StuPa und Studenten: (k)eine Interessengemeinschaft?

Das Studierendenparlament (StuPa) wird einmal im Jahr von Studenten gewählt und trifft für sie wichtige Entscheidungen. Jasper König ist einer der Mandatsträger und stellt sich bei der kommenden Wahl zum zweiten Mal auf – trotz der geringen Aufmerksamkeit und Wertschätzung der StuPa-Arbeit durch die Studenten. Ein Porträt.

„Die Informationspolitik der TU Dortmund wie auch die des StuPa ist ziemlich schlecht.“ Jasper König ärgert sich über die seiner Meinung nach viel zu späten Publikationen von Entscheidungen sowie über ihre fehlenden Begründungen an der TU. Er fährt sich mit seiner linken Hand durch sein langes, zu einem Pferdeschwanz gebundenes Haar. „Das ist aber auch gleichzeitig meine Motivation, die Kommunikationsbedingungen hier an der Uni und auch innerhalb des StuPa deutlich zu verbessern.“

Unabhängig als Einzelkandidat

König möchte Studenten bei StuPa-Entscheidungen besser einbinden. Foto: Alexander Koch

König möchte Studenten bei StuPa-Entscheidungen besser einbinden. Foto: Alexander Koch

Im Juni letzten Jahres stellte sich Jasper König das erste Mal als Einzelkandidat zur StuPa-Wahl auf, unabhängig von bestehenden Listen wie den Jusos oder den Grünen. Im Nachhinein wohl die richtige Entscheidung: „Auch wenn ich gute Erfahrungen mit den Listen gemacht habe, brauche ich meine Unabhängigkeit. Ich habe gerne mal eine andere Meinung.“ Dann muss er grinsen. Jasper König ist nicht besonders groß, trägt Vollbart und sitzt entspannt auf seinem Stuhl im StuPa-Versammlungsraum. Sonderpädagogik auf Lehramt studiert er und befindet sich aktuell im Master-Studium. „Meine Arbeit im StuPa klappt als Einzelner erstaunlich gut, auch wenn ich natürlich nicht die Stimmgewalt einer großen Liste habe. Hier ist eben Überzeugungsarbeit gefragt“, erklärt König.

Über seine Fachschaft kam er zum StuPa

Wie kam er denn zum StuPa? „Generell bin ich schon mal politisch interessiert“, führt der angehende Lehrer als ersten Grund an. Als „Fachschaftler“ der Rehabilitationswissenschaften habe er im Rahmen der Facharbeit an Fachschaftsräte-Konferenzen teilgenommen. „Diese Konferenzen arbeiten fachschaftsübergreifend und darüber kam ich dann auf die hochschulweite Ebene.“ Als König sich Anfang 2011 die Wahlbekanntmachung genauer angeschaut hat, war das die Initialzündung, sich selbst ebenfalls zur Wahl zu stellen. Auf Anhieb errang der 24-jährige zwei Sitze im StuPa. Kurios: Als einzelner listenloser Kandidat hat er zwar formell zwei Sitze. „Was ich natürlich gar nicht ausfüllen kann und darf“, sagt und grinst er, „als einzelne Person habe ich natürlich auch nur eine Stimme. Deshalb ist auch die Anzahl der Mandatsträger in dieser Legislaturperiode kleiner als sonst.“

Partizipation – Transparenz – Inklusion

Aus seiner Fachschaft und seinem Studium heraus ist Jasper König das Thema Inklusion besonders wichtig. Wie wichtig, merkt man ihm an: Er richtet sich in seinem Stuhl auf und zeigt in Richtung des Gebäude EF 50. Dort könnten die Rollstuhlfahrer problemlos fahren, aber es sei nach wie vor für Rollstuhlfahrer problematisch, sich überall barrierefrei zu bewegen. Generell sieht er noch viel Handlungsbedarf, um Studenten mit Behinderungen ein Studium ohne Einschränkung zu ermöglichen. „Für sehbehinderte Studenten ist in der letzten Zeit schon viel passiert, aber was ist mit den schwerhörigen Studenten?“, führt er als Beispiel an. Transparenz ist ein weiterer Schlüsselbegriff seinem Wahlkampf. „Ich möchte über den Dialog möglichst viele Studenten in die Entscheidungsfindung einbeziehen“, macht sich der listenlose Kandidat zum Ziel.

Schlechtes Image durch mangelnde Transparenz

Flyer in den Aufenthaltsräumen der Fachschaften: Wahlkampf des StuPa-Kandidaten Jasper König.

Flyer in den Aufenthaltsräumen der Fachschaften: Wahlkampf des StuPa-Kandidaten Jasper König.

König versucht das Image-Problem des StuPa zu erklären: „Das StuPa hat das große Problem, sich von den Fachschaften weg orientiert zu haben.“ Nach einem Jahr als aktives Mitglied des StuPa, weiß er woran es im StuPa selbst hapert: Mangelnde Transparenz und eine schlechte Informationspolitik führen seiner Meinung nach zur schlechten Wahlbeteiligung im letzten Jahr von 5,06 % und zum schlechten Ansehen des StuPa. „Den Studenten wird nicht vermittelt, was das StuPa leisten kann“, kritisiert der Master-Student. „Nehmen wir nur das Beispiel NRW-Ticket: Dass Studenten landesweit fahren dürfen, ist eine Initiative des StuPa und der AStA gewesen.“ Hinzu käme, dass die letzten drei Sitzungen der StuPa aufgrund der mangelnden Anwesenheit formell nicht beschlussfähig gewesen sind. König rechnet vor, „Es gibt 47 Mandatsträger. Wenn die Hälfte nicht kommt, ist die Sitzung beendet bevor sie wirklich begonnen hat.“

Der Ablauf einer StuPa-Versammlung

Sofern aber alle da Mandatsträger anwesend sind, findet einmal im Monat, dienstags um 18 Uhr in den Räumen der AStA die Versammlung statt. „Die meisten Entscheidungen werden ohne große Anpassung entschieden“, berichtet der 24-Jährige. Wenn eine Entscheidung mal doch nicht mehrheitsfähig sei, würde sie bis zur nächsten Sitzung entsprechend überarbeitet. Der zeitliche Aufwand für ihn? „Zwei bis drei Stunden in der Woche brauche ich schon, um beispielsweise Anträge und weitere Informationen zu lesen, und mich inhaltlich vorzubereiten“, antwortet König. Man müsse natürlich auch noch die Zeit für weitere Ausschüsse einplanen. „Aber insgesamt hält sich der Aufwand in Grenzen“, sagt König entspannt.

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