Der Breitmaulfrosch: Hate gegen Veganer-Hate

BMF-Kira

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Heute gilt sein Ärger einer ganz speziellen Gruppe von Besserwissern: Vegan-Hassern.

Die Lasagne bitte mit Tofu und den Kaffee mit Sojamilch. Das klappt mittlerweile sogar in dem ein oder anderen Café. Vegan zu sein ist voll im Trend, könnte man behaupten. Noch viel schicker ist es aber, über Veganer zu lästern. Der Breitmaulfrosch isst auch gern Fleisch. Veganer-Hate findet er trotzdem eher uncool.

„Veganer essen meinem Essen das Essen weg!“ Hei, wie kreativ. Da sind die Lacher auf der nächsten Party schonmal garantiert. Es ist doch ein absurdes Phänomen: Da beschließen Menschen einfach so, dass sie keinen Bock auf Tiere essen haben und Massentierhaltung auch irgendwie ungeil finden. Da muss jetzt erstmal ordentlich draufgehauen werden. Warum eigentlich? Was gibt es da zu haten?

Hauptsache lauter als die eigenen Schuldgefühle

Kann es vielleicht sein, dass sich da bei dem ein oder anderen überzeugten Fleischfresser eine kleine, schuldbewusste Stimme meldet? Das Fleisch beim Discounter ist ja schon nicht das beste, wissen wir ja selbst. In der Regel lässt sich das aber wunderbar verdrängen. Nur sobald diese Veganer anfangen, sich bemerkbar zu machen, lässt sich einfach nicht mehr leugnen, dass man das eigene Essverhalten auch mal überdenken könnte. Unangenehme Gedanken, die am besten durch möglichst laute Veganerwitze übertönt werden.

Aber ehrlich jetzt. Diese Veganer. Die müssen aber auch jedem erzählen, dass sie keine Tierprodukte essen. Wie nervig. Vielleicht wäre das Thema ja schneller vom Tisch, wenn nicht jedes Mal das große Trara losgehen würde, sobald jemand um Fleischersatz bittet. Da kann sich auch mal jeder an die eigene Kalbshaxe fassen, der da fleißig mit diskutiert. Das Coming-Out als Veganer muss man ja fast schon planen. Ob mans wohl den Eltern sagen kann? Nee, könnte schwierig werden. Die sind doch so konservativ.

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Ein veganer Vorratsschrank. Foto: Kari Sullivan / flickr

Dogmatismus ist Mist. Veganer-Hate auch.

„Die wollen da jeden zu ihrer Lebensweise konvertieren“, wütet dann der Onkel beim nächsten Familientreffen. Oh nein. Das wäre ja schrecklich. Wenn jeder vegan wäre, dann gäbe es ja gar keine Massentierhaltung mehr. Der Wasser- und Getreideverbrauch durch die Tierhaltung würde sinken. Es würde mehr Grünflächen geben, die nicht als Weide- oder Stallplatz genutzt würden. Nicht auszudenken.

Zugegeben, guilt-tripping nach Art von PETA-Facebookvideos findet der Breitmaulfrosch auch doof. Und die Sorte Veganer, die selbst ihren Haustieren die fleischlose Ernährung aufzwingen wollen, sind seelisch-moralisch ohnehin verloren. Da ist dann das vegane Leben nicht das Problem, an den intellektuellen Kapazitäten hakt es.

Die einfache Lösung: Mandelmilch and Chill

Spannend ist ja auch, wie besorgt die Fleischfresser unter uns plötzlich um die Gesundheit ihrer anders gesinnten Artgenossen sind, sobald diese den veganen Lebenswandel öffentlich machen. „Menschen brauchen tierische Nährstoffe zum Überleben“, tönt es da aus den hinteren Reihen. Mit Vorliebe zwischen zwei Bissen Salami-Tiefkühlpizza.

Wissenschaftlich gesehen ist das zwar nicht völlig verkehrt, aber leider auch nicht ganz korrekt. Klaro, wer vegan lebt, sollte besonders auf seinen Vitaminhaushalt achten. Wer den Tag mit Netflix verbringt und sich sein Mittagessen vom Dönermann um die Ecke holt, für den gilt das gleiche. Tot umkippen wird von beidem keiner.

Die Empfehlung vom Breitmaulfrosch: Erst mal ne Mandelmilch kaufen, eine Runde chillen und sich dann gepflegt um den eigenen Mist kümmern.

Beitragsbild: Helena Brinkmann