StuPa-Wahl in Bochum: Grüne sind stärkste Kraft

Die Studenten der Ruhr-Uni Bochum haben gewählt: Stärkste Kraft im neuen Studierendenparlament (StuPa) ist die Grüne Hochschulgruppe – trotzdem winkt ein weiteres Jahr in der Opposition. Größter Gewinner der Wahl ist die Juso-Hochschulgruppe, die ihre absoluten Wählerstimmen fast verdoppeln konnte. Auch mit zwei Sitzen dabei: die Liste B.I.E.R. – und mit ihr die Vision einer eigenen Campus-Brauerei.

Bis in die Nacht wurden die Stimmen ausgezählt. Etwa zwölf Prozent der Studenten hatten ihre Stimme abgegeben. Foto: Lisa Weitemeier

Bis in die Nacht zum Samstag wurden die Wahlzettel ausgezählt. Etwa zwölf Prozent der Studenten hatten ihre Stimme abgegeben. Foto: Lisa Weitemeier / Teaserbild: Mediathek

„Wir sind erst einmal sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Jan Keitsch von der Grünen Hochschulgruppe (GHG). Mit neun Sitzen im neuen Studierendenparlament konnte die GHG ihr gutes Wahlergebnis aus dem Vorjahr bestätigen – damals waren die Grünen aber noch gemeinsam mit der Internationalen Liste angetreten, die sich nach der letzten Wahl abgespalten hatte.

Von den neun Sitzen blieben den Grünen nur drei. „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Jahr auch ohne die Internationale Liste unser Ergebnis ausbauen konnten“, sagt Keitsch. Doch obwohl die Grüne Hochschulgruppe mit mehr als 25 Prozent der Wählerstimmen stärkste Kraft im neuen StuPa ist, reicht es nicht für einen Platz in der Koalition, die den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) stellt.

Der Grund: Die bestehende Koalition aus Internationaler Liste, Juso-Hochschulgruppe, der Liste der Naturwissenschaftler und Ingenieure (NAWI) und der Liste der Geistes-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften (GEWI) konnte ihre Mehrheit ausbauen und stellt nun 19 von insgesamt 35 Sitzen.

Schlammschlacht nach der letzten Wahl

Warten auf die Wahlergebnisse - mit Bier, Knoblauchbrot und Transparenten. Foto: Lisa Weitemeier

Warten auf die Wahlergebnisse - mit Bier, Knoblauchbrot und Transparenten. Foto: Lisa Weitemeier

Während die Jusos ihre absoluten Wählerstimmen fast verdoppeln konnten und mit sieben Sitzen (+3) zu den klaren Gewinnern der StuPa-Wahl gehören, hat die Internationale Liste die Hälfte ihrer Sitze im Parlament verloren.

Sie war dieses Jahr zum ersten Mal als eigenständige Liste angetreten: „Wir hoffen natürlich, dass wir unser Ergebnis halten können – aber wir müssen wohl dieses Jahr Sitze einbüßen. Vier wären schon gut“, hatte Patul Orfali vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse gesagt. Drei Sitze sind es nun geworden (-3). Nach der StuPa-Wahl im letzten Jahr hatte die Abspaltung von der Grünen Hochschulgruppe für Furore gesorgt, mitunter wurden Mitglieder der Internationalen Liste als Antisemiten und Islamisten diffamiert.

Die zwei weiteren Koalitionsmitglieder NAWI und GEWI können mit ihren Ergebnissen zufrieden sein. Die NAWI behält ihre sieben Sitze im StuPa, die GEWI hat ein Mandat dazugewonnen und ist mit zwei Sitzen vertreten.

Grafik: Lisa Weitemeier, Quelle: http://stupa-bochum.de/images/SP46/WB1.pdf, Stand 19.01.2013

Sowohl die FDP-nahen JuLis, die Hochschulpiraten und der Ring Christlich-Demokratischer Studenten mit jeweils einem Sitz, als auch Schöner Wohnen in Bochum (SWIB) mit zwei Sitzen konnten ihr Wahlergebnis des letzten Jahres wiederholen.

Neuling im StuPa mit gleich zwei Sitzen ist die Liste B.I.E.R., die eine eigene Campus-Brauerei etablieren will. Von vielen als „Spaßliste“ belächelt, bemühen sich die Mitglieder zu zeigen: Nein, das sind wir nicht. „Wir wollten den Wahlkampf mal spaßig gestalten, und nicht so verbissen.

Die Leute haben keinen Bock mehr auf dieses ganze Links-Rechts-Schema. Die sind nicht wahlfrustriert, sondern Listen-frustriert“, sagt Carsten Mielke. Bei anderen StuPa-Mitgliedern hatten Wahlsprüche nach dem Motto „Wenn euch die Wahl egal ist, wählt B.I.E.R“ für Unmut gesorgt. Die andere „Spaßliste“ DOPE hat es nicht ins StuPa geschafft.

Die größte Veränderung dieses Jahr: Die Linke Liste, im letzten StuPa noch mit neun Sitzen vertreten, ist gar nicht mehr dabei. Sie ist gar nicht erst zur Wahl angetreten. Auf ihrer Homepage begründet die Linke Liste ihren Schritt – der Titel: „Wahlen ändern nichts.“

Bier ist hier das Motto: Die Liste B.I.E.R. fordert eine eigene Campus-Brauerei - das stifte Identität. Foto: Lisa Weitemeier

Bier ist hier das Motto: Die Liste B.I.E.R. fordert eine eigene Campus-Brauerei - das stifte Identität. Foto: Lisa Weitemeier

Wahlbeteiligung nur minimal gestiegen

Generell sprechen aber alle Beteiligten von einem außergewöhnlich fairen Wahlkampf – keine Schlammschlachten, kein Plakate-Reißen. Ein Manko gibt es bei den StuPa-Wahlen aber auch weiterhin: die Wahlbeteiligung.

Zwar ist sie dieses Jahr minimal von 11,87 auf 12,38 Prozent gestiegen – trotzdem sind viele der Hochschulpolitiker von dem geringen Interesse enttäuscht. Wie etwa GEWI-Mitglied Andreas Von Canstein: „Schade, dass sich so wenige für unsere Arbeit interessieren. Immerhin entscheiden wir auch über eine Menge an Geldern – ohne das Semesterticket sind das ungefähr eine Million Euro. Und wir vertreten die Interessen der Studenten gegenüber Öffentlichkeit und Politik.  Es wäre schön, wenn sich ein paar mehr Leute damit beschäftigen würden.“

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