Freiheit dreisprachig

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Folk, traditionelle arabische Gesänge und Balkansound – ein einziges Genre ist der Band Bukahara nicht genug. Mühelos wechseln die vier Musiker zwischen Sprachen und Instrumenten. Die Botschaft ans Publikum ist klar: Ihr sollt tanzen bis in die Morgenstunden!

Sänger und Gitarrist Soufian Zoghlami muss gleich noch einkaufen. Auf dem Einkaufszettel stehen eine Einwegkamera und Ohrstöpsel. In ein paar Stunden geht es zum nächsten Festival; seine Bandkollegen sind schon unterwegs. „Das ist halt so im Sommer“, sagt Soufian, „wir sind eigentlich jedes Wochenende irgendwo.“

Unterwegs sein, Freiheit – das sind die zentralen Themen von Bukahara. Mit Blick auf die Herkunft und die Einflüsse der Mitglieder kaum überraschend: Ahmed Eid kommt aus Palästina und singt auf Arabisch. Mit seinem perkussiv gespielten Kontrabass lässt er vergessen, dass es in der Band kein Schlagzeug gibt. Daniel Avi Schneider ist Schweizer mit jüdischen Wurzeln. Er singt auf Deutsch. Der Geiger bildet einen deutlichen Kontrast zu Max von Einems Posaune, stark inspiriert von der Ska- und Reggae-Szene. Der Halbtunesier Soufian sieht sich vor allem als Singer-Songwriter, „super amerikanisch“ nennt er seine Spielweise selbst.

Musikalischer Schmelztiegel

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Sänger und Gitarrist Soufian Zoghlami. Foto: Susanne Romanowski

Eine klare Rollenverteilung sucht man in der Band aber vergeblich. „Das kommt immer drauf an. Bei einem ruhigen Folksong haben wir klassisch Geige, Kontrabass, Gitarre und Gesang. Aber es kann auch sein, dass ich dann die Snaredrum spiele, Ahmed die Darbuka und Max das Susaphon. Das hat direkt etwas Balkanesques“, sagt Soufian. Wie viele Instrumente die Band insgesamt spielt, kann er übrigens nicht beantworten. „Allein schon die Percussion-Sachen“, seufzt er.

Trotz der vielen Abwechslung ist eine Sache immer dabei: Spielenergie, „die unausgesprochene Grundvoraussetzung für alles“, wie Soufian sagt. Ob Bukahara nachts um eins auf der Hauptbühne eines Festivals oder bei einem konservativen Sektempfang auftreten: „Nach ein paar Songs fängt man an zu schwitzen, hat richtig Bock und will feiern.“ Eine weitere Grundregel der Band: Platz für Improvisationen. Schließlich haben sich Daniel, Ahmed und Soufian beim Jazz-Studium an der Musikhochschule in Köln kennengelernt. Max stieß ein Jahr später zu Bukahara. Sonderlich akademisch gibt sich die Band aber nicht. „Der einzige wirkliche Nutzen des Studiums war der, dass man einen Pool an coolen, kreativen Leuten hatte. Alles andere ist aus einer Abenteuerlaune heraus geboren.“

Eine Warnung von der Mafia

Diese Abenteuerlaune hat die Band gerade im Ausland in wahrlich filmreife Situationen gebracht. So geht es in „Venice“ um eine beschwipste Nacht in Venedig. Sie beginnt mit einem Straßenkonzert und endet mit einem Auftritt in einer Gondel auf Venedigs Kanälen. Genauer gesagt: mit einem Verweis der Wasserpolizei. Noch brenzliger wurde es in Sizilien: „Wir wurden von der Mafia ausgeraubt. Wir haben nicht verstanden, dass wir noch etwas bezahlen sollten. Dann sind sie in den Bus eingebrochen und haben alles geklaut.“ Zum Glück nur eine Warnung: „Wir haben alles in Tüten im nächsten Müllcontainer gefunden. Gruselig war’s trotzdem“, erinnert sich Soufian.

Es hat Bukahara schon in Europas entlegenste Ecken verschlagen – in Dortmund waren sie noch nie. Das wird sich am zweiten Tag des Juicy-Beats-Festivals ändern. Um 16 Uhr bespielen die Jungs die Funkhaus Europa-Bühne. Wer dort in der ersten Reihe stehen wird, ist unklar – so unterschiedlich wie die Band selbst ist auch ihr Publikum. Nur eins muss es sein: tanzwütig. „Wir freuen uns einfach auf eine echte Party“, sagt Soufian und grinst.

Ein letzter Abstecher in den Drogeriemarkt.  Kamera, Ohrstöpsel, alles da. Die Schlafmaske liegt schon gepackt in der Reisetasche. Bei langen Fahrten und Vollgas auf der Bühne ist klar: Ruhe muss sein. „Das ist Equipment, das einfach mit muss.“ Auf Festivals in Kroatien, Italien, und die vielen Kilometer dazwischen. Bis Bukahara am Wochenende die Besucher beim Juicy Beats zum Tanz bitten.

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Beitragsbild: Sophia Zoe

 

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