US-Amerikaner über die Präsidentschaftswahl: Trumps Erfolg war reiner Zufall

 

 

Donald Trump flickr: Gage Skidmore

Deutsche Medien machen gerne Witze über ihn: Über sein unprofessionelles Auftreten, seine fragwürdigen politischen Ziele und seine Frisur. US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat trotzdem die Chance, am 8. November der mächtigste Mann der Welt zu werden. Douglas Parent (40), Bürger aus New York, ist sich sicher, dass er Trump nicht wählen wird. Im Skype-Gespräch erzählt er, wie der umstrittene Kandidat der Republikaner so weit kommen konnte, und warum diese Wahl so anders ist als alle anderen zuvor.  

Doug Parent aus Pelham (New York) ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Seine Tochter ist zehn, sein Sohn 13 Jahre alt. Er hat in Harvard studiert, arbeitet selbständig als Unternehmensberater. Politisch ordnet er sich den Demokraten zu, für die Hillary Clinton kandidiert. Er wählt die Partei seit über 20 Jahren.

Doug Parent wird seine Stimme nicht für Trump abgeben.

Wird seine Stimme nicht für Trump abgeben: Doug Parent, hier im Gespräch über Skype.

Alles bloß Glück?

Die amerikanischen Parteien entscheiden  in den sogenannten „Primaries“ über ihre potenziellen Präsidentschaftskandidaten. Dass Trump die Primaries für sich entscheiden konnte, war laut Doug reiner Zufall und jede Menge Glück.

It was almost as though Jupiter aligned with Saturn, aligned with Mars, all these little coincidences happened at the same time and he just got lucky.

Normalerweise entscheidet sich eine Partei in den Primaries zwischen zwei bis vier Kandidaten. Die Republikaner stellten in diesem Jahr 17 Kandidaten auf.

Per Zufall an die Spitze?

„Davon habe ich noch nie gehört. Das ist verrückt“, erzählt Doug. Also verteilten sich die Stimmen der delegierten Wähler auf sehr viele Kandidaten, und so war es möglich, mit einer relativ geringen Anzahl an Stimmen zu gewinnen. Trump brauchte nicht viele Befürworter, er musste nur mehr Stimmen bekommen, als auf die anderen 16 Mitstreiter ausfielen. Dabei kam ihm zugute, dass er einfach „the loudest guy“ war, wie Doug es beschreibt. „Sein Verhalten war unvorhersehbar, die Leute wollten sehen, was er als nächstes tun würde.“

Doug erklärt Trumps Erfolg auch mit einer generellen Unzufriedenheit in der amerikanischen Bevölkerung. Nicht unbedingt Politikverdrossenheit, aber das Gefühl, von der Politik zurückgelassen worden zu sein, sei das Problem. Es mache einen großen Unterschied ob man einen Collegeabschluss habe oder nicht. Man könne sich das Land wie ein Spiegelei vorstellen: Der äußere Ring, also vor allem die Küstenregionen mit den großen Städte, in denen es viele Arbeitsplätze gebe, sei der Bereich, in dem die höher gebildeten Menschen leben. Diese Staaten würde also aller Voraussicht nach Hillary Clinton für sich gewinnen. Auch die Mehrheit der Frauen habe Clinton auf ihrer Seite. Nachdem eine frauenfeindliche Audio-Datei von Donald Trump auftauchte, habe er die weiblichen Wähler vergrault. 

 Wer wählt Trump?

Die Menschen, die die negativen Auswirkungen des Bildungsunterschieds spüren würden, hätten kaum Möglichkeiten, ihren Lebensstandard zu verbessern, meint Doug. Aus diesem Grund seien viele Menschen in den Staaten in der Mitte des Landes von Trump begeistert. „Weniger gebildete weiße Männer aus ländlichen Gegenden mit wenig Aufstiegschance bilden die Basis der Trump-Befürworter.“ Außerdem würden Faschisten und nationalistische Gruppen von Weißen, wie der Ku-Klux-Klan, Trump unterstützen, sagt Doug. 

Das größte Problem  dieser Wahl seien die vielen noch unentschlossenen Wähler. Trump sei nach den TV-Duellen, in denen er sich nicht sonderlich gut präsentiert habe, in den Augen vieler Wähler kein geeigneter Kandidat mehr. Jedoch auch Clinton sei für die meisten keine Alternative, erklärt der US-Amerikaner. 

Clinton nur die First Lady?

Sie werde häufig als Lügnerin dargestellt. Das komme seiner Meinung nach daher, dass sie als First Lady zu engagiert war. „In den von weißen Männern regierten USA, besonders zu Bill Clintons Zeit, wurde von den First Ladies meist erwartet, sich zurückzuhalten. Hillary Clinton brachte sich ein. Das kam bei vielen Menschen, besonders bei den Republikanern, nicht gut an“. Die republikanische Partei versuche laut Doug seit 1992, Clinton aus der Politik zu drängen. Es seien Lügen und Verschwörungstheorien über sie verbreitet worden.

You could open a phonebook now and call anybody and you would find somebody who is more qualified to be president than Donald Trump.

 Was macht die Wahl 2016 anders?

Doug meint, es sei eine Seltenheit, dass die US-Bürger die Partei wechseln würden. In den USA sei die Wahl eine Art Ritual: Wählt man einmal eine Partei, bleibt man ihr treu. In diesem Jahr aber sei alles anders. Beide Kandidaten seien unbeliebt – die Wähler würden nur entscheiden, wer das kleinere Übel ist. „Sogar George Bush Senior und George W. Bush werden wohl Hillary Clinton wählen. Die beiden sind so etwas wie die Helden der Republikaner, und nicht einmal sie werden den eigenen Nominierten wählen. Das ist unglaublich“, meint Doug.

Er wird die Wahl vor dem Fernseher verfolgen, so lange, bis der neue Präsident oder die Präsidentin verkündet wird. Zwar glaubt er nicht wirklich daran, dass Trump die Wahl gewinnt. Laut Vorhersagen liegt seine Chance mittlerweile bei nicht mal mehr 14%. Und falls Trump doch gewinnt? „Werde ich wohl mit der ganzen Familien nach Kanada ziehen“, sagt Doug.

Beitragsbild: www.flickr.com/gageskidmore
Artikelbild: Lena Meerkötter

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