Zwischen Bratwurst und Crêpes: Vegan essen auf dem Weihnachtsmarkt

XXL-Grillsandwich mit Tomatensoße

Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt verspricht Atmosphäre – mit Lichterzauber, Weihnachtsliedern und vielen Leckereien. Von Currywurst über Hot-Dogs bis hin zu Fischbrötchen und Crêpes. Ein riesiges Angebot – aber nicht für alle. Für Veganer ist nicht viel mehr als eine Portion Pommes (ohne Mayonnaise selbstverständlich) drin. Ein rein veganes Angebot müsste her, um die Suche zwischen Fleisch und Gelatine zu erleichtern. Aber gibt es sowas überhaupt?

Den Husemannplatz auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt schmückt ein Lichterdach, Kinder drehen ihre Runden im Karussell, Männer und Frauen treffen sich zum Glühwein. Etliche Stände säumen den Platz: Mal gibt es Reibekuchen, am nächsten Churros und Flammlachs. Ein typisches Angebot eben, wäre da nicht „Las Vegans“. 

Eine große Tafel zeigt: Es gibt XXL-Grillsandwiches, dazu viele verschiedene Soßen von der Tomatensoße bis zur Erdnusssoße. Brat- und Currywürste, Frikandeln, Nachowaffeln mit Salsa und Chili, süße Mohnwaffeln mit Sahne. Alles ohne Fleisch, ohne Tierprodukte. Bei Winfried Kaiser sind Bratwurst und Co. stattdessen aus Sojamehl, Weizengluten oder pflanzlichen Produkten.

Kunden sind neugierig

Kaiser führt einen Tierschutzhof und fährt mit seinem Foodtruck mit dem Namen„Las Vegans“ regelmäßig zu Veranstaltungen. Zum ersten Mal ist er auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt. Und wie kommt das Angebot dort an?

Etwas zögerlich nähert sich eine Besucherin dem Stand von Winfried Kaiser, begutachtet die Speisentafel und entscheidet sich schließlich für ein XXL-Grillsandwich mit „Fruit’n-Chili“-Soße. Ihre Familie sei währenddessen ein paar Stände weiter, Currywurst und Pommes holen, erzählt sie. „Ich bin keine Veganerin, aber einfach neugierig. Ich will mal etwas Neues ausprobieren“, sagt sie. Winfried Kaiser freut das selbstverständlich: „ Sobald sich potentielle Kunden und Kundinnen entschließen, unser Speiseangebot zu probieren, haben wir gewonnen.“

Großes veganes Angebot in Hannover

Winfried Kaiser gehört der Stand „Las Vegans“, in dem er ausschließlich vegane Speisen anbietet.  Fotos: Lars Frensch

In Bochum ist Winfried Kaiser mit seinem rein veganen Angebot alleine. Aber wie sieht es anderswo in Deutschland aus?

Mitten in Hannovers Innenstadt gibt es schon seit 2010 einen komplett veganen Weihnachtsmarkt. Neben veganen Speisen bieten die Schausteller dort auch vegane Naturkosmetik und Kleidung an. Der Markt ist aber nicht in der gesamten Adventszeit, sondern nur ein Wochenende lang geöffnet. Der Beliebtheit tue das keinen Abbruch, der vegane Weihnachtsmarkt in Hannover werde von Jahr zu Jahr voller, erzählt Kaiser, der auch dort teilnimmt. Zusätzlich wird der Markt von ehrenamtlichen Tierrechtlern veranstaltet. Es geht nicht nur darum, einen Trend zu bedienen, sondern vielmehr um die Verbreitung eines Ideals.

Nur vereinzelt vegane Stände

In Berlin (The Green Christmas Market) und in Hamburg (Veggie-Weihnachtsmarkt) gibt es ebenfalls ein größeres Angebot. Oft sind die Märkte auch an unerwarteten Orten, wie beispielsweise in einem Fitness-Center in Köln. Sonst gibt es, wie auch in Bochum, vereinzelt vegane Ständen auf klassischen Weihnachtsmärkten.

Die vergangenen Wochen haben Winfried Kaiser gezeigt: Die Besucher sind offen genug für veganes Essen. Selbst in den eher weniger stark frequentierten frühen Nachmittagsstunden habe er einige Kunden, meist Mitarbeiter aus den umliegenden Büros und Geschäften. 

Veranstalter zögern noch

Doch obwohl es in jedem Supermarkt mittlerweile speziell vegane Produkte zu kaufen gibt, reagierten die Veranstalter noch vorsichtig und zurückhaltend. Sie begäben sich auf Neuland, wenn sie Stände abseits des Gewöhnlichen präsentierten. „Die Entwicklung im veganen Bereich, gerade auf Weihnachtsmärkten ist noch sehr jung“, sagt Kaiser. „Klassische Gerichte, wie Reibekuchen ‚tierische’ Bratwurst und Backfisch sind sicherlich mengenmäßig mehr gefragt.“

Winfried Kaiser aber will auch im nächsten Jahr dabei sein.  Er hofft, dass er in den vergangenen Wochen seine Botschaft von einer ethisch durchdachten Ernährung und Lebensweise weitergeben konnte. „Wenn dies auf einem doch rein konsumorientierten Weihnachtsmarkt bei einigen unserer Kunden angekommen ist, dann hat sich der Markt im Jahr 2015 doch gelohnt.“