“Authentisch bekloppte Ruhrpott-Rapper”

257ers Presse groß

„Wir labern eben gerne professionell Scheiße – ohne Sinn, Richtung und Verstand.“ Wenn sich Künstler des Juicy Beats so auf ihrer Website vorstellen, dann können es nur die 257ers sein. Schneezin (Daniel Schneider), Mike (Mike Rohleder) und Keule (Kolja Scholz) haben Drogen, Mutterwitze und ihre eigene Beklopptheit zu den Hauptbestandteilen ihrer Musik gemacht.

Auf dem Juicy Beats treten die 257ers auf der Mainstage auf. Dort werden sie ihre bekloppten Liedern aus den vier Alben „Hocus Pocus“, „ZWEN“, „HRNSHN“ und „Boomshakkalakka“ rappen. „Am Anfang haben wir versucht krass rüberzukommen, mussten aber schnell feststellen, dass das nicht wirklich glaubwürdig ist. Also haben wir begonnen, die gleiche Scheiße in den Texten zu erzählen, die wir sowieso den ganzen Tag labern oder machen“, sagt Schneezin auf der Hompage der 257ers. Das tun die Drei hauptsächlich im Ruhrpott – ihre Heimat Essen-Kupferdreh ist für sie so prägend, dass sie die letzten Ziffern der Postleitzahl 45257 zu ihrem Namen gemacht haben.

Vor allem diese “Beklopptheit” der Ruhrpott-Rapper gefällt Christian Berenhardt aus Soest richtig gut. Der 18-jährige Abiturient ist seit 2009 Fan der 257ers. Im Interview mit pflichtlektüre sagt er, warum er auf die 257ers abfährt, was die Musik besonders macht und warum man die Drei auf dem Juicy Beats anschauen muss.

Wie bist Du auf die 257ers aufmerksam geworden?

Ich war Fan von Favorite und anderen Rappern des Labels „Selfmade Records“. Favorite hat mit „Kein Fick auf Schule“ die 257ers gefeaturet. Das Lied fand ich so geil, dass ich mir das Album „ZWEN“ und das vorherige Album „Hocus Pocus“ der 257ers geholt hab.

Warum fandest Du „Kein Fick auf Schule“ so gut?

Als pubertierender 12-jähriger fand ich es geil, dass sie sich gegen die Schule aufgelegt haben. Sie haben alles beleidigt und sich selbst hochgenommen – das fand ich lustig.

Du hast Beleidigungen und Selbstironie genannt. Wie würdest Du die Musik von den 257ers sonst beschreiben?

Die 257ers zeichnen sich durch die wild gemischten Beats und ihre sinnlosen, außergewöhnlichen Texte aus. Egal ob Schlager oder Kinderlieder – sie rappen auf alle Melodien – und das komplett Banane. Sonst fällt noch auf, dass sie sehr lokal auf den Ruhrpott bezogen sind.

Und das gefällt dir?

Ja. (lacht) Die 257ers haben oft richtig gute Beats zum Mitsingen und Abgehen. Außerdem ist es für mich die „Faszination Sinnlosigkeit“. Bei den Raps schlage ich mir die Hände vors Gesicht und frage mich, wie man nur auf solche Texte kommt?

Wie haben es die 257ers denn geschafft, mit ihren sinnlosen Texten Erfolg zu haben?

Es passte alles zusammen: die Musik, die Kontakte und der Zeitpunkt. Nach einer langen Bushido-Phase hatten alle keinen Bock mehr auf so ernsten Straßenrap. Mit dem ersten Album „Hocus Pocus“ 2009 sind die 257ers als Spaß-Rapper um die Ecke gekommen. Durch Kontakte zu Favorite und Selfmade Records wurden sie aufgebaut. Seit 2012 sind sie bei Selfmade Records eingestiegen und dadurch berühmter geworden. Gerade mit dem Nonsens-Wort „Akk“ haben sie es geschafft, sich eine treue Fanbase aufzubauen.

Kannst Du das genauer erklären?

