„Hotel Mama“, WG oder alleine –
Was für ein Wohn-Typ bist du?

Beitragsbild: Kunstee bei Flickr, lizenziert nach Creative Commons 2.0 Generic.

Schule vorbei, Abi in der Tasche, alles bereit für einen neuen Lebensabschnitt. Eine der größten Veränderungen ist häufig der Umzug. Doch die Auswahl der Wohnformen ist groß: Direkt alleine wohnen, lieber erstmal in eine WG – oder doch bei den Eltern bleiben? Die steigenden Mietpreise in Groß- und Studentenstädten spielen bei der Entscheidung eine wichtige Rolle und zwingen viele Studierenden dazu, sich zwischen ihrer gewünschten und der günstigsten Wohnform zu entscheiden.

Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit nach aktuellen Schätzzahlen etwa 755.000 Studierende. Rund 100.000 von ihnen fangen jährlich zum Wintersemester an – und machen sich etwa zeitgleich auf die Suche nach einer neuen Wohnung. Oft entscheiden der Geldbeutel und die Entfernung zur Uni darüber, welche Wohnung es am Ende wird. Wer auszieht, entscheidet sich häufiger für eine WG als für eine Ein- oder Zweizimmerwohnung. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung im Auftrag des Deutschen Studentenwerks für das Jahr 2013. Fast jeder fünfte Studierende zieht demnach gar nicht aus, sondern wohnt noch zu Hause bei den Eltern. Einen Platz in den Wohnheimen der Studierendenwerke finden der Umfrage zufolge die wenigsten. „Jeder sollte die Wohnform wählen, mit der er oder sie gut leben kann“, empfiehlt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Ein durchaus sinnvoller Ratschlag – der aber nicht immer einfach umzusetzen ist.

„Hotel Mama“: Günstig, aber nicht wirklich unabhängig

Auf ganz Deutschland bezogen leben auch während des Studiums noch fast 17 Prozent aller Studierenden im sogenannten „Hotel Mama“. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es gibt eine Waschmaschine (die von der Mutter sogar häufig befüllt und entleert wird), der Kühlschrank ist immer voll und die Studierenden müssen keinen Cent für Strom, Wasser und Gas bezahlen. „Es besteht also eine gute Grundversorgung“, fasst Stefan Grob zusammen. Während des Studiums bei den Eltern zu wohnen, sei definitiv die preisgünstigste Option.

Allerdings bei weitem nicht die beliebteste, auch wenn das die Zahlen zunächst suggerieren: Eine Erhebung aus dem Jahr 2012 für NRW zeigt, dass nur etwa sechs Prozent der Studierenden auch zu Hause wohnen wollen. Viele würden demnach gerne ausziehen, haben aber nicht genug Geld für eine eigene Wohnung. In vielen Fällen ist die Wohnsituation in Studentenstädten auch so angespannt, dass sie gar keinen Platz finden. Das hat letztendlich Einfluss auf ihre Entwicklung, so Grob. Zu Hause zu wohnen verhindere einen „gesunden Abnabelungsprozess“. Die Studierenden seien oft zu lange von den Eltern abhängig und dadurch weniger selbstständig. Außerdem verpasse man so die Chance, neue Menschen kennenzulernen. „Raus aus Hotel Mama“, empfiehlt Grob daher.

Bundesweit fehlen 25.000 Wohnheimplätze

Mehr als 80 Prozent der Studierenden in Deutschland tun das: Sie ziehen von zu Hause aus. Die günstigste Option ist meistens ein Platz im Wohnheim: 234 Euro bezahlen Studierende im Schnitt bei den Studierendenwerken für Miete und Nebenkosten. Tür an Tür mit zunächst wildfremden Menschen, dünne Wände und kaum Privatsphäre – das ist jedoch nicht für jeden die perfekte Wahl. Wer aber kommunikativ und offen ist, findet hier eine passende Umgebung und kommt dabei noch günstig weg. Ein weiterer Vorteil: Zur Uni ist es meist nicht weit. Und wer keine Lust auf eine WG hat, der bekommt in einem Wohnheim mit etwas Glück auch ein Einzel-Apartment. „Immer mehr Studierende wollen ein Zimmer für sich allein haben“, weiß Grob.

Das große Problem an den Wohnheimen: Es gibt einfach zu wenige von ihnen. Seit 2008 hat sich die Zahl der Studierenden in Deutschland um 42 Prozent erhöht. Die Zahl der Plätze in Studentenwohnheimen ist im gleichen Zeitraum aber nur um fünf Prozent gestiegen. Bundesweit müssten daher mindestens 25.000 Plätze mehr geschaffen werden, so Grob: „In vielen Bundesländern gab es lange keinen sozialen Wohnungsbau. Das rächt sich jetzt.“ Für de fehlenden Plätze müssten 1,6 Milliarden Euro investiert werden, heißt es vom Deutschen Studentenwerk – und die Hälfte davon müsse aus staatlichen Zuschüssen kommen.

