Clueso im Westfalenpark

Clueso würde sich gut unter dem Fenster machen, als Lieder schmachtender Minnesänger mit Gitarre in der Hand.  „Chicago“, „so sehr dabei“, das suggeriert eben einen Sunnyboy mit Gitarre und schöner Stimme. Aber Clueso ist auch Hip-Hopper und Beatboxer – am Samstag im Westfalenpark hat er gezeigt, was er kann.


Keinen Zentimeter Tanzfläche: 15 000 Leute kamen, um Clueso im Westfalenpark zu lauschen. Hauptsächlich junge Frauen – und die waren anfangs nicht nur leise, sondern auch gar nicht tanzwütig. In blauem Licht singt Clueso den Westfalenpark ein.

Ein Herzschmerzkonzert? Nicht nur, denn Clueso entertaint. Er groovt über die Bühne, wiegt seinen Körper im Takt. „Wenn ihr Bock habt zu hüpfen, macht das ruhig“.  Er beatboxed, breakdanced, stellt sich unzählbar oft auf die Boxen-Türme. „Wenn ihr Bock habt, schreit einfach los.“ Mal klimpert er mit auf den Tasten, dann schnappt er sich einen Leuchtstab und hilft dem Drummer. Dann wieder auf die Boxen, ein lockerer Hüftschwung, später fährt er sich lässig durchs Haar. Lässt sich die Gitarre geben und ist wieder ganz der Clueso, den man sich auch irgendwie gewünscht hat: Mit bestechend echter Stimme und Gitarre, authentisch. Ruhig und melanchonisch, so muss ein Clueso Konzert bei „Barfuss“ auch klingen.

„Ihr könnt ruhig mitsingen“, hallt es aus den Lautsprechern und Dortmund ist warm. Im Hintergrund sieht man einen Schwimmer unter Wasser, vorbeiziehende Bäume, funkelnde Sterne und bei „Pizzaschachteln“ stapeln sich gelbe und rote Kugeln. Clueso singt „Love the People“, hinter ihm tanzen grelle Lichter um die Wette. Reggea-Stimmung im Westfalenpark.

„Bleib‘ einfach hier, lern‘ dich umzusehen“, Clueso dreht sich wie ein Kreisel, ein Bein in der Luft, dann wieder der Arm. Er lässt das Publikum mitsingen, hält das Mikro in die Menge. „Zu schnell vorbei“ ist dann der Text für Clueso: Die zweite Strophe ist einfach weg. Die Band spielt weiter, Clueso überlegt,  „ich möchte mehr als mich nur erinnern“ singt er kurz darauf und lacht ins Mikro. Dafür gibt es persönliche Zeilen „Vielleicht kann ich es noch retten, der Abend ist fett und wird noch fetter“, Freestyle-Clueso.

Nach knappen drei Stunden hat Clueso auf der Bühne gelegen und seiner Band gelauscht, sich das T-Shirt über den Kopf gezogen, Luftgitarre gespielt, mindestens zwei volle Pizzaschateln an Kalorien wieder verbrannt, das Shirt hat einen Schweißfleck. Der Bass wummert und das Herz steigt ein. Die Fans „cluesten“ sich zusammen.