Stau auf dem Bafög-Amt

Höhe der Aufwandserstattung reicht nicht aus

Auch die Arbeitsgemeinschaft der zwölf Studentenwerke in NRW fordert schon seit langem eine Anpassung der Aufwandserstattung vom Ministerium, um der steigenden Zahl der Studierenden und dem damit verbundenen Mehr-Aufwand überhaupt begegnen zu können. „Dem Ministerium wurden die Entwicklung der Antragszahlen und die erforderlichen Kosten in diesem Zusammenhang dargestellt. Die Arbeitsgemeinschaft vertritt die Position, dass bereits auf das Jahr 2012 die aktuelle Höhe der Aufwandserstattung nicht ausreicht“, sagt Peter Hölters, Geschäftsführer des Dortmunder Studentenwerks. Man rechne bei den zwölf Studentenwerken im laufenden Jahr mit einem Anstieg von 114 650 Bafög-Anträgen (2011) auf 127 000. Das Studentenwerk Dortmund hatte 2007 noch unter 8 000 Antragsteller. Im vergangenen Jahr musste es bereits fast 11 000 Bafög-Anträge bearbeiten. Auf den Doppelabiturjahrgang 2013 bezogen rechnet die Arbeitsgemeinschaft NRW mit einer Zunahme der Anträge um 20 Prozent auf über 134 000. Die Zahlen zeigen deutlich: Gehandelt werden muss jetzt, denn „eine längere Vorlaufzeit ist unumgänglich“, betont Hölters. „Wir rechnen bei der Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter in der Bafög-Beratung aufgrund der Komplexität des Themas mit bis zu sechs Monaten“.

Bafög-Berater, ein schwerer Job

Überstunden, Mehrarbeit und öffentliche Kritik. Keine angenehme Arbeitsatmosphäre für die Mitarbeiter der Bafög-Stelle in Dortmund: „Unsere Mitarbeiter waren insbesondere durch die aufgekommene, berechtigte Kritik und sehr belastende persönliche Erfahrungen zum Teil sehr betroffen“, sagt der Geschäftsführer des Studentenwerks. Aus Sicht der Geschäftsführung und der Verwaltungsrates des Dortmunder Studentenwerkes habe man aufgrund der angespannten Situation keine Alternative gesehen, als selbst zu handeln. Seit dem letzten Herbst wurden sechs neue Mitarbeiter für die Bafög-Beratung eingestellt. Darüber hinaus wird aktuell die Hauptverwaltung erweitert, um die beengte Raumsituation zu entspannen. „So können wesentlich mehr Beratungsgespräche durchgeführt werden“, sagt Hölters. „Die Entscheidung, Neueinstellungen vorzunehmen, wurde im Hinblick auf die vom Ministerium avisierte Erhöhung der Aufwandserstattung getroffen“, erklärt Hölters.

Durch diese Personalaufstockung konnten in Dortmund in den ersten neun Monaten dieses Jahres 1 941 Anträge mehr bewilligt werden, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Hölters sieht dies als „eine sehr positive Entwicklung“. Trotzdem müssten sich die Antragsteller in den Monaten Oktober und November auf längere Bearbeitungszeiten einstellen, da hier „innerhalb kurzer Zeit sehr viele Anträge eingereicht werden“. In Dortmund rechnet man mit etwa 100 bis 120 Anträgen pro Tag. Wartezeiten von mehreren Monaten, wie im vergangenen Jahr, erwarte man in Dortmund aber nicht mehr. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit eines Bafög-Antrags betrage sechs bis acht Wochen.

Peter Hölters, Geschäftsführer des Studentenwerks Dortmund, kritisiert die NRW-Hochschulpolitik. Foto: privat

Peter Hölters, Geschäftsführer des Studentenwerks Dortmund, kritisiert die NRW-Hochschulpolitik. Foto: privat

Wer ist verantwortlich?

Peter Hölters sieht die Ursachen für die gesamte Problematik in der Politik: „Die Neuwahl in NRW verzögerte die Budgetentscheidungen des Landes für 2012 und 2013 in allen für das Studentenwerk relevanten Entscheidungen“. Zudem sei die Haushaltslage angespannt und die Interessenlagen insgesamt müssten gewichtet werden. Aber auch der Wegfall der Studiengebühren und die Abschaffung der Wehrpflicht seien laut Hölters Gründe für die gestiegenen Studierendenzahlen und die damit einhergegangenen Problematiken. „Das war in dieser Dimension nicht ohne Weiteres schon für das Jahr 2011 zu erkennen“. Trotz allem hofft er, dass nun die Zeit reif sei für sachgemäße Entscheidungen im Bereich der Bafög-Aufwandserstattung und beantragter Zuwendungsunterstützungen.

Erstmal ohne Geld

Und was bedeutet das alles am Ende für die Studenten? Lara Schwenner hat Verständnis für die „gestressten und manchmal unfreundlichen“ Bafög-Beamten, von denen man sich „grundlos anpampen lassen muss“. Sie würde selbst nicht mit ihnen tauschen wollen: „Letztendlich können die Mitarbeiter ja auch nichts dazu. Das Amt ist wohl überlastet und personell der Situation nicht ganz gewachsen“, vermutet sie. Trotzdem muss Lara damit rechnen, dass sie unter Umständen im Oktober erst mal ohne Geld dasitzt. „Bis Ende September gilt der letzte Antrag. Solange bekomme ich noch Geld. Ab Oktober greift dann der neue Antrag, von dem ich bis jetzt noch nicht weiß, wie viel Geld es sein wird und wie lange ich noch auf die Antwort warten muss“. Unter Umständen bekommt die Studentin dann einen Monat lang kein Geld. Aber auch das sieht Lara gelassen, denn „wenn der Antrag erst einmal durch ist, bekommst du dein Geld wirklich pünktlich und das auch rückwirkend.“ Nur über die Politik ärgert sie sich: „Wenn man Stimmen hört wie ‚wir rüsten auf und machen uns überhaupt keine Sorgen über die Zukunft; auch für den Doppeljahrgang sind wir gewappnet‘, dann ist das scheinheilig! Wo es ja jetzt schon mehr schlecht als recht funktioniert!“ Insgesamt sei der Grundgedanke des Bafög zwar gut, aber es gäbe viele Feinheiten, an denen „noch ordentlich gefeilt werden müsse“, sagt Lara Schwenner treffend.

4 Comments

  • Armestudentin sagt:

    Ich habe noch 80€ für den Rest des Monats! Zum Glück kann ich mein Konto überziehen, aber was soll ich machen, wenn diese Grenze auch erreicht ist? Meinen Vermieter fragen, ob ich einen Monat oder länger umsonst dort wohnen darf und beim Supermarkt anschreiben lassen? Es wird Zeit sich zu empören!

  • Bekanntlich stinkt jeder Fisch vom Kopf her. Mein Vorschlag: jeder Antrag, der nicht in der dafür vorausgesetzten Zeit bearbeitet ist, gilt als genehmigt. Da würden so manche Wunder wahr!

  • IRONIE AN

    Landesweit zwanzig neue Mitarbeiter für die Studentenwerke reichen doch locker. Sind ja nur 70 Hochschulen in NRW …

    IRONIE AUS

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