Freibad Froschloch: Am Donnerstag wird gereinigt

Sommer, Sonne, Freibad. Die Bäder im Ruhrpott ziehen an den heißen Tagen tausende Besucher an. Am Donnerstag muss das Dortmunder Naturbad „Froschloch“ allerdings für einen ganzen Tag schließen. Eine Reinigung steht an. Pflichtlektuere.com hat nach den Gründen für so viel Schmutz gefragt.

Betriebsleiter Michael Dominik ärgert sich täglich über lange Bade-Shorts. Bilder: A. Gerstlauer

Betriebsleiter Michael Dominik ärgert sich täglich über lange Bade-Shorts. Fotos: A. Gerstlauer

„Das sind tragbare Mülleimer.“ Michael Dominik findet klare Worte für eines der größten Ärgernisse im Freibad. Lange Badeshorts liegen nicht erst seit diesem Sommer im Trend. Ein kurzer Blick über das Gelände des Froschlochs zeigt: Die gute alte Badehose hat ausgedient, der Anteil an Trägern steigt proportional zum Alter. Die Shorts reichen oft bis zu den Knien, und bieten damit eine Menge Stoff, an dem der Dreck dann mit ins Wasser gebracht wird. Selbst wenn sie frisch gewaschen sind. Wenn. Denn Michael Dominik beobachtet immer öfter Gäste, die sich gar nicht im Schwimmbad umziehen, sondern schon mit ihren Badeklamotten in den Bus steigen. Dazu kommt noch ein weiterer Trend: Die Unterhose unter den Badeshorts. „Da kann ich dann sogar vom Beckenrand aus die Marke erkennen“, sagt Dominik. In den Shorts der Taschen befinden sich dann oft noch Taschentücher oder Gegenstände.

Aber was bedeutet das für das Freibad? Ist das Wasser jetzt dreckig und ungesund?

„Nein“, sagt Domink. „Mit der Wasserhygiene haben wir keine Probleme. Beprobungen haben jede Woche ergeben, dass das Wasser nicht dreckig ist.“ Der installierte Filter des Naturbads schafft es, die Bakterien aus dem Wasser zu eliminieren und Schadstoffe dem Beckenkreislauf zu entnehmen. Das Freibad arbeitet dabei völlig ohne Chemie, da es als Naturbad kein Chlor zur Desinfektion enthält. Alle Vorgänge laufen mechanisch-biologisch ab.

Die Übeltäter sind Phosphate und Nitrate

Hinweisschilder sollen eigentlich für weniger Schmutz sorgen, werden aber selten beachtet.

Hinweisschilder sollen eigentlich für weniger Schmutz sorgen, werden aber selten beachtet.

Trotzdem muss das Bad am Donnerstag eine Reinigung vornehmen. Eigentlich ist das Gelände nur für 1700 Besucher ausgelegt, die Besucherzahlen zwischen 2000 und 5000 sorgen nun für einen erhöhten Eintrag an Phosphat und Nitrat. Diese Stoffe verursachen vor allem eine Algenbildung. Ein Gramm Phosphat führt zu zehn Kilogramm Fadenalgen. Die Folge ist auch ein erhöhter Biofilm auf der Schimmbecken-Folie. Aufgrund der hohen Besucherzahlen schafft das Personal es nicht mehr, das Problem vor oder während der Öffnungszeiten zu eliminieren. Bereits an geöffneten Tagen beginnen sechs bis sieben Leute ab sechs Uhr morgens mit der Reinigung. Am Donnerstag werden die Bademeister dann zusätzlich wieder mit Tauchausrüstung in die Becken steigen und mithilfe von Besen und Hochdruckreinigern die Stoffe aus dem Becken und den Überläufen entfernen.

Am Freitag wird außerdem ein Institut für Wasserbiologie Planktonproben aus dem Becken nehmen. Das Team möchte wissen, welche Art von Plankton sich tatsächlich im Bad befindet. „Man kann die Stoffe mit natürlichen Mitteln wie Salz bekämpfen. Es gibt aber auch Arten, die sich durch Salz exorbitant vermehren.“

Nicht nur die Badeshorts sind Schuld

Viel zu oft läuft die Dusche nicht und die Besucher nehmen den Schmutz mit ins Wasser.

Viel zu oft läuft die Dusche nicht und die Besucher nehmen den Schmutz mit ins Wasser.

Neben der knielangen Badebekleidung der Herren gefährden auch noch andere Übeltäter das Wasser. „90 % hält sich nicht an eine Sache, die ich als selbstverständlich kenne: Vorher zu duschen“, erzählt Dominik. „Das sind dann die gleichen Leute, die hinterher über angeblich dreckiges Wasser meckern.“ Bei Sonnencreme sollte darauf geachtet werden, dass sie wasserfest ist. Ein weiteres Problem, das Michael Dominik und sein Team am Donnerstag angehen, liegt außerhalb des Wassers: „Bei unserer Reinigung letzte Woche haben wir sieben Eimer Zigarettenkippen von der Wiese entfernt.“

Über mögliche weitere Reinigungstermine will Dominik noch nicht spekulieren. „Das ist auch abhängig von den Besucherzahlen und der Witterung. Wir haben uns auch ganz gezielt diesen Donnerstag ausgesucht, da schlechtes Wetter angekündigt ist.“ Außerdem hat das Team beobachtet, dass die Algen anfangen abzusterben, die Algenblüte könnte auch erstmal vorbei sein.

Kommt die Dusch-und Badehosenpflicht?

Patrick und Christian wollen nicht auf ihre Shorts verzichten.

Patrick und Christian wollen nicht auf ihre Shorts verzichten.

Im Froschloch wird bereits über Konsequenzen nachgedacht. Eine Duschpflicht und ein
Zigarettenverbot lassen sich nicht durchsetzen. Aber ein Verbot von Badeshorts könnte die logische Folge sein. „Das werden wir diese Saison allerdings nicht mehr einführen. Für nächstes Jahr ist das Verbot aber eine Option.“

Ob das auf so viel Freude bei den Besuchern stößt? Eine Blitzumfrage im Bad hat ergeben: Die Wenigsten würden wohl ihre geliebten Shorts gegen ein Höschen eintauschen. So auch Patrick (25) und Christian (27): „Wir fühlen uns mit der Shorts einfach wohler. Darauf könnten wir auf keinen Fall verzichten.“ Die beiden zeigen sich überrascht, dass die Reinigungsarbeiten tatsächlich auch etwas mit ihrer Badekleidung zutun haben könnten. Aber zumindest dem Unterhosen-Trend sind die beiden noch nicht gefolgt, und auch das Duschen und das Umziehen im Schwimmbad halten die beiden für selbstverständlich.

Dominik Michael zieht ein positives Fazit

Trotz der Reinigungsarbeiten zeigt sich Dominik Michael mit der Badesaison hochzufrieden. Am vorletzten Wochenende besuchten samstags und sonntags über 5000 Gäste das Naturbad. Ein Massenansturm, der die Begeisterung vom Bademeister aber etwas bremst: „Das hat ja nichts mehr mit Aufsicht zutun, wenn man nur noch Köpfe sieht.“ Und für die Gäste hat diese Auslastung dann auch nicht mehr viel mit Entspannung zutun: „Bei 5000 Besuchern hat hier jeder durchschnittlich drei Quadratmeter Platz.“ Bei den derzeitigen Temperaturen ist aber wohl jeder noch so kleine Fleck am Wasser akzeptabel.