Ein Bad Guy mit Beutel

Es ist Kommunist, erzählt gerne von den „alten Tagen“ im Vietnam und vertilgt am laufenden Band Schnapspralinen: Ein verwegenes Känguru ist der Held von mittlerweile drei Romanen. Begonnen hat die Saga mit den „Känguru-Chroniken“, die 2009 erschienen sind. Mittlerweile stehen die Bücher und Hörbücher von Marc-Uwe Kling allesamt in den Bestsellerlisten.

Der Schöpfer des Kängurus: Marc Uwe-Kling (Foto: ARGEkultur/flickr.com Lizenz: Creative Commons)

Der Schöpfer des Kängurus: Marc Uwe-Kling (Foto: ARGEkultur/flickr.com Lizenz: Creative Commons) (Teaser: Ullstein-Buchverlage)

Marc-Uwe Kling ist ein gewöhnlicher Kleinkünstler und Poetry Slammer. Eines Tages jedoch verändert sich sein Leben für immer: Er öffnet seine Wohnungstür und steht einem Känguru gegenüber. 

Schon nach kurzer Zeit quartiert sich der freche Australier bei ihm ein. „Den Raum da – brauchst du den oft?“ – mehr fragt er nicht, bevor er in Klings Wohnung einzieht. Von da an hat der Autor mit den Eigenheiten seines neuen Mitbewohners zu kämpfen. Schon am Frühstückstisch versucht das Beuteltier, das mit seinen Eltern einst als Gastarbeiter in die DDR kam, Kling von seinen marxistischen Ideen zu überzeugen. Immer wieder weckt der frühere Guerilla-Krieger ihn mitten in der Nacht, um seltsame Geschäftsideen zu präsentieren. „Meinst du, die Leute würden Wurstpralinen kaufen?“

Als Podcast beim Radiosender Fritz gestartet, entwickelten sich die aus der Ich-Perspektive geschriebenen Geschichten zu einem Verkaufsschlager. Besonders erfolgreich sind die Hörbuchfassungen, die Kling live eingelesen hat. Sie rangieren seit ihrem Erscheinen beinahe ununterbrochen in der Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste. Für die  „Känguru-Chroniken“ erhielt der Kreuzberger sogar den deutschen Hörbuch-Preis. 

Insbesondere unter Studenten sind Klings Geschichten mittlerweile Klassiker. Viele können die Storys mittlerweile ohne Probleme mitsprechen, so wie Katrin L (24). Sie studiert derzeit chemische Biologie an der TU Dortmund und möchte Lehrerin werden.

Katrin empfiehlt die Folge „Das Bier“ als Anspieltipp für jeden, der noch nie vom Beuteltier aus Berlin gehört hat. Diese Episode greift ein Thema aus dem Alltag auf: Religiöser Besuch an der Haustür. 

Einige Schulen haben die „Känguru-Chroniken“ schon längst als Pflichtlektüre in den Deutschunterricht aufgenommen. Schließlich behandeln sie ernsthafte Themen wie die Finanzkrise auf humorvolle Art. Da fliegt zum Beispiel die „Badbank“ als Superheld durch die Nacht und wartet auf ihr Rufzeichen: „Ein Minus. Eine 1. Und 16 Nullen.“

Aber ein Kommunist als Idol für Jugendliche? Das sieht Katrin eher skeptisch. „Ich denke, dass es bestimmt cool ist, in der Schule einzelne Geschichten zu lesen“, meint sie. „Man muss aber auch sehen, ob Kinder die Ironie dahinter verstehen. Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob das Känguru so ein ideales Vorbild ist. Deshalb sollte man es mit dem Einsatz in der Schule nicht übertreiben.“ Als echtes Unterrichtsmittel sieht Katrin die Känguru-Geschichten also nicht.

Sicher ist: Ein kleiner Bad Guy steckt auf jeden Fall im Känguru. Nicht nur, wenn es durch Berlin zieht und fremde Fahrräder festkettet. Auch bei Demonstrationen gegen den fiktiven Rechtspopulisten Jörn Dwigs sorgt es auf ungewöhnliche Art für Unruhe. Es benutzt einen wummernden Dieselgenerator, doch das ist nicht genug: An den stinkenden und lärmenden Luftverpester hat es ein Nebelhorn, eine Cappucinomaschine und einen Mixer mit Kieselsteinen geschweißt. Aber all das wird noch überdröhnt – von einem uralten Notebook mit verstopftem Lüfter, das versucht, einen Film von einer Video-CD abzuspielen.

Bis dato sind die Känguru-Bücher als Trilogie ausgelegt. Ob es doch noch eine Fortsetzung gibt, lässt Kling bisher offen. Das Känguru hat aber schon eine Idee dafür: „Es folgen noch drei wesentlich schlechtere Teile über meine Jugend“. Wir können nur hoffen, dass der Autor nicht den gleichen Fehler begeht wie George Lucas bei Star Wars. Manchmal ist es besser, eine Geschichte zu beenden, wenn sie am schönsten ist. 

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