Kinotipp: The Best Offer

Ein veralteter Menschenhasser trifft auf eine junge Agoraphobikerin (die Angst vor weiten Räumen hat). Langsam entsteht eine merkwürdig, komplizierte Liebesbeziehung, die den beiden Kranken eine neue Welt eröffnet. Doch was wird das Schicksal für das Liebespaar bereithalten?

Alleine feiert der Kunstexperte Virgil Oldman sein Geburtstag. Teaser & Fotos: Warner Bros.

Den Geburstag alleine feiern? Für den Kunstexperten Virgil Oldman ist es nichts ungewöhnliches. Teaser & Fotos: Warner Bros.

Virgil Oldman genießt als Kunstexperte und Auktionator in Italien ein hohes Ansehen. Mit nur einem Blick kann er erkennen, ob das Kunstobjekt eine Fälschung oder ein Original ist. Er steht im Zenit seiner Zeit und ist ein neurotischer Einzelgänger. Vor allem hasst er Menschen – insbesondere Frauen.

Doch dieses soll sich mit dem Auftrag von Claire Ibetson ändern. Sie wendet sich an Virgil, damit er die Objekte ihrer verstorbenen Eltern veräußern kann. Was Virgil nicht weiß, die junge Frau leidet unter der Angst vor weiten Räumen und der Nähe von Menschen. Dennoch wird sich sein Leben durch diese Begegnung für immer verändern.

Verworrene Beziehungen

Die Charaktere des Filmes sind sehr gut durchdacht, gerade die Beziehungen der einzelnen Charaktere zu Oldman. So ist Virgil Oldman nicht nur ein einfacher Kunstexperte, sondern ein gerissenes Schlitzohr. Denn zusammen mit seinem „Freund“ Billy hat er unendlich viele Porträt-Unikate von Frauen zu einem Spottpreis ergaunert, die nun in einem geheimen Raum in seiner Wohnung die Wand verschönern.

Aber er braucht nicht nur die Hilfe von Billy, sondern auch die fähigen Hände eines Mechanikers. In Robert hat Virgil den perfekten Mechaniker gefunden, der nicht nur seine wertvollen Kunstobjekte repariert, sondern sein verkorkstes Wesen. Denn er ist ein Experte in Sachen Liebe. Trotzdem verspürt Virgil, dass hinter dem souveränen „Don Juan“ Robert was anderes steckt. Nämlich jemand, der ihm seine neue Liebe Claire wegnehmen könnte.

Hinter geschlossen Türen lebt die junge Claire.

Hinter geschlossen Türen lebt die junge Claire.

Zwischen Virgil und Claire entwickelt sich eine eher morbide Liebesbeziehung. Er leidet unter der Nähe von Menschen – vor allem von Frauen. Sie hingegen lebt seit nunmehr als zwölf Jahren abgeschottet von der Außenwelt im Haus ihrer Eltern. Und irgendwie schaffen es beide trotzdem ihre Abneigungen zu überwinden, um zusammen zu leben.

Wandlungsfähig

Virgil durchläuft eine stetige Wandlung im Film. Anfangs ist er der alte, eiskalte, verbitterte Einzelgänger, der sich quasi zum verliebten, jungen Narren bis hin zum nicht mehr lebensfähigen Greis verwandelt. Was vor allem durch Geoffrey Rushs vorzügliches Schauspiel unterstrichen wird.

Verstaubt wie die Kunstwerke, die Virgil begutachtet, verhält sich auch die Stimmung des Films. Verstärkt wird es vor allem durch die wenigen Handlungsorte, die entweder bei Nacht oder an einem jeher tristen Tag gezeigt werden. Dadurch entstehen viele redundante Szenen, die den Film mit seinen rund zwei Stunden unnötig in die Länge ziehen.

„In jeder Fälschung verbirgt sich auch etwas Echtes“

Zwar ist die Handlung gut durchdacht, aber an sich nichts gänzlich Neues. Es erinnert ein klein wenig an den Roman „Der letzte Weynfeldt“ von Martin Suter, in dem es um einen reichen Erben geht, der auch jede Fälschung vom Original unterscheiden kann.

Auch die Liebesbeziehung ist alles andere als normal. Angezogen von den Neurosen des Anderen, eröffnet sich für Claire und Virgil eine andere Welt. Und dennoch wirkt die Beziehung wie aus Frischs „Homo Faber“ entlaufen – eine junge Frau, die nicht nur seine Tochter, sondern seine Enkelin sein könnte – lässt sicher bei dem einen oder anderen Zuschauer die Nackenhaare zu Bergesteigen.

Ob Drama, Romantik oder Thriller: „The Best Offer“ hat sicher von allem etwas und dennoch fehlt ihm das gewisse Etwas. Der Handlungstwist hätte die Rettung sein können, doch wird dieser am Ende zu schnell abgehandelt und lässt einige Fragen, die man sich stellt, unbeantwortet. Kinostart ist am 21.03.2013

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