Wie man sich um verletzte Vogelbabys kümmert

Ein Vogel legt zur Hauptbrutzeit von März bis Juni im Schnitt fünf bis sechs Eier. Nicht alle Jungtiere, die aus den Eiern schlüpfen, überleben aber – viele fallen aus ihrem Nest und landen auf der Straße. Sollte man diesen Vogelbabys als Mensch helfen?

Alltagsmythos 1:
„Wenn Menschen ein Vogelbaby anfassen, wird es von seinen Eltern verstoßen?“
Ein Vogelbaby liegt auf der Handfläche eines Menschen.

Vögel, denen es nicht gut geht, kann man als Mensch bedenkenlos anfassen. Foto: Lucas Incas/flickr.com

Ein kleines Vogelbaby liegt vor uns auf dem Gehweg, während wir mit unseren Eltern zum Spielplatz unterwegs sind. Hilflos piepst es aus voller Kehle nach Rettung. Sein Flügel ist offenbar verletzt und es kommt nicht mehr von der Stelle. Natürlich wollen wir dem armen Vogel sofort helfen. Aber dann kommt der Elternspruch: „Wenn du den Vogel jetzt anfasst, wird er von seiner Familie nicht mehr angenommen! Komm, wir gehen weiter!“

Eine Schwalbe füttert ihre drei kleinen Jungtiere an einem Baum.

Guten Hunger! Auch nach Kontakt mit einem Menschen kümmern sich Vogeleltern um ihre Jungtiere. Foto: Julia Wagner/flickr.com

Aber ist unsere Sorge überhaupt berechtigt? Nein! Wir sind davon ausgegangen, dass die Vogeleltern ihr Baby nicht mehr annehmen, weil sie anders als gewohnt riechen. Eigentlich ist es aber so, dass Vögel – im Gegensatz zu den meisten Säugetieren – einen sehr schlechten Geruchssinn haben. Sie nehmen also überhaupt nicht wahr, wenn Menschen ihre Babys anfassen.

Die richtige Vorgehensweise beim Vogelfund

Die Eltern des Vogelbabys sind in den meisten Fällen nicht weit weg. Durch ihren besonderen Instinkt beobachten sie ihr verletztes Küken genau und kümmern sich zügig um es – solange sie keine Gefahr in der Nähe sehen. Trotzdem wirkt ein Mensch aber auf die Vögel bedrohlich. Liegt das Küken also nicht gerade auf einer befahrenen Straße, sollte man es einfach ignorieren, denn seine Eltern locken es dann mit bestimmten Lauten in ein nahegelegenes Versteck und füttern es.

Wenn das Küken konkreter Gefahr ausgesetzt ist, weil es sich etwa auf einem Radweg befindet, dann hebt man es am besten auf und setzt es in einen nahegelegenen Baum auf einen Ast. Ist kein Baum in der Nähe, geht zur Not auch eine Wiese oder ein Garagendach, so der Bund für Umwelt- und Naturschutz Thüringen auf seiner Website. Die Vogeleltern fliegen dann zu dieser Stelle und nehmen ihr Kind wieder in ihre Obhut.

Auf gar keinen Fall sollte man ein Vogeljunges mit nach Hause nehmen: Um sicherzugehen, dass es gut versorgt wird, empfiehlt der Naturschutzbund Deutschland, es in einer Pflegestation abzugeben.

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