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Christian Berenhardt (18) aus Soest ist seit 2009 ein “Mutant”. Foto: Tobias Schulte

Auf den ersten zwei Alben „Hocus Pocus“ und „ZWEN“ haben die 257ers das Wort Akk als Lückenfüller benutzt. Dazu haben sie auch ein Lied, die „Definition of AKK“ rausgebracht. Als Jugendlicher habe ich Akk auch einfach benutzt, ohne was dabei zu denken. Letztendlich konnte ich mich so als Fan der 257ers zeigen. Nach und nach sind alle auf Akk abgegangen, als voll-pubertierender hat man einfach geAkkt. So ist es fast Jugendwort des Jahres 2012 geworden. In meinem Freundeskreis hat sich Akk fast zwei Jahre gehalten. Wir haben uns auf Akk umbenannt und uns so neue Spitznamen gegeben: ChristiAkk, FloriAkk, LennAkk und so weiter.

Neben Akk haben die 257ers den Begriff „Mutanten“ eingeführt – so nennen sie ihre Fans. Sie dachten sich selber, dass wenn man ihre Musik hört, ein Mutant sein muss.

Hast Du als „Mutant“ ein Lieblingslied?

Mein klares Lieblingslied ist Lisa – es ist nicht kompliziert und sehr gut zum Mitgrölen. Die Lieblingsline daraus ist: „Die Lisa macht sich gerne Double Penetration/Lädt die Jungens ein und sagt let’s have a popping celebration.“

In dem Lied aus 2010 wird „Lisa“ durchgehend als Hure beschimpft. Haben sich die Texte der 257ers geändert, nachdem sie berühmter geworden sind?

Eigentlich bleiben sie sich treu – die Texte waren bekloppt und sind es immer noch. Bei den Liedern in den Charts achten die 257ers darauf, dass sie nicht so viel schimpfen, etwa bei „Baby du riechst“. Sie haben gesagt, dass es kein gezielter Radio-Hit war. Wenn sonst jedes zweite Wort ein Schimpfwort ist, kann ich das nicht glauben.

Kannst Du diese bekloppten Texte denn regelmäßig hören?

Ich höre die 257ers mittlerweile nur, wenn ich gute Stimmung habe. In der Freizeit beim Grillen in kleiner Runde zum Beispiel. Wichtig ist, dass man die Art der Jungs lustig findet und nicht ernst nimmt. Ansonsten kann man ihre Musik sofort vergessen.

Die 257ers sagen selbst, dass sie über denselben „Scheiß“ rappen, den sie den ganzen Tag erleben. Findest Du das auch? Was macht sie sonst noch privat aus?

Das stimmt, sie sind authentisch bekloppt. Bis vor Kurzem haben sie auch noch ganz normale Jobs gehabt als Verfahrensmechaniker oder Verkäufer bei Edeka. Außerdem haben die 257ers Jewlz, einen geistig Behinderten aus ihrer Gegend, bei sich aufgenommen. Er macht bei ihren Musikvideos mit und kriegt ein bisschen Geld von den 257ers. Jewlz macht auch den ganzen Unfug der Jungs mit, wenn sie unterwegs sind.

Unterwegs sind die 257ers auch auf dem Juicy Beats. Warum muss man sich die Drei angucken?

Einmal sind alle ihre Lieder perfekt, um dazu abzugehen und mitzugrölen. Dazu liefern die Drei immer eine richtig krasse Show ab und rasten selber komplett aus. Denn sie können es gut einordnen, dass es eine Ehre ist, mit so einer durchgedrehten Musik Geld zu verdienen. Wenn man Glück hat, zieht Schneezin sich auch wieder nackt aus. (lacht)

Die 257ers wollen in der Musik ihre eigene Beklopptheit ausdrücken. Kannst Du die Sänger einzeln beschreiben?

Sie sind alle feinste Ruhrpottbauern, die an sich richtig nette Menschen sind. Trotz ihres Erfolgs machen sie überhaupt nicht auf Proll. Keule ist noch der Ruhigste von den Dreien, der meistens über Drogen rappt. Mike ist für mich so der „bekloppte kleine Bruder Typ“. Der Lauteste und Bescheuertste von den 257ers ist sicherlich Schneezin.

Wen von den Dreien findest Du am coolsten?

Schneezin. Denn die Verrücktesten sind immer die Coolsten.

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Teaser- /Beitragsbild: Pressefoto

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