Unter Tage lauert die Vergangenheit

Die Jahrhunderthalle ist ein Bochumer Juwel. Kaum einer hat sie noch nicht gesehen, hat noch nicht von ihr erzählt. Allerdings erinnert an ihr nur noch wenig an das produktive Treiben im frühen 20. Jahrhundert – anders als in der Unterwelt des Grundstücks. Denn: Wenn es mit Bochum-Experte Frank Dengler in die Katakomben geht, scheint die Atmosphäre von harter Arbeit und Stahlbeförderung für jeden Besucher omnipräsent zu sein.

Die Jahrhunderthalle in Bochum. Fotos: Laura Waßermann

Die Jahrhunderthalle in Bochum. Fotos: Laura Waßermann

Der Geruch von kaltem Stahl, offenliegende Rohre und künstlich erzeugte Geräusche von Motoren, mit denen die Stahlarbeiter damals das Material zusammengeschweißt haben – die Stimmung dort unten ist einzigartig. Hier, wo der Bochumer Verein Glocken und Eisenbahnräder hergestellt wurden. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Unternehmen einen Aufschwung, da in der Umgebung fast alle Kirchenglocken kriegsbedingt zerstört wurden.

Somit wurde das Grundstück rund um die Jahrhunderthalle – damals nur als „Gebläsemaschinenhalle“ bezeichnet – ein wichtiger Ort für die Industriegeschichte des Ruhrgebiets. Unter dem Motto „Wir sind nicht arm, wir haben nur kein Geld“ gehen wir auch hier wieder auf Entdeckungstour – über und unter Tage.

Mit 22.000 Mitarbeitern war der Bochumer Verein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der größte Einzelarbeitgeber in Bochum. 1965 übernahm das Essener Stahlunternehmen Krupp die Leitung und sortierte Werke und Arbeiter aus. Übrig blieb schließlich nur der Standort an der Essener Straße, das bekanntermaßen in diesem Jahr ebenfalls geschlossen wird.

Umso wichtiger ist die Erinnerung an den früheren Erfolg eines Konzerns im Ruhrgebiet und dessen Wirkung auf die heutige Zeit. Denn: Als die Gebläsehalle 2002 in eine Veranstaltungshalle umgebaut wurde und den Namen „Jahrhunderthalle“ bekam, wurde sie zu einem der wichtigsten Kulturorte in der Umgebung. Konzerte, Partys oder Jahrmärkte – auf dem Gelände in Stahlhausen verbindet sich alt und neu, Vergangenheit und Gegenwart, Stahlbau und Kultur.

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