Mit Joggingschuhen an den Schießstand

Biathlon mitten im Ruhrgebiet – funktioniert das? In Dortmund-Aplerbeck ist der Sport seit gut zehn Jahren Tradition. Schnee und Skier brauchen die Teilnehmer dafür nicht. Im Gegenteil: Beim Bürgerschützenverein Aplerbeck wird Sommerbiathlon gemacht – ganz ohne Rollskier. Dafür aber mit Joggingschuhen und Luftgewehr.

Die große Stärke von Richard Langenbahn ist das Laufen.

Die große Stärke von Richard Langenbahn ist das Laufen.

Joggende Sportler und Schüsse prägen an diesem Samstag-Vormittag das Bild auf der Anlage des BSV Aplerbeck. Es ist Zeit für Sommerbiathlon und das an einem eher grauen Frühlingstag. 120 Sportler aus ganz Deutschland und auch internationale Starter sind zum Sommerbiathlon-Westfalen-Championat auf die Anlage gekommen. Vom Schießstand, wenige Meter neben dem Festzelt, sind immer wieder Schüsse zu hören. Die Wettkämpfe haben zwar noch nicht angefangen, aber die Sportler sind schon seit einiger Zeit beim obligatorischen Anschießen. Das Teilnehmer-Feld umfasst alle Altersklassen von Schülern im Grundschulalter bis zu über 80-jährigen Senioren.

Einer der Starter ist der 56-jährige Richard Langenbahn aus dem Saarland, der zum ersten Mal in seiner nun schon zehnjährigen Sommerbiathlon-Karriere beim Wettkampf in Aplerbeck teilnimmt. Der frühere Berufssoldat ist seit drei Jahren im Ruhestand. Langenbahn trainiert fünf bis zehnmal in der Woche und nimmt von April bis September an bis zu 30 Wettkämpfen in ganz Deutschland teil. Mit ihm läuft ein hochdekorierter Athlet beim Wettkampf mit, der schon achtmal Saarlandmeister gewesen ist. Früher ist dieser Saarländer Marathons und Ultramarathons gelaufen, das heißt Strecken von bis zu 100 Kilometern am Stück. „Die Kombination aus Laufen und Schießen macht die Sache noch wesentlich spannender, weil man so nie weiß, wie das Rennen ausgeht“, sagt Langenbahn, wenn er über seine Liebe zum Sommerbiathlon redet.

Triefende Schießmatten stören nicht

An diesem Vormittag kann Langenbahn auch das schlechte Wetter die super Laune nicht vermiesen. Das Anschießen lief gut für den 56-Jährigen. Die meisten der zehn Meter entfernten Scheiben hat er getroffen. Das stimmt optimistisch für den Wettkampf und lässt ihn mit den anderen Sportlern scherzen: Auch andere Athleten empfinden die triefend nassen Schießmatten eher als „eine super Abkühlung“ nach den gerannten Laufrunden.

Mit hoher Konzentration liegen die Sportler am Schießstand.

Mit hoher Konzentration liegen die Sportler am Schießstand.

Die Laufrunden führen mitten durch den Aplerbecker Forst, der gleich hinter dem Schießstand beginnt. Zuschauer und Kampfrichter haben auf der übersichtlichen Anlage des Vereins einen guten Blick auf das Geschehen. An der Strecke stehen Trainer und Angehörige und feuern die Läufer lautstark an. Für Vereinspressewart Wilfried Koch ist Sommerbiathlon mehr als ein Spaßwettkampf: „Wir freuen uns sehr darüber, wenn sich unsere Sportler für Meisterschaften qualifizieren.“ Da muss auch mal auf das ein oder andere Bier verzichtet werden.

Am Schießstand stehen auf einem Ständer massenweise Gewehre. Die Läufer haben die Luftgewehre nicht auf den Schultern während sie ihre Laufrunden absolvieren, sondern nehmen die Waffen nur in die Hand, wenn sie an den Schießstand kommen.

Mit drei Fehlern ganz vorne

Für Richard Langenbahn läuft das Rennen ziemlich gut. Er startet in der Klasse der Senioren und gehört dort zu den Laufstärksten. In schnellem Joggingschritt verschwindet er im Wald und kommt in der Führungsgruppe an den Stand. Insgesamt schießt er in seinem Rennen drei Fehler, was genau wie beim traditionellen Biathlon drei Strafrunden bedeutet. Direkt neben der Schießanlage werden die rund 70 Meter langen Strafrunden gelaufen. Verschwitzt kommt Langenbahn schließlich ins Ziel. Erleichtert und freudestrahlend reckt er kurz danach die Arme in den grauen Dortmunder Himmel – er hat das Rennen gewonnen.

Richard Langebahn  nimmt bei einem Wettkampf die Ziele ins Visier.

Richard Langenbahn zielt bei einem Wettkampf im anspruchsvollen Stehendschießen.

Der Saarländer wird in dieser Sommerbiathlon-Saison wieder quer durch Deutschland unterwegs sein. Einen Tag später folgt bereits das nächste Rennen in St. Leon in Rheinland-Pfalz. In diesem Jahr will der ehrgeizige Hobbysportler dreißig Rennen bestreiten. Nach seinem Sieg stärkt er sich mit seinen Mitstreitern im Schützenzelt. Es wird viel gelacht und bei Pfannengyros über die Rennen geredet. Nächstes Jahr will er wieder nach Aplerbeck kommen, auch wenn er die gelaufenen Kilometer durch den hügeligen Wald in seinen Beinen merkt. „Wer einmal mit diesem Sport angefangen, der kommt auch nur schwer wieder los“, sagt er mit begeisterte Stimme. Am Nachmittag geht es dann schon weiter zum nächsten Wettkampf. Seine Ehefrau begleitet Langenbahn fast immer – auch sie hat er inzwischen zu einer begeisterten Sommerbiathletin gemacht, die seit zwei Jahren an Wettkämpfen teilnimmt.

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