Kino-Tipp: Catching Fire

Kinder, die sich gegenseitig umbringen – damit hat Romanautorin Suzanne Collins vor fünf Jahren mit ihrem Buch „Die Tribute von Panem“ ein Tabu gebrochen. Ihre „Hunger Games“-Trilogie spielt in einem dystopischen Amerika, in dem ein Großteil der Bevölkerung vom autoritären Regime unterdrückt wird. Um das zu untermauern, müssen jedes Jahr 24 Kinder als Gladiatoren gegeneinander kämpfen – inklusive Live-Übertragung im Staatsfernsehen. Der Film zum ersten Teil hat weltweit mehr als ein halbe Milliarde Dollar eingespielt. Jetzt kommt der lang erwartete zweite Teil in die deutschen Kinos.

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Katniss ist Symbolfigur für die Revolution in Panem. Teaserbild und Foto: Studiocanal-Filmverleih

Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) aus Panems Distrikt 12 haben die 74. Hungerspiele beide überlebt – obwohl es eigentlich nur einen Sieger geben darf. Mit einem Trick hat Katniss den despotischen Präsidenten Snow überlistet und so den Grundstein für eine Revolution im unterdrückten Panem gelegt. Die Regierung setzt jetzt natürlich alles daran, die Kontrolle über die zwölf Distrikte des Landes zu behalten. Trotzdem wird Katniss nach dem Sieg bei den Hungerspielen ein neuer Hoffnungsträger für die verarmte Bevölkerung. Bei ihrer Tour durch die Distrikte kommt es immer wieder zu Aufständen, die Präsident Snow brutal niederschlagen lässt.

Zurück in die Arena

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Katniss und Peeta müssen zurück in die Arena. Foto: Studiocanal Filmverleih

Um Kantniss ein- für alle Mal loszuwerden, ändert Snow kurzerhand die Regeln für die kommenden 75. Hungerspiele. Die Teilnehmer werden nicht mehr unter den Kindern der Distrikte, sondern unter den ehemaligen Siegern ausgelost. Und so kommt es, dass Katniss und Peeta ein zweites Mal in die Arena der Hungerspiele ziehen müssen. Dieses Mal kämpfen sie aber nicht gegen Kinder, sondern gegen erfahrene Killer. Und eigentlich geht es inzwischen auch um viel mehr, als einfach nur am Leben zu bleiben.

Starke Darsteller

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Stanley Tucci überzeugt als Moderator der perversen Show. Foto: Studiocanal Filmverleih

Regisseur Francis Lawrence hatte für den zweiten Teil der Romanreihe von Suzanne Collins viel Geld zur Verfügung und das sieht man auch. Kostüm und Szenenbild sind ziemlich opulent und auch visuell lässt „Catching Fire“ keine Wünsche offen. Der Film lebt aber vor allem von seiner Hauptdarstellerin. Jennifer Lawrence überzeugt als eigenwillige, unterkühlte, aber in Grunde zutiefst verängstigte Katniss. Für den Film ist die Oscarpreisträgerin ein Glücksfall, der manche Story-Schwäche wieder aufwiegt. Außerdem brilliert Nebendarsteller Stanley Tucci als Moderator der perversen Fernsehshow. Er führt dem Zuschauer vor Augen, wie leicht aus einem Alptraum eine perfekte Fernsehshow inszeniert werden kann.

Kein Anfang und kein Ende

Trotzdem kämpft „Catching Fire“ mit den typischen Problemen des Mittelteils einer Trilogie. Zuschauer, die den ersten Teil nicht gesehen haben, kommen nur sehr schwer in die Handlung. Der Film bietet dafür keinerlei Hilfestellung sondern knüpft sofort an die Ereignisse aus „Hunger Games“ an. Wirklich gelöst werden die Konflikte natürlich auch noch nicht, denn dafür gibt es ja Teil drei (und so wie es aussieht auch noch Teil vier, denn das letzte Buch wird wahrscheinlich in zwei Teilen verfilmt). Cineasten kann das stören, Liebhaber der Buchreihe kommen so aber voll auf ihre Kosten. Mit 146 Minuten ist der Film verhältnismäßig lang, kann die Spannung aber bis zum Ende halten. Außerdem hinterfragt der zweite Teil die zutiefst fragwürdige Moral, die hinter der Grundidee der Hungerspiele steckt und verzichtet dabei auf eine übermäßige Gewaltdarstellung. Das war im ersten Teil noch anders. So wird der Zuschauer hier nicht aus Versehen zum voyeuristischen Mittäter, der einfach nur Blut sehen will.

„Catching Fire“ ist eine würdige Umsetzung der Romanvorlage. Klassisches Hollywood-Popcornkino mit moralischem Twist und einer wunderbaren Jennifer Lawrence in der Hauptrolle. Kenntnisse der Buchreihe oder des vorherigen Films sind allerdings Voraussetzung.