Versprechen & Versprecher: Das Politiker-ABC

Politiker versprechen – manchmal viel und manchmal sich. Selbst die wortgewandtesten Rhetorik-Maschinen schaffen es nicht immer, jede Klippe zu umschiffen. Oder sie setzten sich gleich unabhängig davon mit Anlauf in die Nesseln. Was dabei herumkommt, lässt einen wahlweise stirnrunzelnd oder lächelnd zurück, hat aber auch schon historische Folgen gehabt. Wir haben für Euch ein alphabetisches Potpourri zusammengestellt.

Los geht die wilde Fahrt. Vorher noch ein kurzes Statement von Edmund Stoiber zum Thema Zukunft. (Foto: flickr.com/sfisches)

Los geht die wilde Fahrt. Vorher noch ein kurzes Statement von Edmund Stoiber zum Thema Zukunft. (Foto und Teaserbild: flickr.com/sfisches)


A wie abstruse Vorwürfe. Die Abstrusität von Vorwürfen sind wandlungsfähig. Oder, Herr zu Guttenberg?

  • „Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus.“ – 16.02.2011

  • “Meine Dissertation ist kein Plagiat. Sie enthält fraglos Fehler;  aber ich habe zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht.” – 18.02.2011

  • “ [… ] weil ich am Wochenende […] feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Ich […] musste mich natürlich auch selbst fragen […]: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren? So ist es, dass man feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der einen oder anderen Stelle, an der einen oder anderen Stelle auch zuviel, auch den Überblick über die Quellen verloren.“ – 21.02.2011

  • “Ich habe eine sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben. Es war hochmütig zu glauben, familiäre, politische und wissenschaftliche Anforderungen in Einklang bringen zu können.” – 23.02.2011

Das Ende vom Lied dürfte bekannt sein.

B wie Berlusconi. Dem Mann könnte man eigentlich ein eigenes Alphabet widmen. Belassen wir es aber hier bei den Top 3 der geistreichsten Berlusconi-Zitate.

  1. „Natürlich ist die Unterbringung absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende.“ – zu Erdbebenopfern im April 2009 in L’Aquila.

  2. „Als Vater rate ich Ihnen, einen Sohn Berlusconis oder einen ähnlichen Mann zu heiraten, der nicht solche Probleme hat. Mit Ihrem Lächeln können Sie sich das ja leisten.“ – in einer Fernsehsendung zu einer jungen Frau, die ihm ihr finanzielles Leid geklagt hatte.

  3. Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volks gewählt hat.” – über sein eigenes Demokratieverständnis.

C wie cholerischer Anfall. Wie groß die Laus gewesen ist, die Wolfgang Schäuble im November 2010 über die Leber gelaufen ist, wird bis zum heutigen Tage untersucht. Der Leidtragende war in jedem Fall Schäubles Sprecher Michael Offer.

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D wie Dementi. Ähnlich flexibel wie => abstruse Vorwürfe, weil ein Dementi fast alles sein und der Wahrheitsgehalt irgendwo zwischen 0 und 100 liegen kann. Schließlich hatte ja auch niemand die Absicht eine Mauer zu errichten und Bill Clinton nie ein sexuelles Verhältnis zu Monica Lewinsky. Oder?

E wie Ehrenwort. Ist seit Uwe Barschel Auslegungssache. Barschel war zwischen 1982 und 1987 Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Der Wahlkampf zur Landtagswahl 1987 wurde von Barschels CDU mit extrem harten Bandagen geführt. Reiner Pfeiffer vom Springer-Verlag arbeitete während des Wahlkampfes als Medienreferent für Barschel. Von Pfeiffer gingen viele Aktionen aus, die sich vor allem gegen Barschels Herausforderer, SPD-Politker Björn Engholm, richteten. So gab sich Pfeiffer zum Beispiel als Arzt aus und teilte Engholm mit, dass er vertrauliche Hinweise habe, Engholm sei an AIDS erkrankt. Zudem ließ Pfeiffer Engholms Privatleben von Detektiven überwachen und zeigte ihn wegen Steuerhinterziehung anonym an. Von Pfeiffers Engagement erfuhr der Spiegel und berichtete darüber ausführlich in der Woche vor der Wahl. Dem Spiegel lag eine eidesstaatliche Versicherung von Pfeiffer vor, nach der Pfeiffer mit Wissen und im Auftrag von Barschel diese Aktionen ausgeführt habe. Die Wahl am 13. September endete mit einer Patt-Situation zwischen CDU/FDP und SPD/Südschleswigschem Wählerverband. In einer Pressekonferenz fünf Tage später wies Barschel alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.

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Wegen weiterer Veröffentlichungen des Spiegels und anhaltender Zweifeln an Barschels Unschuld trat er am 2. Oktober 1987 als Ministerpräsident zurück. Am 11. Oktober wurde Uwe Barschel tot in der Badewanne eines Genfer Hotels aufgefunden. Er starb an einer Medikamentenvergiftung – um den genauen Hergang (Mord oder Selbstmord?) ranken sich bis heute Spekulationen. In einem späteren Untersuchungsausschuss kam heraus, dass Barschel mehrere Zeugen zu Falschaussagen gedrängt hatte.

Buchstaben F bis J.

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