Vögel – Gefahr für Flieger

Wenn Vögel in die Triebwerke von Flugzeugen geraten, kann es im schlimmsten Fall zum Absturz kommen. Das wohl ‚berühmteste‘ Beispiel dafür ist die spektakuläre Notlandung eines Airbus auf dem Hudson River in New York. Das ist jetzt knapp drei Jahre her. Vor kurzem gab es auch in Dortmund einen „Vogelschlag“ – so nennt man das in der Luftfahrt. Hier fiel aber zum Glück nur ein Triebwerk aus. Das Flugzeug konnte sicher landen. Doch was tut der Flughafen eigentlich, um solche Vorfälle zu verhindern?

Dortmund-Wickede an einem Freitagabend im November: Ein mit 170 Passagieren besetzter Airbus gerät im Landeanflug in einen Vogelschwarm. Die Triebwerke saugen die Vögel an, eines der beiden fällt daraufhin aus. „In den letzten zehn Jahren konnten wir die Vogelschlag-Rate um 75 Prozent senken, sodass das Thema Vogelschlag eigentlich gar nicht mehr so groß auf der Tagesordnung steht“, sagt Thomas Surmann, Vogelschlagbeauftragter am Flughafen Dortmund. Er sorgt dafür, dass es solche Vorfälle möglichst selten gibt.

Neue Technologien und Vogelkartierung

Großer Vogel, kleine Vögel: Trotz der Größenunterschiede können Vögel für Flugzeuge zum Problem werden.

Kleine Vögel, großer Vogel: Trotz der Größenunterschiede können Vögel für Flugzeuge zum Problem werden. Foto: Arne Schleef. Teaser-Foto: chelsea_steve / www.flickr.com

Die niedrige Vogelschlag-Rate hat vor allem zwei Gründe: Einerseits baut die Luftfahrtindustrie immer robustere Triebwerke, die Vogelschlag eher standhalten. Andererseits sind Flughäfen ab einer bestimmten Größe verpflichtet, ihren Flugkorridor von Vögeln frei zu halten. Endgültige Sicherheit gibt es aber nie. „Vögel ab einem Gewicht von 200 Gramm können Schäden an Flugzeugen hervorrufen“, so Surmann. Das kann zum Beispiel ein Kiebitz sein (bis über 300 Gramm schwer) oder ein Mäusebussard (bis über 1.000 Gramm), aber auch die Gans (bis zu 4.000 Gramm). Deswegen dokumentiert der Vogelschlagbeauftragte ganz genau, welche Vögel sich in Flughafennähe aufhalten. „In den letzten zehn Jahren haben wir Daten gesammelt und eine Vogelkartierung erstellt.“ Aber für ein weitaus größeres Gebiet als nur die direkte Flughafen-Umgebung: „Das geht von Unna bis Castrop-Rauxel, vom Dattel-Hamm-Kanal bis Schwerte-Geisecke“, sagt Surmann.

Das Ergebnis: Ein 150 Seiten starkes ‚Pamphlet‘ mit Empfehlungen, wie der Flughafen Vogelschlag verhindern kann. Das geht entweder über Veränderungen des Lebensraumes der Vögel oder – wenn sie den Flughafen zum Beispiel als Zugvögel streifen – mit kurzfristig wirkenden Mitteln wie Pyrotechnik.

„Biotop-Management“ und „Vergrämungstechnik“

Sorgt für einen sicheren Flugbetrieb: Der Vogelschlagbeauftragte des Dortmunder Flughafens, Thomas Surmann. Foto: Arne Schleef

Sorgt für einen sicheren Flugbetrieb: Der Vogelschlagbeauftragte des Dortmunder Flughafens, Thomas Surmann. Foto: Arne Schleef

Während sich sogenannte Standvögel dauerhaft im ‚Lebensraum Flughafen‘ niederlassen wollen, sind Zugvögel ein zeitlich begrenztes Problem. Um die kümmert sich deshalb die Flughafenfeuerwehr. „Sie macht jeden Tag mindestens sechs Kontrollfahrten und versucht, Vögel durch Pyrotechnik oder Heranfahren mit dem PKW aus dem kritischen Bereich heraus zu drängen“, so Surmann. Manchmal reiche auch ein einfaches Klatschen.

Bei den Standvögeln muss er aber langfristig denken: Hier versucht der Vogelschlagbeauftragte, den Flughafen als Lebensraum für Vögel möglichst unattraktiv zu machen. „Dafür schauen wir aber vorher: Was machen die Landwirte draußen? Wird der Flughafen durch unsere Veränderungen für die Vogelwelt attraktiv?“ Im Moment mäht der Flughafen zum Beispiel nur zweimal jährlich den Rasen – das mögen die Vögel wohl nicht. Das kann sich aber ändern, je nachdem, was sich in der Landwirtschaft der Umgebung tut. Also ein ständiges Wechselspiel mit den Bauern.

Nische für seltene Vogelarten

Manchmal erfasst Surmann auch seltene Vogelarten, die sonst kaum Überlebenschancen haben. Ein Flughafen kann also auch eine ökologische Nische für kleine, seltene Vogelarten sein. Den Passagieren ist es aber wohl trotzdem lieber, wenn über dem Flugfeld nur die großen Flieger zu sehen sind.