt ein ungemütlicher Passagier mit an Bord: die Verantwortungslosigkeit,
sagt Judith Koch.

Die Füße hochgelegt, alle Sorgen an Land gelassen – so segelt man bequem ans Ziel: Flugzeuge sind längst zum Ausflugsvehikel geworden. Durch Ryanair, Easyjet und Co. ist der Flugverkehr in den letzten dreißig Jahren enorm gestiegen. Per Kurztrip flott ein bisschen kosmopolitische Lebensart schnuppern – und das ist längst nicht mehr nur etwas für Gutbetuchte.

Wie kommen die super-günstigen Preisknaller eigentlich zustande?

Ryanair zum Beispiel setzt auf ein Minimum an Kundenservice, um den Preis klein zu halten. Hier fängt das Sparen schon an Land an: Für Umbuchungen und Stornierungen hat Ryanair nur eine einzige Telefon-Hotline. Nach einem E-Mail-Kontakt sucht man auf der Homepage vergeblich, obwohl eine entsprechende EG-Richtlinie über den elektronischen Geschäftsverkehr dies zwingend vorschreibt.

Erst per Gerichtsbeschluss wurde Ryanair dazu verpflichtet, Steuern und Gebühren bei einer Stornierung zu erstatten. Dabei entstehen der Fluggesellschaft diese Kosten erst gar nicht, wenn der Fluggast die Reise nicht antritt. Das klingt nach einer Farce, hält die irische Airline nicht von noch mehr durchtriebenen Geschäftsideen ab.

Vielmehr werden die Unannehmlichkeiten für die Fahrgäste wie in der Pampa gelegene Flughäfen (man denke an Namen wie Düsseldorf Weeze und Frankfurt Hahn) oder die fehlende Beinfreiheit bei den Preisen gerne in Kauf genommen. 

Schnell mal nach Rom fliegen heißt, den Treibhauseffekt anzukurbeln

Denjenigen, die Billigfliegen nur als Ausdruck ihres Schnäppchenjäger-Triebs sehen, könnte Folgendes allerdings bitter aufstoßen: Das ganze Zeit- und Geldsparen bedeutet Umweltverschmutzung. Der steigende Flugverkehr, inklusive Billigflügen, treibt den globalen Treibhauseffekt enorm in die Höhe. Zwar verbraucht ein Flugzeug im Vergleich zum Auto gar nicht so viel mehr Treibstoff. Doch Kerosin beziehungsweise Benzin wirkt in der Atmosphäre viel stärker als an Land. Der Treibhauseffekt auf Flughöhe ist daher dreimal so hoch als auf der Erde. Ein Flug von Berlin nach Rom bedeutet eine vier Mal so hohe Klima-Belastung wie eine Autofahrt vom Brandenburger Tor bis zur Tasse Espresso auf der Piazza Navona.

Die hohe Strahlenbelastung für den Körper scheint aber genau so wenig wie die Umweltverschmutzung vom Vielfliegen abzuhalten. Laut Umweltbundesamt werden bis 2030 aber allein in Deutschland drei Mal so viele Flugzeuge am Himmel sein. Höchste Zeit also, sich zu überlegen, ob man seinem fixen Reisetrieb immer so schnell nachgeben sollte.

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Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: Jörg Brinckheger / pixelio.de

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