Auch im Ruhrgebiet werden Wohnheimplätze knapp, auch wenn die Lage auf dem Wohnungsmarkt ansonsten recht entspannt ist. Das Studierendenwerk der Universität Duisburg-Essen beispielsweise hat im vergangenen Semester alle 2.500 Plätze vergeben. Einige Studierende hätten sogar nur einen Platz auf der Warteliste bekommen.

Wohngemeinschaft – eine „Übung in Sachen Demokratie“

Die beliebteste Wohnform unter Studieren ist und bleibt aber die WG: 29 Prozent der Studierenden wohnt mit anderen zusammen. Was sich anfangs so frei und unabhängig anfühlt, ist aber immer mit Kompromissen verbunden. Einkaufen, Müll wegbringen, Spülen, Putzen – die WG-Bewohner müssen alles miteinander absprechen und organisieren. „Es ist ein dauernder Aushandlungsprozess“, beschreibt es Stefan Grob, „eine WG ist daher eine elementare Übung in Sachen Demokratie.“

Dazu gehört auch, dass das Zusammenleben manchmal einfach nicht funktioniert. Dann wird das WG-Leben schnell zur täglichen Belastung. Zwar spricht aus finanzieller Sicht vieles für eine WG – ob die einzelnen Mitbewohner aber wirklich zusammenpassen, ist jedes Mal aufs Neue eine wichtige Abwägung.

Harmonischer als eine WG ist daher (zumindest in der Regel) das Zusammenleben mit dem Partner. 23 Prozent der Studierenden teilt sich die Wohnung mit ihrem oder seinem Liebsten. Ein kleines Risiko ist gerade bei sehr jungen Beziehungen aber auch immer dabei: Geht eine Beziehung zu Bruch, hat auch die gemeinsame WG keine Zukunft.

Wenn der Geldbeutel über die Wohnung bestimmt

Komplett selbstbestimmt leben und auf niemanden Rücksicht nehmen: Das „Gegenteil“ der WG ist die Einzelwohnung. 18 Prozent aller Studierenden in Deutschland wählen diese Wohnform. Allerdings ist sie auch die teuerste aller Optionen. Miete, Nebenkosten, Einkäufe, Internet – all das müssen Studierende, die alleine wohnen, auch alleine zahlen. Wer seine Ruhe und seinen Freiraum braucht, ist hier trotzdem am Besten aufgehoben.

Bei der Suche nach einer Ein- oder Zweizimmerwohnung macht sich in deutschen Großstädten die angespannte Wohnsituation bemerkbar. Es fehlt nicht nur an Wohnheimen, sondern auch allgemein an bezahlbarem Wohnraum. Studierende stehen bei der Wohnungssuche häufig in Konkurrenz zu Geringverdienern, Geschäftsleuten mit Zweitwohnsitz oder etwa Künstlern, weiß Stefan Grob, also Menschen, die ebenfalls preisgünstig wohnen wollen oder müssen.

Im Ruhrgebiet haben Studierende im Vergleich zu Kommilitonen aus München, Hamburg oder Berlin aber Glück: Eine Auswertung der NRW.Bank, der Förderbank für Nordrhein-Westfalen, zeigt, dass die Kaltmiete für eine 30-Quadratmeter-Wohnung in Dortmund, Bochum, Essen und Mülheim im Schnitt zwischen 165 und 180 Euro im Monat liegt, in Duisburg sogar zwischen 150 und 165 Euro. Das sind selbst im Vergleich zu den Rhein-Städten Düsseldorf und Köln moderate Preise: Dort zahlen Mieter der Auswertung zufolge im Schnitt mehr als 210 Euro für die gleiche Quadratmeteranzahl.

„Wir müssen verhindern, dass die Wahl des Studienfaches und -ortes vom Geldbeutel abhängen“, fordert Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. Jeder solle so wohnen, wie es ihm oder ihr am besten passe. „Wenn man nicht so wohnen kann, wie man will, kann das zu Stress führen“, sagt er. Und das wiederum könne sich dann auf die Leistung im Studium auswirken. Studierende sollten sich also genau überlegen, wie und wo sie leben möchten. Oder wie Grob sagt: „Man muss in sich gehen, um herauszufinden, was für sich selbst am besten ist.“

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