Kommentar: Kritik an Ronaldo? Macht euch nicht lächerlich!

Wer seit vergangenem Wochenende in sozialen Netzwerken nach Kommentaren über Cristiano Ronaldo sucht, der wird viele hämische und herablassende Aussagen gefunden haben. Was war passiert? Ronaldo hatte beim 0:0 gegen Österreich neben mehreren Torchancen auch einen Elfmeter vergeben. Viele Menschen haben ihm diesen Fehlschuss gegönnt, schließlich sei Ronaldo ja ein selbstverliebter Schauspieler und eitel noch dazu, so der Tenor. Es sind diese immer wiederkehrenden Argumente, die haltlos sind.

Lieber anecken als weichgespült

Wer Ronaldo seine Eitelkeit vorwirft, denkt zu kurz. Der 31-Jährige  ist sicher nicht so ein Ausnahmetalent wie Lionel Messi. Er hat sich seinen Erfolg durch harte Arbeit, Ehrgeiz und Disziplin selber erkämpft. Er trinkt während der Saison keinen Alkohol, geht nicht feiern und investiert täglich in seine Fitness. Sein Körper ist sein Kapital, seine Arbeitsgrundlage – will man ihm das vorwerfen? Ohne diese Fitness und Athletik hätte er keine 364 Tore in den vergangenen sieben Jahren erzielt. Vielleicht ist es auch der Grund, warum Ronaldo so selten schwer verletzt ist, ein Marco Reus oder Arjen Robben können das nicht von sich behaupten.

Ein gewohntes Bild. (Photocredit: Flickr/Phan Vu)

Ein gewohntes Bild. (Photocredit: Flickr/Phan Vu)

Natürlich gibt es auch den anderen Ronaldo. Den, der sich über die Freude des EM-Neulings Island echauffiert, die kurz zuvor ein 1:1 gegen die Portugiesen erkämpft hatten. Als hätten die Skandinavier „gerade die Europameisterschaft gewonnen.“ CR7 für diese Aussage zu kritisieren. ist legitim. Aber das ist anlassbezogen. Ronaldo ist vom Erfolg besessen, er will immer gewinnen, er polarisiert, seine Aussagen ecken an – zum Glück. Viele andere Spieler, vor allem die, die von kleinauf in den Leistungszentren ihrer Verbände ausgebildet wurden, wirken zu angepasst und weichgespült. Selbst nach einem lupenreinen Hattrick kommen sie mit einer Aussagen wie „Meine Tore sind mir egal, ich freue mich für die Mannschaft“ daher. Wer’s glaubt. 

Darüber hinaus kann man das Gefühl bekommen, dass Medienvertreter nur darauf Warten Witzchen auf Kosten von Ronaldo zu machen oder Zitate falsch übernehmen.

Arroganz? Auf die Qualität kommt es an!

Ab einem gewissen Qualität wirkt die Arroganz einzelner Spitzensportler einfach nur cool. Usain Bolt lief 2008 einen Weltrekord über 100 Meter, zu Olympia-Gold,  jubelte schon weit vor der Ziellinie – und das mit offenen Schnürsenkeln. Michael Schuhmacher fuhr bei diversen seiner Siege freihändig über die Ziellinie oder auch mal einarmig durch die Parabolica, eine Kurve auf der Rennstrecke im italienischen Monza. Eine Kurve, in der die Rennfahrer schneller als 250 Stundenkilometer fahren. Das soll cool sein, aber Ronaldos Showeinlagen vor den Freistößen sind arrogant? Come on.

Ronaldo ist außerhalb des Platzes sozial engagiert. In der Vergangenheit hat er für Schulen in Gaza gespendet, in Rio eine Favela gekauft, um den Einwohnern dort die Miete zu ersparen, zudem ist er Botschafter für die Organisation „Save the Children“. Klar, wer laut Forbes-Liste 88 Millionen Dollar im Jahr verdient, kann natürlich viel spenden – das machen aber längst nicht alle Fußballer. Einige nehmen es noch nicht mal so genau mit der Steuer.    

Daniel Raecke hat auf Spiegel Online die Häme gegen Ronaldo mit einem Grundbedürfnis zu erklären versucht, sich generell über erfolgreiche und attraktive Menschen lustig zu machen. Er hat Recht. Jeder, der auf den „Ronaldo ist scheiße“-Zug aufspringt, ohne das sinnig begründen zu können, macht sich lächerlich – und verkennt vor allem eines: Ronaldo ist der einzige Mensch, der „Sorry for being fresh“-Caps legitim tragen darf. 

Photocredit: Flickr/Cristiano Ronaldo Mexico (Beitragsbild),