Four Lions im Kino: Dschihad für Anfänger

logo_kino-tippVier Terroristen, kein Plan, aber eine gemeinsame Mission: Der Dschihad. Wie genau dieser aussehen soll, wissen die vier Löwen nicht. Aber sie sind fest entschlossen, sich für Allah zu opfern. Four Lions provoziert von der ersten Sekunde an – so sehr, dass die CSU den Film verbieten wollte.

Omar lebt in England, ist Sicherheitsbeamter und nach Außen hin bestens integriert. Seine Frau trägt kein Kopftuch, Omar dafür Jeans und Sweatshirt. Sein Sohn sitzt nach der Schule brav in der Küche und macht Hausaufgaben – alles ist ziemlich durchschnittlich und geradezu bürgerlich. Aber Omar hat ein Ziel: Er will den Heiligen Krieg und das um jeden Preis. Eine Terrorzelle hat er schon gegründet und ist dort der Anführer von Barry, Faisal und Waj.

Der Möchtegern-Terrorist Faisal trainiert in "Four Lions" Märtyrer-Krähen. Foto: Capelight Pictures

Der Möchtegern-Terrorist Faisal trainiert in "Four Lions" Märtyrer-Krähen. Foto: Capelight Pictures

Barry ist zwar so englisch wie Baked Beans, doch er trägt bevorzugt Gebetskleidung und provoziert gerne auf Islamkonferenzen durch radikale Parolen. Ob Konvertit oder nicht, er nimmt den Dschihad sehr ernst. Seine eigene Version von Rache: Er würde am liebsten eine Moschee in die Luft jagen, dann würden Moslems nämlich denken, sie seien nicht willkommen und sich konsequenterweise radikal gegen den Westen wehren.

Zwischen Allah und Boygroups

Auch Waj und Faisal stellen sich immer ein bisschen ungeschickt an, fühlen sich aber dennoch dazu berufen, für Allah zu sterben. Zwar wissen die Nichtsnutze nicht, wie sie Rache üben wollen, aber das wird ihnen schon noch einfallen. Solange laufen sie fast täglich zum nächsten Drogeriemarkt, um Wasserstoffperoxid für den bevorstehenden Bombenbau zu kaufen oder bilden Krähen zu knallharten Selbstmordattentätern aus. Mit Sprengstoff um den Hals wird eine harmlose Krähe darauf getrimmt „einen Sexshop, eine US-Botschaft oder sonst irgendwas Schmutziges“ anzufliegen.

Und weil es allmählich höchste Zeit für den Dschihad wird, soll es in einem Traningscamp Nachhilfe in Sachen Terror geben. Doch der Aufenthalt in Pakistan ist eher ein Kurztrip: Omar und Waj sprengen ihr eigenes Lager in die Luft und werden zurück nach England geschickt. Dort wartet ein neues Mitglied der Terror-Organisation auf seinen ersten Einsatz. Hassan ist ein gescheiterter Rapper und tagsüber normaler Student. Seine Reime sitzen zwar nicht ganz so gut und heimlich tanzt der Hip Hopper zu „Dancing in the Moonlight“, aber er will ein richtiger Mudschahedin – ein Widerstandskämpfer – werden.

Kuriose Idee in der Terrorismus-Satire: Tierkostüme sollen den mutmaßlichen Attentätern beim Dschihad helfen. Foto: Capelight Pictures

Kuriose Idee in der Terrorismus-Satire: Tierkostüme sollen den mutmaßlichen Attentätern beim Dschihad helfen. Foto: Capelight Pictures

Als der tolpatschige Faisal mit Sprengstoff beladen über ein Schaf stolpert und sich selbst in die Luft jagt, droht die Terrorzelle auseinander zu fallen. Omar zieht sich zurück – aber nur, um Anlauf zu nehmen. Denn nun hat er endlich den Plan: Die vier Löwen sollen beim London-Marathon mitlaufen und sich dort in die Luft sprengen. Und da jede Menge Sprengstoff möglichst unauffällig am Körper befestigt werden soll, müssen dringend Kostüme her. Dass auch beim Anschlag nicht alles reibungslos abläuft, lässt sich für den Zuschauer schon erahnen.

100 Minuten Schwarzer Humor

Four Lions ist nichts für sensible Gemüter, denn der Film provoziert durch und durch. Er spielt mit Klischees, überwirft diese aber auch gleichzeitig: Omar ist nach außen hin liberal, heimlich aber der Anführer einer Terror-Organisation. Sein Cousin dagegen studiert den Koran, zieht sich traditionell an und betritt keinen Raum, in dem eine Frau ist. Die Polizei durchsucht die Gebetsstätte von Omars Cousin genau an dem Abend, an dem Omar und seine Freunde ihr Attentat vorbereiten. Das mag im ersten Moment sehr konstruiert und gewollt klingen, aber es bewegt dennoch. Was wäre, wenn es wirklich so einfach liefe?

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Eine Satire über Terrorismus zu machen, ist nicht einfach – vor allem aber gefährlich. Deshalb hat sich wohl bisher auch niemand getraut. Regisseur Chris Morris recherchierte drei Jahre lang für den Film und ist sich der Banalität der Figuren bewusst. „Es gibt Konflikte, Freundschaft, Missverständnisse und Rivalitäten. Bei Terrorismus geht es um Ideologie. Aber es geht auch um richtige Arschgeigen“, sagt er. Doch, wann geht Humor zu weit? Kann man sich über trottelige Möchtegern-Terroristen lustig machen, ohne den Islam als Solches zu beleidigen? Four Lions grenzt ganz klar ab zwischen Moslems und solchen, die sich nur dann als richtiger Moslem sehen, wenn sie mit Sprengstoff beladen in den Tod gehen. An keiner Stelle wird der Glaube als solches durch den Kakao gezogen und das ist wichtig.

Umstrittene Satire

Eine von Wajs brillanten Ideen: Einfach das ganze Internet in die Luft sprengen. Foto: Capelight Pictures

Eine von Wajs brillanten Ideen: Einfach das ganze Internet in die Luft sprengen. Foto: Capelight Pictures

Am Ende bleibt Four Lions eine Satire: zugespitzt, übertrieben, aber vor allem lustig. Der Humor ist rabenschwarz, an manchen Stellen durchaus platt und doch ist auch gerade das vielleicht nötig, um eine Islamisten-Satire von allem Ernst zu entheben, den man ihr zusprechen könnte.

In Deutschland wollte die CSU den Film verbieten, weil der Stoff angesichts der Terror-Gefahr eine Eskalation hervorrufen könnte. Dieser Vorschlag traf bei Kino-Fans auf wenig Gegenliebe. Und tatsächlich ist der Film bissig und das nicht zu knapp. Vielleicht fand sich deswegen lange Zeit kein Verleih, der den Film vertreiben wollte. Zu brenzlig, zu riskant könnte eine Satire über Islamismus sein.

Wer Four Lions sehen möchte, sollte sich zuvor fragen, ob er bereit ist, über Terrorismus zu lachen. Möglich ist es jedenfalls, wenn er so großartig karikiert wird wie bei Four Lions. Banal ist Terrorismus dennoch nicht.

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