Kino-Tipp: Im Alter von Ellen

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Eine Frau kommt in die Midlifecrisis und beschließt Berufsleben und Beziehung hinter sich zu lassen, um ein ganz neues Leben zu beginnen. Auf den ersten Blick erinnert die Story an den Hollywoodfilm „Eat, Pray, Love“. Doch beim Aufbruch-in-ein-neues-Leben Grundgedanken hört die Ähnlichkeit der beiden Filme schon auf. Bei „Im Alter von Ellen“ sind die Menschen weniger schön, die Geschichte weniger kitschig und das Happy End nicht ganz so happy. Es ist ein europäischer Film, der auf unnötigen Hollywood-Schnickschnack verzichtet.

Filmposter

Ellen (Jeanne Balibar) mit dem befreiten Affen aus dem Tierversuchslabor. Foto: Pandora Film / Real Fiction

Französin Ellen (Jeanne Balibar) hat alles satt: Tagein, tagaus muss sie als Stewardess Menschen Kaffee servieren, demonstrieren, wie man Schwimmwesten richtig anlegt und in Hotelzimmern übernachten, anstatt zu Hause. Dann erhält sie von Ärzten eine verheerende Diagnose (welche, wird nicht geklärt). Obwohl das schon schlimm genug ist, gesteht ihr Freund Florian (Georg Friedrich) ihr auch noch, dass er sie betrügt und seine Affäre geschwängert hat. Eine jüngere Frau hätte dies vermutlich verkraften können, aber „Im Alter von Ellen“ ist das alles zu viel.

Von einer Stewardess zur Tierschützerin

Ellen wächst alles über den Kopf. Kurz vor dem Abflug schnappt sich die Stewardess ihr Gepäck und stürmt aus dem Flugzeug. Die Konsequenzen: höchster Sicherheitsalarm, eine Flugverspätung von vier Stunden und Ellen wird gefeuert. Mit einem Koffer in der Hand, in ihrer blauen Stewardessuniform und einem orangefarbenem Tuch um den Hals, steht sie nun vor den Trümmern ihres Lebens und weiß nicht, wohin sie gehen soll. Nach einem gescheiterten Versuch ihren Job wieder zu bekommen und durchzechten Nächten mit ein paar Homosexuellen und Leuten, die gerne in Unterwäsche tanzen, hat sie schließlich eine Begegnung, die alles verändert. Sie landet bei einem Haufen jugendlicher Veganer, die sich als mehr oder weniger radikale Tierschutzaktivisten entpuppen.

Ellen verteilt mit Tierkopf Flyer für Veganismus. Im Hintergrund stehen die nackten Demonstranten.

Ellen verteilt mit Tierkopf-Maske Flyer für Veganismus. Im Hintergrund: die nackten Demonstranten. Foto: Pandora Film / Real Fiction

Weil sie nicht weiß, wo sie hin soll und was sie mit ihrem Leben anfangen will, wird Ellen in dem Kollektiv aufgenommen. Fortan lebt sie mit ihnen und 1000 geretteten Tieren in einem abgewrackten Haus. In dieser Zeit sieht und bestaunt sie, wie sich die Jugendlichen für den Tierschutz einsetzen: Sie entführen Tiertransporter und entlassen eine Horde Hühner und weiße Mäuse in die Freiheit. Sie brechen in ein Labor ein, um einen Affen vor Tierversuchen zu retten und gehen nackt demonstrieren. Stück für Stück legt Ellen ihr altes Leben ab: Sie tauscht Highheels und Stewardessuniform gegen Flipflops und Schlabber-Shirt und hilft bei den Demo-Vorbereitungen. Sie heiratet den Aktivisten Karl (Stefan Stern), um ihn vor dem Einzug in den Bund zu retten und entscheidet sich für einen Lebensweg, der sie ganz weit weg in eine unbestimmte Zukunft führt.

Fragen über Fragen

Ellen mit ihrem jungen "Ehemann" Karl in der Badewanne

Ellen mit ihrem jungen "Ehemann" Karl in der Badewanne. Foto: Pandora Film / Real Fiction

„Im Alter von Ellen“ verzichtet auf den Kitsch, der für Hollywoodfilme typisch ist. Die Charaktere sind vielschichtig, es sind keine Supermodels, sondern Personen mit denen man sich identifizieren kann. Trotzdem haben sie alle auch eine verrückte Seite.
So gelungen die Charaktere sind, so wenig überzeugend ist die Geschichte an sich. Regisseurin Pia Marais ist es nicht gelungen, die einzelnen und teilweise skurrilen Teile nachvollziehbar miteinander zu verbinden. Als Zuschauer wird man außerdem durch die ständigen Ortswechsel verwirrt. Man fragt sich, ob Ellen gerade in Deutschland oder Südafrika ist, oder warum sie plötzlich in einem Möbelhaus sitzt. Viele Szenen wirken willkürlich und sind nicht ganz stimmig.
Enttäuschend ist auch der Schluss. Ein offenes Ende kann zu angeregten Diskussionen führen oder wie bei „Inception“ die Pointe eines Films sein. Aber bei „Im Alter von Ellen“ führt das offene Ende zu einem frustrierenden „Und was jetzt?“-Gefühl.

„Im Alter von Ellen“ ist kein klassischer „feel-good-Movie“ und ist weder umwerfend witzig noch traurig. Er ist eine Tragikomödie, deren etwas verwirrende Geschichte vor allem durch die hervorragende Leistung von Jeanne Balibar und den anderen Schauspielern überzeugt.

Von unserer Mitarbeiterin Miryam Nadkarni

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1 Comment

  • Bettina sagt:

    Das Konzept des Filmes scheint sehr interessant zu sein. Und die Thematik kann viele Tierschützer in den Kinosaal zu locken. Trotz der Mängel des Filmes, die diesen Artikel enthüllt, ist der Film eines Kinobesuches wert.

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