Interkulturelle Liebe: Zwei Welten, ein Paar.

Die Liebe hat bekanntlich verschiedene Facetten. Sie achtet nicht auf das Geschlecht, nicht auf Distanzen und nicht auf die Kultur der Liebenden. Ob deutsch-türkisch, chinesisch-nigerianisch oder etwa griechisch-russisch: Nichts ist der Liebe zu exotisch. Mit den kulturellen Besonderheiten von Partnern hat sich pflichtlektüre beschäftigt und traf sich dafür mit zwei interkulturellen Paaren.

Sergio und Miu

Wilasini Chaleesombat, Spitzname „Miu“, kommt gebürtig aus Thailand. Ein Teil ihres Lebens hat sie im südostasiatischen Land verbracht, den anderen, gegenwärtigen, Teil lebt sie in Deutschland. Hier hat sie auch den Portugiesen Sergio Julio Oliveira kennen und lieben gelernt. Heute wohnen sie zusammen. Der Alltag läuft sehr gut. Sergio ist dabei aufgefallen, dass Miu, obwohl er es nicht verlangt oder es erwartet, sich sehr für das gemeinsame Zuhause verantwortlich fühlt. „Sie kümmert sich viel um Haushalt und Essen. Das gehört auch in gewisser Weise zur thailändischen Mentalität. Rücksichtsvoll, hilfsbereit und höflich zu sein.“

Sergio und Miu waren auch mal gemeinsam in Thailand. Dort bemerkte Sergio, dass die Menschen dort viel entspannter sind und im Vergleich zu den Deutschen oder den temperamentvollen Portugiesen ein ruhigeres Wesen haben.

Miu aus Thailand und Sergio aus Portugal. Teaserbild und Fotos: Mary Hense

Miu aus Thailand und Sergio aus Portugal. Teaserbild und Fotos: Mary Hense

Miu dagegen weiß, dass Respekt vor dem Alter in ihrem Kulturkreis einen sehr hohen Stellenwert hat. „Egal was die Älteren sagen, die Jüngeren dürfen nicht sofort widersprechen. Das wird als unhöflich empfunden. Wir müssen das erst einmal aufnehmen und reflektieren. Wenn andere sich anders benehmen, wundere ich mich, denn ich habe wirklich viel, viel Respekt vor Älteren.“ Mit den Eltern des anderen hatten Miu und Sergio keine Probleme. „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen.“, so Miu.

Miu über Sergio: „Ich schätze dieses enge portugiesische Familienleben. Es dauerte nicht lange bis ich Teil der Familie wurde.“

Sergio über Miu: „Was ich sehr schätze ist, dass sie diese traditionellen thailändischen Werte hat. Zum Beispiel, dass sie sehr fürsorglich ist, dass sie sich für das Essen zuständig fühlt und achtet, dass ich mich vernünftig ernähre. Sie ruft mich auch immer an und fragt: ‚Hast du schon gegessen? Willst du etwas essen?‘.“

Dennis und Allisha

Dass Dennis Guardiola zum Teil aus Spanien kommt, merkt man auf den ersten Blick nicht. Sein Vater ist Spanier, die Mutter Deutsche. Die exotischen Wurzeln von Dennis‘ Freundin Allisha Richards hingegen erkennt man auf Anhieb: große braune Augen, lange dunkle Haare und eine Hautfarbe, wie Capuccino. Allishas Vater kommt aus Jamaika, ihre Mama aus Deutschland.
Als Dennis und Allisha sich kennenlernten, stand der Migrationshintergrund der beiden nicht im Vordergrund. Vielleicht, weil sie sich auf einer Feier in ihrer deutschen Heimatstadt begegnet sind oder auch, weil die beiden sich grundsätzlich eher deutsch fühlen. Beide sprechen akzentfrei die deutsche Sprache und sind in Deutschland aufgewachsen.
Allisha und Dennis verbinden die zwei Welten, aus denen sie kommen, unbewusst. Die meiste Zeit Leben sie in der dritten.

Der Deutsch-Spanier und die Deutsch-Jamaikanerin.

Der Deutsch-Spanier und die Deutsch-Jamaikanerin.

Sie finden, dass sie eher deutsch als jamaikanisch, beziehungsweise spanisch leben. Die nicht-deutschen Seiten kommen da eher sporadisch im Alltag vor. Wie zum Beispiel beim Essen. „Das Essen ist auf jeden Fall immer schön dick gewürzt. Dann gibt es oft Jamaikanisches Chicken“, so Dennis. Auch im Urlaub in Spanien wird die Herkunft deutlicher. Dort bemerkte Allisha, wie aufgeweckt und lebhaft die Spanier sind. „Spanier plappern unglaublich schnell und viel“, erzählt sie. Außerdem erlebte sie hautnah, woher Dennis‘ Temperament herkommt. „Bei Konflikten will er nicht nachgeben. Da beharrt er auf seiner Meinung und ist sehr stolz. Ich denke, das hat auch mit seinen spanischen Wurzeln zu tun.“ Zurzeit lernt Allisha Spanisch. „Manchmal schreiben uns Dennis und ich spanische Kurzmitteilungen“, verrät sie. Im Laufe ihres Studiums möchte sie außerdem ihr Auslandssemester im Herkunftsland ihres Freundes verbringen.

Allisha über Dennis: „Unpünktlichkeit – das könnte man als typisch spanische Eigenschaft an Dennis bezeichnen. Dieses ‚mañana mañana‘.“

Dennis über Allisha: „Was dem typisch jamaikanischen Bild entspricht bei Lish ist ihre Gelassenheit, die Coolness. Vor allem auch das etwas langsamere, sehr bedachte Sprechen und beruhigende Auftreten. Sie ist schon sehr gechillt.“

Seite 2: Interview mit einer Expertin vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften

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