Heuschnupfen: Die wichtigsten Pollen-Facts

Niesen, schniefen, rote Augen: Pollen-Allergiker haben es gerade schwer.

Die Sonne scheint, ein bisschen Wind weht und überall geht das große Niesen los – auch bei Martin Diephoven. Ohne Taschentuch kommt der Lehramts-Student nicht über den Tag. Morgens geht’s schon los: „Ich stehe auf, die Nase ist zu und ich merke den Druck auf den Augen.“ Seit fünf Jahren reagiert er auf alles allergisch, was blüht und fliegt. „Zuerst waren es die Pollen von Birken und Pappeln, mittlerweile aber auch Roggen und Gräser“, sagt der Student aus Dortmund. Darunter leidet seine Konzentration. Er wird müde. An manchen Tagen macht ihn das richtig fertig. 

Wer ist betroffen?

Martin ist damit nicht allein. Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund weiß: Menschen, die auf bestimmte Allergene mit einer überschießenden Immunreaktion reagieren und dann Schnupfen, gerötete Augen und Abgeschlagenheit bekommen, gibt es schon lange. Aber immer mehr Menschen sind davon betroffen. Einmal ausgelöst, kommt die allergische Reaktion immer wieder in Gang, sobald die vermeintlichen Feinde in den Körper eindringen: „In den letzten Jahren steigt die Zahl der Erkrankten stetig an“, beobachtet die Biologin. Die Beschwerden und die Dauer würden dabei immer schlimmer. Eine Studie der Berliner Charité sagt: Jeder fünfte Erwachsene leidet an Heuschnupfen. Bis zum Teenageralter entwickelt jedes dritte Kind Heuschnupfen. Das größte Risiko, eine Allergie zu entwickeln, haben demnach Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Heuschnupfen ist aber nicht angeboren. Vielmehr werde die Neigung dazu weitergegeben, so die Biologin. „Ausbrechen kann eine Allergie aber eigentlich jederzeit.“ 

Warum gibt es immer mehr Pollen-Allergiker? 

Warum das so ist, können Forscher nicht eindeutig belegen. „Eine Ursache dafür, dass viele mittlerweile viel länger Symptome zeigen, ist die lange Blütezeit der Pflanzen, aufgrund der Temperaturveränderungen“, erklärt Anja Schwalfenberg. Stichwort Klimawandel. „Studien belegen, dass die Klimaerwärmung dafür sorgt, dass der Pollenflug um ein Vielfaches höher und länger ist“, sagt der Allergologe Manfred Prinz. Davon seien besonders viele Menschen in europäischen Großstädten betroffen. Eine andere Theorie geht in Richtung Umweltverschmutzung. „Rußpartikel können sich auf den Pollen festsetzen und das Immunsystem dadurch stärker herausfordern. Es kommt zu den bekannten Symptomen“, sagt der Facharzt.

Was kann man tun?

Am besten ist: Der Patient bekommt das passende Antiallergikum verschrieben, erklärt der Facharzt. Augenjucken und Naselaufen sollten dann erst einmal vorbei sein – zumindest für einige Stunden. Aber das ganze hat auch einen Nebeneffekt: „In den Mitteln ist zwar kein Schlafmittel enthalten, aber es richtig, dass die Wirkstoffe müde machen.“ Helfen kann auch schon, sich abends die Haare zu waschen und Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer liegenzulassen. „So kommen die Pollen gar nicht erst mit ins Bett“, empfiehlt Prinz.

Wer die Ursachen einer Allergie beseitigen will, muss mehr tun. „Hier hilft eigentlich nur die Desensibilisierungsspritze“, sagt der Allergologe. Drei Jahre, jeweils einmal pro Monat, von Januar bis Dezember bekommt man dann eine Spritze. Der Erfolg: vielversprechend. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man danach nie wieder mit einer Allergie zu tun hat, ist hoch“, beobachtet der Facharzt. Dem Immunsystem wird beigebracht, auf Pollen anders zu reagieren – nämlich nicht-allergisch. Außerdem beugt die Behandlung vor. Denn wer nichts gegen die Allergie tut, kann schnell ganz andere Probleme mit der Lunge bekommen.  „Viele Patienten bekommen dann Asthma, und das muss schnell behandelt werden“, sagt Patientenberaterin Anja Schwalfenberg. Wer Angst vor Spritzen hat, kann auf Tabletten zurückgreifen. Die müssen dann – anders als die Spritzen – täglich eingenommen werden. 

Gibt es dieses Jahr neue Medikamente, die helfen?

Es gibt eine ganze Menge Neuentwicklungen. Sowohl bei der Sensibilisierung, aber auch bei Mitteln, die ganz akut helfen. Wichtig sei aber, so Facharzt Manfred Prinz, dass die Medikamente zusammen wirken – also: „Medikamente einnehmen, die schnell die Symptome lindern, aber gleichzeitig Wirkstoffe enthalten, die langfristig helfen.“ Nur so könne man etwas erreichen. In Leipzig testen Forscher gerade eine spezielle Pille. Ob sie hilft, ist noch nicht wissenschaftlich bewiesen. 

Können Allergien wieder von alleine weggehen? 

„Das sollte man sich gleich abschminken“, sagt der Facharzt. „Es kommt immer wieder mal vor, aber verlassen sollte man sich nicht darauf.“ Bei Allergien auf Nahrungsmittel stehen die Chancen dagegen besser. „Wenn man sie längere Zeit meidet, besteht die Chance, dass die Allergie nachlässt oder sogar komplett verschwindet“, sagt Prinz.

Martin Diephoven glaubt nicht daran, dass seine Allergie einfach so verschwindet. Er hat sich deshalb dazu entschieden, die Beschwerden gezielt zu bekämpfen. Dieses Jahr will er mit einer Hyposensibilisierung beginnen. „Es gibt zwar Schöneres als so viele Spritzen zu bekommen. Aber es heißt ja, danach hat man keine Beschwerden mehr. Das hoffe ich jetzt einfach und versuche es.“

Pollen-Apps im Überblick

„Pollen“ (Android und iOS): verschiedene Daten, 3-Tages-Vorschau, Frühwarnsystem und Pollentagebuch – hier!

„Allergiehelfer“ (Android und iOS): Gut zu bedienen, Allergene und Luftdaten werden angezeigt, ausführlicher Ratgeber – hier!

„Pollenalarm“ (Windows): Pollenprofil, Liste individueller Belastungswerte für verschiedene Standorte, kein Allergieratgeber – hier!

Beitragsbild: Jakob/Flickr

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