Zwischen Zigaretten und Lakritz

Im Ruhrgebiet sind sie an jeder Ecke: Trinkhallen, Kioske und kleine Buden. Doch wer verkauft uns da eigentlich Zigaretten, das letzte Feierabendbier oder Zeitschriften? Wir haben einen Kioskbesitzer besucht.

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Daniel möchte unerkannt bleiben. Foto: Clare Devlin

 

Daniel* (Name geändert) ist 36 und Kioskbesitzer. Für unsere Geschichte möchte er unerkannt bleiben, so wie die meisten Kioskbesitzer in Dortmund ihre Geschichte lieber nicht erzählen wollen. Manchmal schämen sie sich für ihren Beruf, einige sind nicht ganz legal hier oder haben Angst vor politischer Verfolgung. Daniel möchte wegen seines Sohnes nicht, dass er erkennbar ist.  Er hat uns erzählt, wie er zu dem Kiosk gekommen ist.

 

Als Geschäftsmann muss sich Daniel nicht nur um die Finanzen kümmern, sondern auch oft einkaufen gehen. Dazu fährt er jeden zweiten Tag in einen Großhandel. Ganz oben auf dem Einkaufszettel stehen Süßigkeiten und Bier. Frische Sachen muss er fast nie kaufen. Zwar bietet der Kiosk für „Vergessliche“ auch Milch oder Aufbackbrötchen an, aber mit H-Milch und verpackten Brötchen kommt er meist mehrere Wochen aus. Nach Feierabend kommen Menschen vor allem zum Kiosk, um sich Zigaretten und Bier zu holen.

 

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In seinem Kiosk bietet Daniel vielfältige Produkte an. Foto: Clare Devlin

 

Damit er das Familienleben und die Arbeit schafft, hat die Familie grade an Wochenenden, abends oder wenn Daniel einkaufen muss eine Aushilfe. Weil das aber teuer ist, versucht Daniel so oft wie möglich selbst hinter der Theke zu stehen. Manchmal, wenn das Geld nicht reicht, jobbt er nebenbei noch auf Baustellen mit früheren Kollegen. Um ihrem Sohn ein gutes Leben zu ermöglichen, nimmt seine Frau nebenher auch Putzjobs an. Der Kiosk bestimmt das Familienleben.

 

Die Aufopferung für den Beruf hat einen klaren Grund: Die Konkurrenz am Markt wird immer größer.

 

Grade für seine Eltern war diese Umstellung schwierig, denn die längeren Arbeitszeiten konnten sie im hohen Alter nicht mehr bewältigen. Den Kiosk gibt es seit vielen Jahren und aus der Nachbarschaft hat sich eine große Stammkundschaft gebildet. Obwohl Daniel eigentlich Elektrotechniker gelernt hat und ihm die Arbeit Spaß gemacht hat, wollte er damals seine Eltern nicht im Stich lassen. Sie hatten sich mit dem Kiosk einen Lebenstraum erfüllt.

 

Daniel ist nicht nur Verkäufer sondern hat auch immer ein offenes Ohr für die Probleme und Schwierigkeiten seiner Nachbarn. Er selbst redet gern, sagt er, kann aber auch gut zuhören. Trotz der eigenen, auch finanziellen Schwierigkeiten würde Daniel nie wieder etwas anderes machen wollen. Seine Frau sieht das oft anders. Ihr fehlen vor allem der gemeinsame Urlaub und die freien Wochenenden. Denn den Laden über eine Woche alleine zu lassen bringt Daniel mittlerweile nicht mehr übers Herz. 

 

Ob sein Sohn später auch den Kiosk übernehmen soll, weiß Daniel jetzt noch nicht.

 

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